III. VON DEN BÖCKELSDORFERN

Zunächst das Augenscheinliche

Auf die Bewohner der Pandlarilauen machen die Böckelsdorfer einen verwilderten Eindruck, manch einer behauptet gar, sie seien enger mit ihren Schwarzböcken als mit den Bürgern Trallops oder Balihos verwandt.
Die meisten Talbewohner sind von eher kleinem Wuchs und stämmiger Statur. Ihre Haut ist tagtäglich Sonne und Wetter ausgesetzt, und daher rauer und von meist einer etwas dunkleren Färbung als die der anderen Weidener. Männer und Frauen tragen das lockige Haupthaar lang und offen. Die ohnehin recht stark behaarten Männer lassen sich lange Bärte stehen, sofern diese nicht die Arbeit behindern. Aus diesem Grunde werden die Bärte beim arbeiten im Wald hoch gebunden, oder unter das Hemd oder den Gürtel geschoben. Die Talbewohner sind zäh und muskulös, Fett auf den Hüften ist eine seltene Ausnahme und gilt als Zeichen des Wohlstandes.
Die meisten Böckelsdorfer sehen sich recht ähnlich. Dies verwundert nicht, ist die Wahl des Ehepartners (durch die Eltern) doch meist auf das Angebot des eigenen oder des Nachbartals beschränkt. Deshalb sind beinahe alle Böckelsdorfer auf irgendeine Weise untereinander verwandt, die Familie des Barons einmal ausgenommen.
Die harte Arbeit und die Tatsache, dass einen kundiger Heiler oft ein paar Tagesmärsche entfernt in einem anderen Tal lebt, haben dafür gesorgt, dass Narben und Verstümmelungen recht häufig zu sehen sind. Aber auch die wilden Tiere, allen voran die angriffslustigen Harpyien, tragen ihren Teil bei.

Die Kleidung der Böckelsdorfer ist aus der Wolle der Schwarzböcke gewebt, Leder und die Pelze der Tiere der Bergwälder kommen ebenfalls häufig zum Einsatz. Andere Stoffe müssen von außerhalb der Sichel erworben werden und sind dementsprechend selten und teuer.
Beinahe jeder Böckelsdorfer trägt Beinkleider aus dunkler Wolle, die ähnlich wie Strumpfhosen in Socken enden. Darüber ein Hemd, ebenfalls aus Wolle oder aus
(teurem) Leinen. Über dem Hemd eine Kutte aus Leder oder Filz (im Winter meist gefüttert). Die Kutte wird mit Bändern auf der Innenseite an den Beinlingen befestigt, damit diese gut halten. Um die Hüften einen breiten Ledergürtel, dessen Schnalle meist ein altes Familienerbstück ist. Diese Gürtel verfügen über eine Vielzahl praktischer Taschen und Schnüre, in oder an denen Handwerkszeug oder Proviant verstaut werden. Auf dem Kopf trägt der Böckelsdorfer einen breitkrempigen Filzhut gegen Sonne und Schnee, dieser wird unter dem Kinn von einem Lederriemen gehalten, damit er nicht davon weht. Viele Leute, allen voran die Hirten, lieben es ihre Hüte (seltener auch die anderen Kleidungsstücke) mit kleinen Holzschnitzerein und Vogelfedern zu verzieren. Zu seinem zwölften Geburtstag bekommt jedes Kind ein Schnitzmesser geschenkt. Dieses Messer ist von da ab ein ständiger Begleiter, und so üben sich die Böckelsdorfer schon früh in der Kunst der Holzschnitzerei.

