Die Jagd - Räuberhöhle
Ort: Hohenforst
Dramatis Personae:
- Bormunde von Firunsgrund (Junkersgemahlin von Biberwald)
- Grimmbart der Graue (Vorsteher des Ulmenauer Firuntempels)
- Helchtruda aus Mittenwalde (vorlaute Krötenhexe)
- Alwen Lidaria von Wolfenthann (Geweihte der Ifirn)
- Boronmin Odulf von Henjasburg (Page von Ritter Hadomar)
- Daithi ´Adlerkralle´ von Rechklamm (Schüler von Meister Dyderich)
- Fenia Wargentrutzer (Novizin im Tempel der Heiligen Rosen)
Die Räuberhöhle, Hohenforst, Morgen des 23. Peraine 1044 BF
Der Weg von der kleinen Jagdhütte zu besagtem ´Hintereingang´ war kein allzu weiter gewesen und was der kleinen Gruppe bevorstehen würde, eröffnete sich Daithi und Boronmin als einem jeden der vier eine Fackel gereicht wurde. “Die brauchen wir”, meinte Grimmbart auf die fragenden Blicke seiner beiden jungen Begleiter hin. “Das was uns hier drinnen begegnen kann, fürchtet das Feuer”, führte er weiter aus und fasste dann seinen Jagdspeer fester.
Bereits kurz vor dem düsteren Eingang strömte ihnen ein fürchterlicher Odor entgegen: eine Mischung aus abgestandenem, feuchtem Mief und Verwesung. Wieder wandte sich der alte Geweihte zu seinen Begleitern um. Während Alwen ruhig und konzentriert ihren Jagdspeer prüfte, verstanden der Bardenschüler und der Page den strengen Blick als eine Art Prüfung ob die beiden denn bereit sein würden, für das was folgen … könnte.
Nachdem kein Widerwort zu kommen schien, schlüpfte der Hochgeweihte als erster durch den dunklen Spalt. Alwen würde das Schlusslicht bilden.
Die Höhle war von einer Dunkelheit beseelt, die das Licht der vier Fackeln zu verschlucken schien und es dauerte nicht lange, bis etwas unter Daithis Stiefeln knirschend nachgab. Die hellen Splitter vor ihm hoben sich deutlich vom sonst dunklem Untergrund ab und sahen aus wie … Knochen. Nun klarte sich das Bild für den Bardenschüler auf - es war als betraten sie ein Grab … sterbliche Überreste rund um sie, ob von Mensch oder Tier konnte er dabei nicht ausmachen. “Fackel höher halten”, flüsterte Alwen von hinten. “Die Gefahr kommt von oben.”
Boronmin schluckte schwer, als ihm die Fackel gereicht wurde und malte sich vor seinem geistigen Auge all das aus, was das Feuer fürchten mochte. Doch obwohl er die Lippen aufeinander gepresst hatte und die Fackel fest umklammert hielt, gab er keinen Mucks von sich. Er versuchte sich daran zu erinnern, was sein Vater ihn gelehrt hatte. Die Dunkelheit war nicht sein Feind. Die Toten waren nicht seine Feinde. Selbst wenn dies ein Grab war, musste es kein böser Ort sein... Der Junge schluckte, sprach in Gedanken ein Gebet und hielt die Fackel, wie von Alwen verlangt, ein wenig höher, die Augen nun angespannt nach oben gerichtet.
Der Isenhager empfand die gesamte Situation als sehr beklemmend: die Sorge um das, was sie in dieser Höhle erwartete, ob Untier, ob Henyas Bande; die Sorge, den anvertrauten kleinen Pagen wieder lebendig aus diesem Fährnis wieder zurück zu bringen; und schließlich und letztendlich die Sorge um Silvagild. All dies legte sich nun wie ein zuschnürendes Seil um Daithis Brust und es fiel ihm buchstäblich das Atmen schwerer. Er hielt wie geheißen die Fackel höher und versuchte gleichzeitig darauf zu achten, was von oben kommen könnte, wohin er trat, wo Boronmin lief, sowie dem Firungeweihten zu folgen und auf dessen Signale zu achten. Der Bardenschüler musste sich eingestehen, dass er schlichtweg überfordert war. Bei all dem trat die Atmosphäre der dunklen Höhle beinahe in den Hintergrund.
Die beiden jungen Männer machten seltsam unförmige Schemen aus, konnten jedoch nicht genau sehen, worum es sich dabei handelte. Erst ein seltsames Funkeln gab ersten Aufschluss darüber, um was es sich handeln konnte. Ein Funkeln, als spiegle sich das Licht in Augen wieder … nur handelte es sich dabei nicht um zwei, sondern um acht.
"Spinnen..." hauchte der junge Page fast lautlos, dem ein Schauer über den Rücken lief. Seine Beine wollten sich nicht mehr recht bewegen, doch konnte er hier auch nicht stehenbleiben. Boronmin schluckte mehrfach und zwang sich, stetig voranzugehen und nicht daran zu denken, was die Spinnen da oben taten, wie groß sie wohl waren, wie viele davon es gab... Und was wäre, wenn sie sich auf ihn hinabfallen lassen würden... Er fühlte, wie Panik in ihm aufstieg und blieb schließlich fast stehen. Hilfesuchend blickte er im Fackelschein zu Daithi auf.
