IV .VON DÖRFERN UND BURGEN
Alle Dörfer und Weiler der Baronie sind von hohen Palisaden umgeben. Die meisten liegen auf Klippen und Felsvorsprüngen, der umgebende Wald ist mit Beil und Feuer gerodet, damit man Bedrohungen schon aus der Ferne ausmachen kann. Die Häuser in Böckelsdorf sind, bis auf wenige Ausnahmen wie die Mühle von Borchen oder den Bocksbeutel in Baerpfaden, aus Holz gebaut. Jeder Häusereingang und Fensterladen ist reich und kunstvoll beschnitzt. Manche Häuser (wie der Tempel zu Felsheim) sind über und über mit wundervollen und oftmals von Generationen von Böckelsdorfern gepflegten und restaurierten Holzkunstwerken verziert. Die häufigsten Motive sind die allgegenwärtigen Schwarzböcke, aber auch Harfen und Weinreben (um Borchen) und Drosseln (hauptsächlich natürlich in der Drosseltiefe) sind oft gesehene Darstellungen. Über manch einen Giebel wacht eine Hausdrude, die Darstellung einer lachenden Harpyie mit gespreizten Flügeln, die die Geister des Waldes und andere ungebetene Besucher verscheuchen soll. In Felsheim hängt an jeder Türe ein Schutzamulett, oder Glücksbringer. Stehen die Häuser an windgeschützter Stelle, so tragen sie hohe, spitze Giebel, um nicht im Winter von den Schneemassen eingedrückt zu werden. An zugigen Berghängen und an anderen windigen Stellen hingegen wirken die Hütten und Häuser geduckt, haben flache Dächer, die zusätzlich noch mit schwarzen Schieferplatten beschwert sind.
Baerpfaden ist mit seinen etwa 170 Einwohnern die zweitgrößte Ansiedlung in Böckelsdorf. Bogner Fulco ist in der ganzen Baronie und darüber hinaus für seine hervorragenden Bögen berühmt und betreibt außerdem eines der drei Gasthäuser der Baronie, den Bocksbeutel (Q4/P3/S6). Außerhalb des Palisadenzaunes, wenn man einen überwucherten Pfad ein gutes Stück in den Wald hinein folgt, stößt man auf einen kleinen Firun-Tempel, über und über mit kunstvollen Holz- und Knochenschnitzereien verziert. Hier kann man auf den Geweihten Baeromar stoßen, wenn dieser nicht gerade auf einem seiner langen Jagdausflüge ist. Den übrigen Talbewohnern ist der einsiedlerische Priester etwas unheimlich und sie meiden ihn, wo es geht.
Die Grenzstation Geißen liegt etwa einen halben Tagesmarsch (bedingt durch die Qualität der Wege) nordwestlich von Baerpfaden. An der Nordgrenze der Baronie wachen stets drei bis fünf Waffenknechte des Barons auf einem alten, zugigen Turm. Zu Füßen des Gemäuers lebt ein gutes Dutzend Holzfäller und Schäfer in geduckt wirkenden Hütten, deren Dächer mit schweren Steinen gegen das beständige Zerren des Windes beschwert sind. Der alte Markward, dessen richtiger Name inzwischen beinahe in Vergessenheit geraten ist, führt hier das Regiment.
