Grafschaft: Heldentrutz
Baronie: Gräflich Reichsend
Gutsherr: Brindan von Rothwilden
Wappen: Folgt
Einwohner: 100
Orte: Hirschquell
Tempel: Peraine-Schrein, Firun-Schrein auf Gutshof
Garnison: 2 Waffenknechte, 2 Knappen
Landschaft: Wald Rothwilden
Wege: Wege nach Wolfspfort, Rothenbrick und Schwarzenberg
Besonderheiten: Der Name des am südlichen Rand des Rothwilden gelegenen Ortes rührt von einer Quelle, die einen kleinen See am Ort speist. Ein Bach verläuft entlang des Wegs nach Schwarzenberg und mündet in den Finsterbach.


Lage:
Hirschquell liegt im südlichen Teil von Gräflich Reichsend, am Rande des Waldes Rothwilden.
Der Ort verdankt seinen Namen einer alten Quelle, von der die Bewohner sagen, dass einst ein mächtiger weißer Hirsch dort seinen letzten Trunk nahm (siehe auch die Legende von Rabana und dem weißen Hirsch). Das Wasser der Quelle sammelt sich in einem kleinen See am Rand des Dorfes. Aus diesem entspringt ein schmaler Bach, der sich ostwärts schlängelt, einem holprigen, kaum befestigten Pfad durch den dichten Wald bis nach Schwarzenberg folgt, bevor er schließlich in den Finsterbach mündet. Ein weiterer Weg führt nach Wolfspfort und Rothenbrick.

Allgemeines:
Hirschquell ist ein kleines, gedrungenes Dorf mit etwa fünfzehn Gehöften und mehreren Blockhütten der Holzfäller, in dem kaum hundert Seelen leben. Darüber hinaus gibt es eine Schenke, eine einfache Schmiede und einen recht gut sortierten Krämerladen. Die Häuser sind einfache Holzbauten, die jedoch ungewöhnlich fest gefügt sind: dicke Balken, eng verzapft, mit schweren Türen und kleinen Fensteröffnungen, die sich im Ernstfall verriegeln lassen. Diese Bauweise ist kein Zufall, sondern erinnert an die schlimmen Ereignisse während des Ersten Orkensturms. 
Im Zentrum des Dorfes steht der schlichte Peraineschrein, der von der alten Tullana, einer Peraineakoluthin, betreut wird. Mit ihrer ruhigen Stimme und ihrem weisen Blick hat sie schon so manchen Streit geschlichtet und so manche Angst gelindert. Die Schänke „Zum Hirsch“ bietet kaum mehr als das Nötigste, doch in ihren niedrigen Stuben werden Neuigkeiten ausgetauscht und Wachsamkeit geteilt.
Die unvollendete Dorfpalisade war dem Ritter Brindan lange ein Dorn im Auge, denn die Wiedererrichtung schritt nur langsam voran. Doch die jüngsten Überfälle auf die Finsterwacht sorgten dafür, dass nun alle mitanpackten, um sich gegen die heranrückenden Schwarzpelze besser zu schützen.

Jenseits der Felder beginnt der Rothwilden, ein natürlicher, urtümlicher Wald von dichter Schönheit. Sein Wildreichtum und seine alten Bäume sichern den Lebensunterhalt der Menschen. Doch so lebensspendend er ist, so gefährlich bleibt er zugleich: Unwegsames Gelände, plötzliche Wetterumschwünge und wilde Tiere fordern ihren Tribut, und nicht alle, die zu tief in den Wald vordringen, finden den Weg zurück. Die Bewohner von Hirschquell begegnen dem Wald daher mit Respekt – und der stillen Gewissheit, dass er weder Freund noch Feind ist, sondern eine Macht für sich.