Das Wesen der Einheimischen

Das Verhalten der Böckelsdorfer ist ein Spiegel ihrer rauen und gefährlichen Umwelt. Der größte Teil der Bewohner der Baronie lebt dicht gedrängt in kleinen Inseln der Zivilisation, diese jedoch sind von Wald und Berg viele Wegstunden von einander getrennt. Deshalb sind den Felsheimern bereits die Baerpfader fremd und ein Waffenknecht auf Burg Ilkenstein weiß vermutlich nicht, wer gerade in der Grenzstation Geißen Dienst tut. Umso obskurer scheinen den Bewohnern Reisende von außerhalb der Baronie. Aber gerade in dieser wilden Gegend wird Travias Gebot der Gastfreundschaft viel Achtung entgegengebracht. Und ein (einigermaßen ungefährlich aussehender) Wanderer, der in eines der abgelegenen Dörfer kommt, kann damit rechnen, bei einem der Einheimischen aufgenommen zu werden, wenn auch nicht sonderlich herzlich.
Die Schwarze Sichel bietet den Menschen nur wenig, und das will auch noch hart erarbeitet sein. Somit bleibt den Böckelsdorfern kaum ein Überschuss (an Nahrung und Zeit) für Feiern oder der Bewirtung von Gästen, und sie sind streng, wortkarg und haben wenig Verständnis für die aufwendigen religiösen Zeremonien der “Außentäler”.

Es gibt alleine zwei Ausnahmen von dieser Regel: Die mutigen Hirten, die ihre Schwarzbockherden auch durch andere Täler als das ihrer Geburt treiben und die Räuber des Hauptmanns Bregedar (dazu aber später mehr).
Die Böckelsdorfer gelten in den Nachbarbaronien als äußerst ungebildet und hinterwäldlerisch, in entfernteren Gegenden Weidens würden ihnen vermutlich ebenfalls diese Eigenschaften zugesprochen, hätte man dort jemals von ihnen vernommen ...
An einer Hand kann man diejenigen abzählen, die des Lesens und Schreibens mächtig sind: Die Mitglieder des Baronshauses, sowie die Geweihten der Peraine- und des Travia-Tempels und vielleicht noch ein paar Rondrianer auf Keshal Ronnar, diese aber auch mehr schlecht als recht.

Trotz dieser Widrigkeiten lieben die Böckelsdorfer ihre Heimat, und kaum einer von ihnen ist jemals auf die Idee gekommen, dem vertrauten Hof und der Familie den Rücken zu kehren. Noch weniger sind nach einer solchen Reise je wieder zurückgekommen. In Böckelsdorf wird jeder Arm gebraucht und schon deshalb achten Baron und Familienoberhäupter darauf, dass sich ihre Schäfchen (oder Zicklein, wie man hier sagt) niemals zu weit von der Herde entfernen. Genauso wenig würde ein anständiger Böckelsdorfer auf die Idee kommen, sich über sein hartes Leben zu beklagen. Mut, Zähigkeit und eine gewisse Schicksalsergebenheit sind die höchsten Tugenden der Menschen hier.

Wie halten es die Böckelsdorfer mit der Religion?