Felsheim liegt auf einem schroffen Hügel, auf dessen Kuppe zwölf uralte und völlig verwitterte Menhire stehen. Die Monolithen, die offensichtlich druidischen Ursprungs sind, stehen in regelmäßigen Abständen an den Rändern der Hügelkuppe. Zwischen den Steinen errichteten die Felsheimer einen hohen Palisadenzaun. Innerhalb dieses archaisch anmutenden Schutzkreises leben etwa einhundert Menschen, die meisten vom Holzschlag im dichten Wald zu Füßen des unbewachsenen Hügels, der sich wie eine felsige Insel aus dem rauschenden grünen Meer erhebt. In Felsheim steht außerdem er einzige erhaltene Travia-Tempel der Baronie, der mit auffällig schönen Holzverzierungen das Zentrum des Örtchens bildet. Hier lebt das gestrenge Geweihten-Paar Nado und Erlwidda und jeder Böckelsdorfer, der den heiligen Traviabund schließen will, muss zu ihnen pilgern. Einige findige Felsheimer verdienen sich die eine, oder andere Münze, indem sie reisenden Zauberern den Weg in den Rothain weisen. Tatsächlich hat es sich wohl in den letzten Jahrzehnten herumgesprochen, dass sich in dieser entlegenden Gegend hervorragendes Material für Zauberstäbe und magische Studien beschaffen lässt. Reisende kommen im Gasthaus Hinkelstein (Q4/P4/S7), direkt neben dem Travia-Tempel, unter. Selbstverständlich sind die seltsamen Menhire mit ihren kaum noch sichtbaren Runen und Zauberzeichen, neben den Blutulmen und Geisterbuchen des Rothains, ein Anziehungspunkt für reisende Zauberer. Beinahe jeder Felsheimer trägt eine kleine, in Ziegenleder gewickelte Nachbildung der Schutzsteine als glückbringendes Amulett um den Hals. Wirtin Helchtruda hat stets ein paar dieser Schutzamulette in Reserve, um sie interessierten Gästen aufzuschwatzen.
Borchen, der größte Ort der Baronie mit immerhin 290 Einwohnern ist als einziges Dorf in Böckelstein von einigen (für garetische Verhältnisse nur als äußerst karg zu bezeichnenden) Äckern und Feldern umgeben. Perdan Wiswald, der einzige Bauer der Gegend, der einen kleine Rinderherde sein eigen nennt, ist der reichste Untergebene des Barons. Neben seinen Kühen besitzt er auch die einzige Mühle weit und breit. So viel Reichtum erzeugt Neid und deshalb ist der reichste Bauer gleichzeitig der am wenigsten geschätzte. Perdans Sohn Walfrit gehört das Haus Bocksprung (Q5/P6/S10), das beste (und teuerste) Gasthaus der Baronie. Nahebei erstreckt sich der Boronanger, hier wacht stets ein Geweihter der Rondra im kleinen, trutzigen Tempel über den Schlaf der Toten und die zahlreichen Grabsteine aus dem finsterem Schiefer der Sichel. Hinter Erdwall und Palisaden stehen die spitzgiebeligen Häuser der Borchener, eines der unauffälligsten – wenn auch wichtigsten – ist der Peraine-Tempel. Die Geweihte Waldpurga betet hier für Fruchtbarkeit der Felder und eine reiche Ernte. Das Dorf schmiegt sich schutzsuchend an den hohen Drosselspitz, von Burg Klöppelstein gekrönt, dem Sitz des Barons.
Tannweiler ist mit seinen etwa achtzig Anwohnern das kleinste Dorf in der Baronie und liegt tief im Tannenwald verborgen, so dass schon mancher Auswärtige die unscheinbare Abzweigung des Weges übersah, Dorf und Burg links liegen ließ. Doch beherbergt Tannweiler die beiden besten Heiler der Täler: Eusebius Storchenflug, der Peraine-Geweihte des Ortes und Kupunda eine weise und hilfsbereite Hexe.
Burg Ilkenstein wacht auf einem steilen, bewaldeten Hügel über Tannweiler und ist der Sitz von Baerwulf, dem Sohn des Barons.
Keshal Ronnar, oder Burg Aarenstein, ragt wie ein Relikt längst vergessener Zeiten an der Flanke des Aarenfels auf, der sich gute 2.000 Schritt in den Himmel reckt. Die einzige Möglichkeit in die Burg zu gelangen, führt über ein Gewirr von Kavernen, das ein Teil des sagenumwobenen Aarenpasses sein soll, der angeblich von Böckelsdorf in die tobrische Baronie Lindenhain führt. Auf der Burg verrichten etwa zwei Dutzend Bewaffnete ihren Dienst an der Herrin.
Baronie Böckelsdorf - IV. Von Dörfern und Burgen
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