Rittergut:
Nur wenige hundert Schritt entfernt, am Rand des Rothwilden, liegt das wiederaufgebaute Rittergut der Familie von Rothwilden. Auch hier wurde nach dem Orkensturm nicht nur neu errichtet, sondern bewusst verstärkt: mit festem Wehrturm, verstärktem Torhaus und Palisaden. Ritter Brindan von Rothwilden, ein Mann von ernster Haltung und gelebter Pflicht, sorgt dafür, dass Wachen gestellt und die umliegenden Wege regelmäßig kontrolliert werden. Seine Gemahlin führt das Gut mit klarem Verstand, während ihre beiden Kinder bereits früh lernen, was es heißt, in einem Landstrich aufzuwachsen, in dem Frieden stets nur geliehen ist.

Geschichte:
Im Jahr 1011 wurde Hirschquell ebenso wie das nahegelegene Rittergut von Orkhorden überfallen und zerstört. Nur wenige Menschen überlebten und auch die Familie von Rothwilden musste einen hohen Blutzoll leisten. Noch heute erzählen die Ältesten mit gedämpfter Stimme von jener Nacht aus Feuer, Blut und dem Heulen fremdartiger Hörner. Fast vierzig Götterläufe sind seither vergangen, doch die Leute fürchten immer noch, dass die Orks zurückkehren könnten. Jeder Bauer hält nicht nur für die Feldarbeit eine Mistgabel bereit, und die Holzfäller wissen ihre Äxte nicht nur gegen Bäume zu führen.

Geschichte der Familie Rothwilden:
1011 BF, im Ersten Orkensturm, überfielen die Schwarzpelze den Ort Hirschquell und das Rittergut, auf dem sich die Familie von Rothwilden versammelt hatte. Überrascht von dem hinterhältigen Angriff, bei dem das Anwesen zerstört wurde, wurden Ritter Richolt von Rothwilden zu Hirschquell (961 - 1011 BF) und seine Schwägerin, die Edle Olvida, getötet. Rovena, Richolts Nichte und Tochter von Olvida und Berman von Rothwilden, wurde verschleppt. Ihr Vater machte sich auf eine lange verzweifelte Suche, doch erst mit Hilfe der Ritterin Cassandra Silberbrück, der späteren Schützengräfin zu Trallop, gelang ihm Rovenas Befreiung.
Ritter Harolf von Rothwilden (984 - 1022 BF), der Sohn des getöteten Ritters Richolt, sah sich zunächst außerstande, das Gut wiederaufzubauen. Er diente einige Jahre Gräfin Walderia von Bärwalde als Ritter auf Olats Feste. Als Walpurga von Löwenhaupt 1014 BF die Markgrafschaft Heldentrutz überantwortet wurde, gehörte Ritter Harolf zu ihrem Gefolge. An ihrer Seite kämpfte er gegen die Orks und im Rahja 1014 BF gelang die Befreiung der Feste Reichsend. Anfang 1015 BF wies Markgräfin Walpurga Ritter Harolf an, sein Gut wieder aufzubauen. In den folgenden Jahren wuchs der Ort Hirschquell am Rand des Waldes Rothwilden wieder auf eine Größe von 100 Seelen heran. Im Boron 1022 BF fiel der herzoginnentreue Ritter Harolf in der Schlacht um Auen gegen die Silberfalken.
Fortan kümmerte sich Harolfs Witwe, Algrid (geb. 990 BF), um die Geschicke des Guts, da ihr Sohn Brindan noch seine Knappenschaft beim Wachtgrafen Halgan von Hirschenborn leistete. Kurz nach der Schlacht um Auen bestimmte Baron Gamhain von Brachfelde seinen treuen Gefolgsmann, Berman von Rothwilden, Harolfs Onkel, zum Schultheißen der Stadt Balsaith. Dessen Sohn Refardeon, ein Ritter von Olats Wacht, wurde Gutsvogt von Beonfirn.
Kurz nach seiner Schwertleite zeichnete sich Ritter Brindan von Rothwilden (geb. 1010 BF) in der Schlacht gegen Feracinor Ende 1032 BF durch besondere Tapferkeit aus. Seine Mutter Algrid bat daher den Grafen Emmeran, Brindan das Stammlehen der Familie anzuvertrauen. Anfang 1033 BF wurde Brindan als Ritter zu Hirschquell bestätigt. Beim Führen des Guts erhielt er tatkräftige Unterstützung von seiner Gemahlin Selbrina und seiner Schwester Wigdis.