Im Süden der Baronie wacht die Ordensburg Keshal Ronnar, und sicherlich sind die Rondrianer fromm. Diese Frömmigkeit hat allerdings niemals auf die Bewohner der Täler übergegriffen: Zum einen haben die Hirten, Bauern und Holzfäller wenig Zeit zum Beten oder um in einen Tempel zu pilgern, und zum anderen zeigen sich die Rondrianer nicht gerade missionierungsfreudig.
In Borchen und Tannweiler gibt es je einen Peraine-Tempel. Während die Geweihte in Borchen für die Fruchtbarkeit der wenigen Felder und eine gute Ernte zuständig ist (und direkt verantwortlich gemacht wird), wird der Geweihte in Tannweiler von den Böckelsdorfern als erfahrener Heiler geschätzt.
Eine ebenso wichtige Rolle spielt die Travia-Verehrung in Felsheim. Das strenge Geweihten-Paar achtet darauf, dass Travias Gebote in allen Tälern der Baronie geachtet werden und richtet die Hochzeiten der Einheimischen aus, auch wenn diese eher kärglich ausfallen.
Zwar steht in der Nähe von Baerpfaden auch ein Firun-Tempel, aber der scheue Geweihte meidet die Gesellschaft seiner Mitmenschen eher, als dass er sie sucht.
Die Kapelle auf Burg Klöppelstein wurde nach einem Rahja-Wunder zu einem Schrein der Göttin des Rausches umgewandelt. Im alltäglichen Leben verehrt der Böckelsdorfer die schöne Göttin als die Geliebte (in manchen Geschichten als Geliebte wider Willen) des schwarzen Bockes (s.u.).
Eine wesentlich größere Rolle muss man da wohl schon dem Aberglauben zuschreiben. Für den Böckelsdorfer wohnt in fast jedem See und Wasserfall eine Nymphe. Jeder zweite Baum wird von einem Waldgeist bewacht, auf den Berggipfeln und in den tiefen Schluchten hausen namenlose Ungeheuer.
Man kennt die Erdriesin Sumu und bringt ihr mancher Orten vorsichtshalber kleine Opfergaben dar. Hierbei handelt es sich übrigens, wie bei allen Opfern, die der Böckelsdorfer den überderischen Wesenheiten darbringt, um besonders schöne Steine und Holzschnitzereien. Geschlachtete Tiere und andere Nahrungsmittel werden stets (nach der Opferungszeremonie) noch einmal dem menschlichen Hunger geopfert. Eine recht eigentümliche Form der Verehrung bringt man hierzulande dem gehörnten Levthan entgegen. Er übernimmt die (Teil-) Aufgaben gleich mehrerer Zwölfgötter. Die Böckelsdorfer glauben der „große schwarze Bock“ bestimme mit seinen wilden Himmelssprüngen das Wetter. So flucht der Wanderer, der von einem der häufigen und plötzlichen Unwetter überrascht wird auf den Mannwidder und das Bockswetter. Um den wilden Bock gnädig zu stimmen und so für mildes Wetter (aber auch für die Fruchtbarkeit der Schwarzbockherde oder aber der eigenen Lenden) zu sorgen, bringt man Levthan kleine Opfer, meist in Form von in Menstrualblut getauchten Schwarzbockfell-Armbändern dar. Außerdem gehören die Riesen Aarfir, Aarwen und Aarmar und ihre Mutter, die schwarze Gigantin Sokramur (also der Schwarzen Sichel selbst) sein sollen, für die meisten Böckelsdorfer zu jener Art Wesen, denen man besser seinen Respekt bekundet.

Die Bewohner der Täler vermuten, das der Namenlose selbst unter dem hängenden Gletscher des Firun, mitten in der Schwarzen Sichel, eingeschlossen ist. Es herrscht der Aberglaube, dass die heißen Sonnenstrahlen im Monat Rahja das eisige Gefängnis erweichen und der Namenlose für die fünf nach ihm benannten Tage frei auf deren wandeln könne, bevor er, vor Praios Macht fliehend, in seinen frostigen Kerker zurückkehre.

Speis und Trank

Fast alle Böckelsdorfer müssen hart um ihr täglich Brot kämpfen, und deshalb spielt das Essen im Leben der Talbewohner auch eine wichtige Rolle. Die Küche von Böckelsdorf jedoch ist karg und man muss im wesentlichen auf die Nahrungsmittel zurückgreifen, die Schwarzböcke, Wald und die wenigen Felder von Borchen liefern.
Das einfache Volk speist an sieben Tagen in der Woche das wenig nahrhafte Dinkelbrot, die Adligen und die Bewohner der Keshal Ronnar ein graues Brot aus Dinkel und Roggen. Dazu gibt es einen kräftigen Ziegenkäse, den Schwarzring, der es in den vergangenen Jahrzehnten zu einiger Berühmtheit im mitternächtlichen Herzogtum gebracht hat und selbst auf der Bärenburg im fernen Trallop mundet.

Pilze, Nüsse und Beeren aus dem Wald wandern ebenfalls in die Töpfe und Pfannen der Böckelsdorfer. Gewürzt wird, wenn überhaupt, mit den wilden Kräutern der Wälder.
Fleisch kommt nur selten auf den Tisch, zumeist in Form von Schwarzbock-Braten. Ab und an landet auch Wildbret auf der Tafel des Adels. Die hohen Herrschaften laben sich in etwa vier mal wöchentlich an Wurst und Braten, dem Großteil der Böckelsdorfer hingegen wird dieses Vergnügen höchstens einmal die Woche zuteil und auch dann sind es meistens magere Kaninchen und Vögel aus den Wäldern oder Fische aus den Flüssen, die das Magenknurren besänftigen.
Süßspeisen gibt es äußerst selten. Auf Hochzeiten und zu Beerdigungen, oder am ersten Praios erfreut dann das Waldzicklein mit seinem ungewohnt süß-salzigen Geschmack. Der allgegenwärtige Ziegenkäse wird erhitzt und dann mit warmen Waldhonig oder Beerenkompott gleich aus der Pfanne gegessen. Ansonsten wird mit dem dunklen Waldhonig gesüßt.

