In heimatliche Gefilde

Dramatis Personae:

  • Irmina Vermias von Rhodenstein (Tresslerin des Ordens zur Wahrung)
    ... mitsamt ihrer Kinder
  • Luten Corrhenstein von Hirschenheide (Ritter der Wahrung und Erbjunker)
    ... mitsamt Ritterlanze
  • Radewid Datharid von Rhodenstein (Geweihte der Rondra, Kriegschronistin des Ordens)
  • Heldar Rayamas von Rhodenstein (junger Geweihter der Rondra)

Baronie Weidenhag, Mitte Peraine 1043 BF

Vom Rhodenstein aus waren sie nach Süden geritten, durch die, an die Hollerheide angrenzende Baronie Urkentrutz, dann hinüber in die Grafschaft Heldentrutz und durch Herzoglich Waldleuen, wo sie einen Tag pausierten. Irmina wollte die Gelegenheit nutzen und die dort ansässigen von Wolfenthanns besuchen, Neuigkeiten austauschen, sich gemeinsam an Familienanekdoten erfreuen und irritierende Kunde aus dem Herzen des Reiches gerade rücken.

Wiewohl letzteres bislang nicht sonderlich schwierig war, denn der Ruf der garetischen Ritterschaft hatte bereits in den vorangegangenen Jahren gelitten. Viele Weidener taten das, was nun berichtet wurde, mit einem gleichgültigen Schulterzucken ab. Sie ordneten es als weiteren Ausdruck der pflichtvergessenen und anmaßenden Verkommenheit ein, die sie unterdessen mit vielen Rittern aus der Mitte des Reiches in Verbindung brachten. Dennoch bemühten sich die Geweihten des Ordens, die Position des Rhodensteins, ja der ganzen Senne des Nordens, klar zu machen, um Missverständnisse gar nicht erst entstehen zu lassen.

Als Geleit für die Tresslerin des Ordens hatte der Rhodenstein zwei junge Geweihte entsandt, die von ebenso vielen Novizen begleitet wurden. Außerdem hatte sich mit Luten Corrhenstein von Hirschenheide ein Ritter der Wahrung mitsamt seiner Lanze hinzugesellt. Er und seine Leute kümmerten sich vor allem um die stabile, kleine Kutsche, in der die beiden Kinder Irminas mit ihrer Amme reisten und das Abenteuer dieser Reise in vollen Zügen genossen. Augenscheinlich bereitete es Luten Freude, Rondrymir, den achtjährigen Sohn der Tresslerin, vor sich im Sattel reiten zu lassen und seine zahllosen Fragen zum Leben eines Ritters zu beantworten. Was, so ließ sich die erfreute Mutter wiederholt vernehmen, eine sehr gute Übung sei, denn Herr Luten habe derzeit ja leider weder Page, noch Knappe. Die Erinnerung daran versetzte den Corrhensteiner jedoch regelmäßig in schweigsames Brüten und nach zwei-drei Tagen vermieden die Reisegefährten, ihn darauf oder seinen Jungesellenstand anzusprechen.

Nach einer guten Woche hatte die ansehnliche Reisegesellschaft den Weißensee mit der imposanten Feste Weißenstein erreicht, die über die Grenze zur praioswärts gelegenen Baronie Weidenhag wachte. Bis zum Dorf Weidenhag, in dem sich auch der Baronssitz befand, war es noch eine Tagesreise und so nahm Irmina die freundliche Einladung Aldewein der Jüngere von Weißensteins, Oberhaupt der in Weiden so gut beleumundeten Familie Weißenstein, die Nacht auf der Burg zu verbringen, gerne an. Immerhin galt es auch hier das leidige Thema der im Garetischen immer heftiger wütenden Fehde zu besprechen.

Die Tresslerin des Ordens zur Wahrung freute sich sichtbar, als sie dem Weg am nächsten Morgen durch heimatliche Felder und Wiesen folgten. Etliche Bauern gingen dort ihrem perainegefälligen Tun nach, denn der Frühling hielt Einzug und damit eine sehr arbeitsreiche Zeit. Aber auch eine, die mit ihrer zunehmenden Lieblichkeit erfreute. Immer wieder wies Irmina ihre Kindern und damit auch den Rest der Gesellschaft auf Besonderheiten hin oder erzählte Anekdoten aus der Geschichte ihrer Heimatbaronie, bisweilen auch eine aus der eigenen Kindheit.

Am frühen Abend endlich war ihr Ziel erreicht und Irmina lenkte ihr Streitross ohne zu Zögern in Richtung eines trutzigen Ritterguts im Herzen des Dorfes. Die sei der Hag, erklärte sie niemandem im Speziellen, der Baronssitz Weidenhags und damit Ziel ihrer Reise.