Besonderheiten:
Einmal im Jahr, meist nach der letzten großen Holzernte vor dem Wintereinbruch, versammeln sich die Hirschqueller zum Wettstreit der starken Arme. Was als einfacher Zeitvertreib begann, ist längst zu einer festen Tradition geworden, bei der Ehre und Ansehen mindestens genauso schwer wiegen wie die Baumstämme des Rothwilden.
Im Mittelpunkt steht das Axtwerfen. Aus festgelegter Distanz werfen die Teilnehmer ihre Äxte auf grob gezimmerte Holzscheiben, oft aus besonders hartem Kernholz. Hier zählt Präzision mehr als rohe Kraft, und nicht selten sorgt ein unscheinbarer Holzfäller für eine Überraschung, wenn seine Klinge mit trockenem Schlag genau im Zentrum stecken bleibt.
Daneben misst man sich im Steineheben. Gewaltige, rundgeschliffene Findlinge, die nahe dem See aufgereiht sind, dienen als Prüfsteine. Wer den schwersten von ihnen auch nur einen Fingerbreit anheben kann, gewinnt den Respekt aller Anwesenden. Die Älteren erinnern sich noch an Jahre, in denen zwei Männer oder Frauen gleichzeitig an einem Stein scheiterten, und ein Dritter ihn später allein hob.
Die dritte Disziplin ist das Baumstammziehen. Dabei muss ein frisch geschlagener und entasteter Stamm muss über eine festgelegte Strecke durch unebenes Gelände gezogen werden. Hier entscheiden Ausdauer, Technik und oft auch Sturheit darüber, wer als Sieger hervorgeht. 
Lautes Anfeuern, reichlich Dünnbier und nicht enden wollende Neckereien zwischen den Teilnehmern begleiten den Wettkampf. Die alte Tullana versorgt die Verletzten und spricht ihnen gut zu. Wenn am Abend der Sieger feststeht, ist es weniger der Preis – in der Regel ein besonders gutes Werkzeug oder ein Stück Fleisch vom Gut – als vielmehr das gewonnene Ansehen, das ihn mit erhobenem Haupt durch das kommende Jahr gehen lässt.

Besondere Bewohner:
Die Dorfbewohner sind misstrauisch, zäh und von stiller Entschlossenheit geprägt. Durch ihren starken Zusammenhalt und ihre Bereitschaft, jederzeit für das Eigene einzustehen, bilden sie eine wehrhafte Gemeinschaft. Weder widriges Wetter noch Orks können sie beugen.

Tullana, Peraineakoluthin (71)
Die weißhaarige, gütige und kinderliebe Akoluthin ist das ruhende Herz Hirschquells. Mit sanfter Stimme, wachem Blick und unerschütterlicher Geduld kümmert sie sich um Kranke, Streitende und Verirrte gleichermaßen. Ihre Ratschläge sind selten direkt. Vielmehr erzählt sie von Begebenheiten aus ihrem langen Leben, deren Bedeutung sich oft erst später erschließt. Viele glauben, dass sie mehr sieht als sie sagt.

Garwin, Dorfschulze (44)
Der Dorfschulze ist ein braunhaariger Mann mit korrekter Haltung und stets leicht gesenktem Kopf vor Ranghöheren. Er achtet streng auf Ordnung und Hierarchie, wirkt aber freundlich und verbindlich. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein wachsames Misstrauen gegenüber allem Fremden. Besonders Helden und Durchreisende betrachtet er als potenzielle Störenfriede seiner mühsam behaupteten Autorität. Einzig Zwerge heißt er gern willkommen.