Wenn möglich trinkt der Böckelsdorfer etwas anderes als das klare und reine Wasser der zahlreichen Bergflüsse seiner Heimat. Ziegenmilch ist allerorten erhältlich, wenn auch nicht sonderlich beliebt. Die Erzeugnisse des Milchbauern von Borchen (dem einzigen in der Baronie, der eine kleine Herde Rinder sein eigen nennt) sind Luxus. Kuhmilch, Butter und Käse gehen stets, bis auf wenige Ausnahmen, den kurzen Weg zur Burg Klöppelstein.
In Borchen wird aber auch ein dünnes Dinkelbier gebraut, dass sich bei den Böckelsdorfern (aber sicherlich nirgends sonst) größter Beliebtheit erfreut. Mit dem Genuss vergorener Ziegenmilch und dem daraus resultierenden Rausch wird gleichermaßen Rahja und Levthan gehuldigt. Zu guter Letzt gibt es in der Baronie ein halbes Dutzend Männer und Frauen die es verstehen, aus dem Roggen der Felder und den Beeren und Kräutern des Waldes starke Schnäpse herzustellen. Diese geistreichen Getränke tragen abenteuerliche Namen wie Drudenblut, Bocksfang, oder Aarensaft, aus dem Waldhonig lässt sich der Schmackhafte Bergmet herstellen. Die Trinkhörner der Böckelsdorfer sind in der Regel die ausgehöhlten Hörner der Schwarzböcke, was hierzulande natürlich niemanden wundert, überall sonst allerdings recht ungewöhnlich sein dürfte.

Rechte und Pflichten

Bis auf wenige Ausnahmen (wie den Meier von Borchen) sind die Böckelsdorfer unfreie Untertanen ihres Barons, denen von Rechtswegen also das Tragen einer Waffe verwehrt ist. Dennoch findet sich auf jedem Hof und in jedem Haus mindestens eine ausgewachsene Holzfälleraxt. Auch kurze Bögen und lange Messer zur Jagd sind weit verbreitet. In selteneren Fällen hängt an der Wand auch noch ein schartiges Breitschwert, oder ein uralter Speer. All dies ist oft über viele Generationen vererbt, aber auch der jetzige Besitzer weiß sich damit gegen die wilden Kreaturen der Täler zu erwehren, wie seine Vorfahren aus ruhmreichen Tagen.

Jeder Böckelsdorfer ist nominell zu mehreren Wochen Frondienst im Jahr verpflichtet, die er dann mit dem Instandsetzen der Wege, dem Hüten der herrschaftlichen Schwarzbockherde oder der Waldrodung auf den Ländereien des Barons zu bringt. Allerdings werden viele Bewohner der äußeren Täler dabei einfach vergessen, so dass sie sich ganz 'ihrem' Stückchen Land (oder besser: Wald) widmen können. Reich geworden ist davon allerdings noch kein Böckelsdorfer.

Der Adel ist hier, wie auch anderer Orten, für die Sicherheit seiner Untertanen zuständig. Zum Glück für den Baron verirren sich nur selten Goblinbanden nach Böckelsdorf und Raubritter Bregedar überfällt lieber lohnendere Ziele in Salthel und lässt den Böckelsdorfern ihr spärliches Hab und Gut. Gegen die wilden Harpyien der Berghänge und die Spinnen, die das westliche Rohtal verseuchen, haben die Bemühungen des Barons und der Rondrianer bisher allerdings wenig Wirkung gezeigt.

