Dorf Wargentrutz, ein paar Tage später

Rahjania atmete erleichtert aus. Endlich, so fühlte die junge Tulamidin, hatte sie das Ziel ihrer weiten Reise erreicht. Mit einer sanften Geste befahlt sie dem Fasarer Tempelgardisten stehenzubleiben und auch sie zügelte ihre rassige Stute am Eingang des Dorfes Wargentrutz. Unvoreingenommen schweifte ihr Blick über das, was sich ihr hier bot. Mittlerweise war sie die weidener Landschaft gewohnt und hatte auch schon einige der hiesigen Dörfer gesehen. Dieses hier unterschied sich auf den ersten Blick nicht wirklich von den anderen. Ein paar Häuser innerhalb eines hölzernen Palisadenzaunes und Menschen, die in praktische und robuste Kleider gewandet waren und wohl hauptsächlich ihr Tagwerk als Bauern und Viehzüchter bestritten. Im Zentrum, nahe des Dergelflusses, befand sich ein größerer Fachwerkbau, welcher als Pilgerherberge und Gasthof Rosenhügel bekannt war und auf einem kleinen Platz gegenüber der Kapelle mit Statue und heiligen Rosen zu finden war. Außer ihrem archaischen Begleiter Assaf aus Fasar war noch ein anderer Mann an ihrer Seite. Feyenhold, der Junker dieser Lande und wohnhaft in der Burg über dem Dorf auf der anderen Seite des Flusses, sollte ihr dieser Tage nicht von der Seite weichen.

Rahjania schob die Kapuze ihres roten Wollmantels zurück und zog ihre Brauen hoch. Sie wandte sich an den blonden Jüngling zu ihrer Linken. "Feyenhold, mein Lieber, ich glaube, es ist an der Zeit, dass du mich unseren Schützlingen vorstellst." Ihr Blick ging über die sich langsam versammelnden Menschen der Siedlung. Eine Frau wie sie erregte hier wohl einiges an Aufsehen. "Schau doch, sie tuscheln und rotten sich unsicher in einem Haufen zusammen."

Den neugierigen Blicken begegnete sie mit einem sanften Lächeln und winkte ihren Schäfchen generös zu. Nur zu gern würde sie wissen was durch die Köpfe der Wargentrutzer gehen mochte. Viele von ihnen kannten wohl gerade einmal die unmittelbare Umgebung und vielleicht das eine oder andere Dorf in einer Nachbarbaronie. Nicht viele hier hatte wohl zuvor schon eine Tulamidin gesehen. Die junge Geweihte musste bei dem Gedanken daran lachen, dass man ihr vor wenigen Tagen in Pergelfurt ein Bad angeboten hatte, hielt man ihren kupfernen Hautton wohl für den Staub der Straßen. Sie wusste die Geste zu schätzen und hegte keinen Groll. Die Menschen hier waren unwissend, in vielerlei Hinsicht wie Kinder, doch immerhin begegnete man ihr mit vorsichtigem Respekt und Hilfsbereitschaft. Es würde Rahjanias neue Heimat werden und wenn ihre Zeit hier hielt was die ersten Tage versprachen, dann würde sie sich hier mit einer herausfordernden, aber erfüllenden Aufgabe konfrontiert sehen.

Fin