Rondrik Eisenkamm, Schmied (um die 50)
Breitschultrig, wortkarg und mit rußgeschwärztem Bart ist Rondrik einer der verlässlichsten Männer im Dorf. In seiner Schmiede stellt er nicht nur Pflugscharen, sondern auch solide Klingen her, die im Grenzland unverzichtbar sind. Der altgediente Veteran spricht selten über die Vergangenheit, doch die Narben an seinen Armen zeugen davon, dass er den Orkensturm und manche andere Schlacht miterlebt hat.

Eldegar Wippflink, Krämer (um die 45)
Ein hagerer Mann mit wettergegerbtem Gesicht und stets leicht zusammengekniffenen Augen, als würde er seine Umgebung unaufhörlich prüfen. Eldegar spricht bedächtig, wägt seine Worte ab und scheint selten überrascht. Viele führen dies darauf zurück, dass er meist schon weiß, was andere erst noch erfahren. Sein kleiner Laden ist für hiesige Verhältnisse erstaunlich gut bestückt: Nägel, Stoffe, Lampenöl, einfache Werkzeuge, getrocknete Kräuter und hin und wieder auch Waren, die eigentlich nicht hierher gehören. Er unterhält Kontakte in die Nachbarorte sowie nach Reichsend, Nordhag und Beonfirn. Wer Neuigkeiten aus der Ferne sucht, wird bei ihm oft fündig. Eldegar gilt als verlässlich, aber nicht als vertrauensselig. Gefälligkeiten und Schulden vergisst er nicht. Im Dorf begegnet man ihm mit einer Mischung aus Respekt und vorsichtiger Distanz. Denn auch wenn er stets betont, lediglich ein Krämer zu sein, bleibt die Frage, wie er selbst in schlechten Zeiten an Dinge gelangt, die andere kaum einmal zu sehen bekommen.

Alrike Fuchsfang, Jägerin (32)
Die Jägerin ist ein drahtige Frau mit scharfem Blick und der Gewohnheit, sich lautlos zu bewegen. Alrike kennt den Rothwilden besser als jeder andere im Dorf und versorgt Hirschquell mit Wild und Fellen. Sie ist keine Freundin vieler Worte, doch wer ihr Vertrauen gewinnt, erfährt viel über die verborgenen Pfade und Gefahren des Waldes. Manche behaupten, sie habe schon Orkspuren verfolgt – und überlebt.

Rasko und Merla, Wirtsleute „Zum Hirsch“
Der Wirt ist ein korpulenter, gutmütiger Mann mit donnerndem Lachen. Seine Frau Merla hingegen hält mit scharfem Verstand und noch schärferer Zunge den Laden zusammen. Ihr Wirtshaus ist ein beliebter Treffpunkt der Holzfäller, laut, rau und voller Geschichten. Hier kann es zu feuchtfröhlichen Zechgelagen, lautstarken Streitereien oder auch zu Kräftemessen im Armdrücken kommen. Das Essen ist einfach, aber die Portionen sind groß.

Lorik Waldinger (23), Bauernsohn
Lorik ist einer der Jüngeren im Dorf, kräftig, ehrgeizig und manchmal etwas zu ungestüm, was auch sein struppiges, braunes Haar unterstreicht. Er bewundert die Ritter der Finsterwacht und träumt von größeren Taten, als es Hirschquell zu bieten scheint. Sein strenger, traditionsverhafteter Vater versucht meist vergeblich, ihn zu mehr Pflichterfüllung zu erziehen.

Bera Halmenschnitt, Bäuerin (etwa 55)
Die einflussreiche Bäuerin ist eine resolute, misstrauische Frau, deren Felder zu den am besten bestellten im Dorf zählen. Sie hat den Orkensturm als junges Mädchen erlebt und ist stets wachsam, was Gefahren angeht. Nachlässigkeit bei der Arbeit oder im Umgang mit Geld sind ihr ein Gräuel. Wer bei ihr Hilfe sucht, bekommt sie, wobei sie sich mit klaren, harschen Worten nicht zurückhält.