Sturm und Drang - Das Hochzeitsturnier

Am Tag oder auch einige Tage nach der Hochzeit – je nachdem wie weit die Familiensitze auseinanderliegen – veranstalten Adelsfamilien gern Turniere. Häufig ist zu hören, dass dies geschieht, um die Sturmleuin zu ehren. Das mag durchaus seine Richtigkeit haben und die Rondrakirche hört es ausgesprochen gern, tatsächlich aber entspricht es vor allem der Weidener Mentalität, eine gute Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Denn wann hat man schon einmal so viele Streiter auf einem Fleck und damit Gelegenheit, die Fähigkeiten der Nachbarn und seine eigenen zu überprüfen?

Hochzeitsturniere erfüllen allerdings noch einen anderen Zweck: Sie erlauben es mancher Jungritterin und manchem gestandenen Rittersmann, sich zu präsentieren oder selbst als heiratswillig zu erkennen zu geben. Entsprechend sind Turniere anlässlich einer Hochzeit zwar durchaus ernsthafte Angelegenheiten, ihnen fehlt üblicherweise aber die andernorts so häufig zu beobachtende Verbissenheit. Dies vermutlich auch, weil die Kombattanten von der vorangegangenen Feier noch angeschlagen sind. Vermutlich liegt dort auch der Grund dafür, dass Hochzeitsturniere recht häufig mit einem unerwarteten Sieger aufwarten.
Außerdem ist die Zahl der Disziplinen auf zwei begrenzt. Wird die Verbindung zweier mächtiger Häuser, die gegebenenfalls aus verschiedenen Grafschaften oder gar Provinzen stammen, gefeiert, beginnt das Turnier mit einem Buhurt. Die Landsleute des Bräutigams treten gegen die der Braut an und es gibt viele Berichte, wonach es über den Buhurt zum ersten Ehestreit des frisch vermählten Paars kam, weil einer den eigenen Leuten allzu eifrig zugejubelt hatte. Dem heiteren Anlass zum Trotz ist nämlich jede Seite darauf aus, den Sieg davonzutragen und Zeugnis der eigenen Wehrhaftigkeit abzulegen.
Weniger bedeutsame Familien verzichten auf den Buhurt. Stattdessen werden Zweikämpfe zu Fuß ausgefochten, bisweilen auch Wettbewerbe im Bogenschießen abgehalten, die jedoch nur Adelspersonen offenstehen.
Die Krönung des Turniers ist die Tjoste. Hier können Recken und Ritterinnen Gunstbändchen erbitten und damit für alle Welt sichtbar Interesse an jemandem bekunden. Darüber hinaus ist es üblich, dass unterlegene Bewerber hier ein letztes Mal zu Ehren der Braut oder des Bräutigams kämpfen. Eigens dafür werden Gunstbändchen angefertigt, die nach dem Ritt und ungeachtet des Ausgangs der Tjoste dem Gatten oder der Gattin der ehedem Auserkorenen überreicht werden. Verbunden ist diese Geste mit der Ermahnung, seine oder ihre Pflichten als Ehepartner bloß ernst zu nehmen.
Der Sieg bei einem Hochzeitsturnier ist gut für die Reputation, bringt darüber hinaus aber wenig ein. Meist werden eher symbolische Siegprämien ausgelobt, denn es soll tatsächlich zu Ehren der Brautleute und nicht der Bereicherung wegen gestritten werden.
Übrigens bleibt just den Brautleuten eine Teilnahme an diesem Turnier verwehrt. Ihnen kommt es stattdessen zu, den Kämpfen aufmerksam zu folgen und nicht mit Lob zu sparen.