Familie in Weiden

Blut ist dicker als Wasser – Familiäre Bande in Weiden

„Ja, natürlich ist das Vetternwirtschaft. Aber Ihr sagt das gerade so, als wäre es etwas Schlechtes?!“
–Arlan von Löwenhaupt, Prinz Weidens zu einem ungenannten garetischen Adligen, 1038 BF

Familiärer Zusammenhalt gilt viel in der mittnächtlichen Gesellschaft, wobei die Bedeutung zunimmt, je unmittelbarer und damit enger die Bande sind. Vettern und Basen stehen sich in Weiden häufig beinahe ebenso nahe, wie Geschwister in anderen Provinzen. Bekanntestes Beispiel dafür waren lange Zeit die Barone Knorrhold von Harffenberg-Binsböckel und Borckhart von Brauningen-Binsböckel, die aufgrund ihrer engen Verbundenheit allgemein „Balihoer Brüder“ genannt wurden, obgleich sie ‚nur‘ Vettern waren.
Dabei muss der Zusammenhalt nicht zwingend aus Liebe und Zuneigung bestehen, denn häufig ist es vor allem die tiefe Verhaftung in der Tradition, die diese Verbindungen ein Leben lang aufrecht erhält. Für gewöhnlich ist ein Weidener der Gemeinschaft, in die er hinein geboren wird, verpflichtet so lange er lebt und sogar noch darüber hinaus. Davon kündet der Brauch, zu einem Mahl stets ein überzähliges Horn oder Becherchen mit Bier, Met oder Bärentod zu füllen, damit die geschätzten Toten gnädig auf den Haushalt herabblicken.

Gemeinsames Blut eint – zumindest nach außen. Vetternwirtschaft ist in Weiden die logische und als naheliegend empfundene Folge. Zumindest wenn es darum geht, die Familie auf ehrenvolle und schickliche Weise zu schützen und zu stärken. Darum ist Vetternwirtschaft hier – meist – auch etwas anders beleumundet, als im übrigen Reich. Sie bedeutet nämlich nicht, dass Außenstehende zugunsten von Familienmitgliedern schamlos ausgebootet werden, denn das würde wiederum als ehrenrührig empfunden. Stattdessen bedeutet Vetternwirtschaft, dass man sich um das Wohl aller Familienmitglieder sorgt, und sei das verwandtschaftliche Band noch so fadenscheinig. Es ist Ehrensache, für das Auskommen eines Verwandten Sorge zu tragen, bei Bedarf als Leumundszeugen zur Verfügung zu stehen und selbst den größten Versager mit durchzuschleppen. Entsprechend bedeutsam ist in Weiden die Rolle des Familienvorstands, denn letztlich gibt dieser vor, in welche Richtung die Sippe marschiert, und das weitgehend auch mit unangefochtener Autorität. Zumindest dann, wenn sie oder er die Position vernünftig und verantwortungsvoll ausfüllt. Denn wenn nicht, kann durchaus die schmachvolle Ersetzung durch einen geeigneteren Kandidaten erfolgen, denn Tyrannen schätzt der Weidener nicht und noch weniger in seiner Familie.