VI. DRAMATIS PERSONAE BÖCKELSDORFIENSIS

Das Haus Klöppelstein

Kurz nach der Geburt ihres fünften und sechsten Kindes erlag Hermgarde von Firunslicht, die erste Gemahlin Baron Berwings, im Jahre 1003 BF einem schweren Fieber. Erst sieben Jahre später heiratete der, mittlerweile fünfzigjährige, Baron erneut: Die schöne (und mit ihren zweiundzwanzig Jahren erheblich jüngere) Neunhild von Feyring aus den Mittenberger Landen starb jedoch tragischerweise im Jahre 1019 BF im Kindbett bei der Geburt ihres zweiten Kindes und ersten Sohnes, den die herbeigeeilten Geweihten und auch der weise Druide Ildrion nicht retten konnten. Seither regiert der Baron alleine auf Burg Klöppelstein und hatte stets ein strenges Auge auf die Erziehung der überlebenden vier Kinder. Zwei Söhne (Helmbraecht und Baernhelm) wurden bereits im Säuglingsalter Opfer des strengen Böckelsdorfer Winters. Aminte, die Zwillingsschwester Karinjas stürzte, kurz nachdem sie laufen gelernt hatte, in einen der düsteren Bergseen der Baronie und ertrank. Der jüngste Spross des Barons, Gaerbold, trat zusammen mit seiner Mutter und nur einige Stunden nach der Geburt den Flug über das Nirgendmeer an.
Baerwulf und Baerfried wurden alsbald ins Tobrische in die Knappenschaft gegeben und stritten Seite an Seite gegen den Sphärenschänder. Tochter Karinja steht an dritter Stelle in der Erbfolge: Stets plagen sie düstere Gedanken, oftmals schließt sie sich für Tage in ihrer Kemenate ein und wechselt mit keiner lebenden Seele auch nur ein Wort. Es geht das Gerücht, sie spreche in diesen einsamen Stunden zu ihrer toten Zwillingsschwester. Die jüngste Tochter des Barons, Lyseria, ist das genaue Gegenteil ihrer verschlossenen Halbschwester. Mit ihrem frohen Gemüt, einem reizenden Äußeren und einer silbernen Stimme war sie oft der Sonnenstrahl, die dichten Regenwolken über Burg Klöppelstein zu vertreiben. Lyseria ist gut mit der schönen Hexe Junivera befreundet.

Das wohl denkwürdigste Ereignis in der jüngeren Familiengeschichte des Hauses Böckelsdorf dürfte die Verbannung Baerfrieds, des Erben der Baronie, sein. In einer stürmischen Efferd-Nacht im Jahre 1026 BF verstieß Baron Berwing, bösen Vorahnungen folgend, seinen ältesten Sohn.

Baron Berwing schimpft auf alles und jeden, wobei sein Nachbar Anselm von Hölderlingen zu Rotwasser wohl am häufigsten geschmäht und verflucht wird – nur in einem Punkt sind sich die beiden Streithähne einig: die Freundschaft ihrer Söhne Baerwulf und Arnfried ist mehr als unangemessen – sie ist Verrat!