Tempel der Radscha Uschtammar, Fasar, Peraine 1038 BF

Im Raum war es schwül und dunkel, die Luft war angereichert von Aromen und Gerüchen, welche von vielen hier platzierten Rauchstäben und Kerzen herrührten ... als würde sie schreien, öffnete die junge Frau auf dem Bett den Mund, doch sollte kein Laut über ihre Lippen dringen. Ihr nackter Körper bog sich in ein Hohlkreuz und sie schlug seufzend die Augen auf. Sie konnte sehen, doch schien ihr Geist noch in einer anderen Welt. Ihre neben ihr knieende Schwester Rahschanya hielt sie erschrocken an den Schultern und schüttelte sie.

"Rahjania! Hörst du mich?" Sicher fehlte es ihrer Freundin bloß an frischer Luft und etwas Wasser. Die beiden jungen Dienerinnen der schönen Göttin hatten eben noch im Zimmer gescherzt und wollten sich auf das abendliche Ritual vorbereiten, als Rahjanias Augen nach hinten rollten und sie wie leblos auf dem Bett zur Seite gekippt war. Radschanya musste sich eingestehen, dass ihre Schwester ein außergewöhnlich schönes Wesen war - schöner als sie selbst - 23 Götterläufe alt mit rabenschwarzem Haar, das sie, entgegen der Mode, wohl aus Trotz oder Übermut kurz zu tragen pflegte. Groß gewachsen und schlank war sie, jedoch mit passenden weiblichen Rundungen an den richtigen Stellen. Doch es waren in erster Linie ihre dunklen, fast schwarzen Augen, die selbst für in diesen Breiten geheimnisvoll und anziehend wirkten. Mussten viele ihrer Schwestern mit Kohlestaub nachhelfen um ihre Augen so zur Geltung zu bringen, war es Rahjania göttinnengegeben.

Langsam fand die junge Frau in die Wirklichkeit zurück und schob mit der Hand den Becher Wasser beiseite, welchen Rahschanya ihr reichen wollte. "Ich muss weg, in den Norden." Sie nahm die Hand der Freundin und war so ernst, wie diese sie selten gesehen hatte. "Ich habe SIE gespürt, leibhaftig." Sie flüsterte erregt und ihre Augen weiteten sich vor Aufregung. "Ich muss mit der Erhabenen sprechen, unbedingt ... es waren Bilder ... Wald, wild anmutende Menschen, denen Rahja nahe gebracht werden muss. SIE will es so. Und immer wieder Rosen, sie sind so schön ..." Rahjania war aufgesprungen und eilte zur Tür. Kurz schien es als würde sie stolpern und vorne über fallen, dann warf sie einen Blick zurück auf ihre Freundin. "Ich erkläre es dir später. Ich muss mit der Shanja Rashanja darüber reden, bevor die Bilder verblassen ..." Rahschanya wollte etwas erwidern, da sah sie, dass an Rahjanias Rosentätowierung, die ihre linke Brust zierte eine der Knospen zu einer blühenden Rose ´gewachsen´ war.