Der Baron ist außerdem oberster Richter, er erlässt Gesetze und verurteilt größere Verbrechen. Von diesem Recht muss er allerdings so gut wie nie Gebrauch machen, da kleinere Verbrechen vom Dorfrat verurteilt werden, Geldstrafen und Kerkerhaft beinahe völlig unbekannt sind; Körperstrafen sind die Regel. Übrigens sind es meist Durchreisende, die auf der Anklagebank landen. Ein Böckelsdorfer wird sich hüten den Nachbarn zu bestehlen, oder gar umzubringen. Der unzeitige Tod eines Nachbarn kann die winzigen Dorfgemeinschaften grundlegend durcheinander wirbeln und damit auch leicht den eigenen Untergang besiegeln.

In der Baronie findet sich allerdings kein Rechtsgelehrter, so dass der Ausgang von Prozessen ausschließlich vom Urteil des Barons abhängt, der auch, wenn er sich anders nicht zu helfen weiß gerne auf Gottesurteile zurückgreift. Bei der Durchführung diese archaischen Rechts lässt er sich allerdings gerne von den Rondra-Geweihten beraten.

Handel und Wandel

Nur selten, etwa zwei mal im Jahr, kommt ein fahrender Händler nach Böckelsdorf. Dieser tauscht dann heiß begehrtes Salz und Metall gegen Schwarzring-Käse, Wolle, Schiefer und Holz... und allem was die Böckelsdorfer daraus herstellen können.
Der Umgang mit dem Holz liegt den meisten Böckelsdorfern im Blut. Es gibt kein Haus und Hütte, die nicht mit zahlreichen Holzfiguren verziert ist. An Bauholz mangelt es nie und in Baerpfaden gibt es einen hervorragenden Bogner, dessen Handwerkskunst auch außerhalb der Baronie geschätzt wird. Metall allerdings ist in Böckelsdorf Mangelware und muss importiert werden (in der Baronie wird, ob mangelnder Fachkenntnisse und Arbeitskraft, kein Bergbau betrieben). Auch Geld besitzt kaum einer. Innerhalb der Baronie wird beinahe ausschließlich Tauschhandel betrieben, so dass es sein kann, dass besagter Bogner von durchreisenden Abenteurern passend, oder ebenfalls in Naturalien bezahlt werden muss.

Allein die Felsheimer verdienen sich ab und an eine Münze, wenn sie reisenden Magiern den Weg in den Rothain weisen, oder ihnen gleich das gesuchte Blutulmenholz verkaufen. Durch die Isolation erreichen Nachrichten Böckelsdorf oft gar nicht, oder mit mehreren Monden oder gar Jahren Verspätung. Über die (seltenen) Veränderungen innerhalb der Baronie erfahren die Nachbarn in gleicher Unregelmäßigkeit.

Sagen, Lieder und Legenden

Die Böckelsdorfer erzählen sich allerlei Geschichten über die seltsamen, wunderlichen und gefährlichen Bewohner der Bergtäler. Diese Sagen sind oftmals schon seit Jahrhunderten im Umlauf und, da kaum jemand schreiben kann, einem steten Wandel unterworfen. Die bekannteste Geschichte handelt von Derofried dem Harfner. Weitere beliebte Sagenfiguren sind Nerulf der Grüne Ritter (der erste Baron zu Böckelsdorf) und der Heilige Hagebald, ein Rondra-Geweihter zu Zeiten der Priesterkaiser, sowie die Riesen Aarfir, Aarwen und Aarmar sowie Levthan, der “große schwarze Bock” selbst.

Der Böckelsdorfer kennt eine Vielzahl trauriger und fröhlicher Lieder, die er dann zur Unterhaltung seiner Gäste, oder ganz für sich, beim Schwarzbockhüten und Holzfällen, singt. Diese Lieder sind meist nicht sonderlich lang und genau wie die Erzählungen
nirgends schriftlich hinterlegt, so dass mal eine Strophe vergessen, mal eine andere hinzugedichtet wird. Viele Talbewohner verstehen sich auch darauf ein
einfaches (meist selbst gebautes) Musikinstrument zu spielen und so die Märchen und Lieder auf Trommel, Klangholz und Flöte zu begleiten.