Der Bardenschüler wäre dem Pagen beinahe in den Rücken gelaufen, als dieser im Gehen stockte. Er hatte selbst mit einem sehr mulmigen Gefühl die Augen über ihnen betrachtet und nicht gemerkt, dass Boronmin fast stehen blieb. Dann bemerkte er den hilfesuchenden Blick des Jungen. Daithi schluckte. Dann riss er sich zusammen und raunte ihm zu: “Keine Angst. Solange wir Fackeln haben, tun sie uns nichts.” Das war erst einmal eine Behauptung. Daithi hatte überhaupt keine Ahnung von Spinnen. Erst recht nicht von so großen. Doch er sprach in einem Brustton der Überzeugung, um dem Jungen Mut zu machen - und auch sich selbst.
“Geht weiter”, meinte Alwen hinter den beiden jungen Männern und hielt ihren Jagdspieß im Anschlag. Höhlenspinnen scheuten Licht, vor allem Feuer. Sie jagten vor allem in Nacht und Dunkelheit. “Ich passe auf euch …”
Ein fürchterliches Knacken ließ die Ifirngeweihte innehalten. Wie es schien war Daithi auf einen eingewobenen Eikokon getreten. Es war ein Geräusch, das auch Grimmbart aufhorchen ließ. “Nimm die zwei und geht weiter. Das Nest ist nicht so groß”, knurrte der alte Geweihte und schlüpfte dann neben den anderen der Gruppe hindurch um sich dem Arachniden entgegen zu stellen, der sich soeben hinter ihnen abgeseilt hatte.
Der Page nickte Daithi dankbar zu, atmete tief ein und setzte sich wieder entschlossener in Bewegung, die Fackel so fest umkrallt wie irgendwie möglich. Bei dem lauten, garstigen Knackgeräusch riss Boronmin die Augen weit auf und hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund. Sein Blick sprang unstet hin und her, als Grimmbart sich der Spinne entgegen stellte. "Sollen wir nicht helfen?" rief er zu Daithi und Alwen mit aufgeregt überschlagender Stimme. Boronmin wollte nicht hier sein - aber sie konnten den Geweihten doch nicht mit diesen Monstern allein lassen!
In einem für ihn selbst unerwarteten Anflug von Übermut drehte sich der Bardenschüler herum und zog seinen Dolch, um sich den sich abseilenden Spinnen zu stellen. Dabei schob er intuitiv Boronmin hinter sich, immer noch darauf bedacht, dass er ihn schützen musste. Daithi hatte überhaupt keine Ahnung, wie gefährlich die Spinnen waren. Er war aber fest entschlossen, jetzt alles einzusetzen, um die Aufgabe und Erwartungen zu erfüllen, die andere ihm und auch er selbst sich gesetzt hatten. Bei den Göttern! Er würde es den Spinnen zeigen.
Als er sah, dass Daithi kämpfen wollte, stellte sich auch Boronmin entschlossen den Spinnen entgegen. Der Junge verzichtete jedoch darauf, sein Knappenschwert zu ziehen, sondern hielt weiterhin die Fackel fest in der Hand und streckte diese den Viechern entgegen. Wenn sie das Licht und das Feuer scheuen, dann würden sie vielleicht auch gut brennen? Er schwang die Fackel und versuchte mit flackerndem Blick zu erfassen, ob eine der Spinnen in seine Reichweite kam.
“Rücken aneinander”, wies Grimmbart die anderen an, nachdem er deren Bleiben mit einem grummelnden Brummen kommentierte. “Bleibt aufmerksam, auch nach oben hin!” Wer das Jagdverhalten von Höhlenspinnen kannte, der wusste, dass die Achtbeiner für gewöhnlich warteten bis sich Beute in einem ihrer Netze fing. Sonst waren sie eigentlich alles andere als aggressiv. Im gegenwärtigen Fall fühlten sie sich aber wahrscheinlich durch die Menschen gefährdet, die die bis zu 2 Schritt messenden Spinnen für gewöhnlich auch als lohnende Beute ansahen. “Zusammenbleiben …”, hallte wieder die Stimme des alten Firungeweihten durch die Höhle, kurz bevor er eine der Arachniden mit einem kräftigen Stoß seines Speeres zum Zurückweichen brachte, “... wir bewegen uns weiter.”
Langsam tasteten sich Vier durch das dunkle Gewölbe vor. Rund um sie huschten immer wieder die Höhlenspinnen herum, die sich jedoch nur vereinzelt an die Menschen mit ihrem Licht heranwagten. Es war Daithi, dem einer der Achtbeiner nahe kam. Nicht nur das, die hochgiftige Spinne schnellte nach vorne und der Bardenschüler konnte deutlich die kräftigen Beißzangen vernehmen, die geifernd unter den Acht Augen nach Beute gierten.
Daithi versuchte der angreifenden Spinne auszuweichen, was er auch schaffte. Der Arachnide war nun nur mehr einen Spann von ihm entfernt und richtete sich bedrohlich auf seinen hinteren vier Beinen auf.
Der Bardenschüler war ganz erschreckt über den wilden Angriff, doch dann nahm er sich zusammen und stieß mit seinem Dolch nach dem Ungetüm und die kleine Klinge schien die Wirkung nicht verfehlt zu haben. Nach einem leisen Quieken wich die Spinne etwas zurück und ließ fürs erste einmal vom Bardenschüler ab. Alwen, neben Daithi stach noch einmal nach und auch die Ifirngeweihte schien den Achtbeiner getroffen zu haben. Zumindest schien dieser nun fürs erste genug zu haben.
Währenddessen hörte Boronmin, trotz des herrschenden Chaos ein leises Knacken, welches von oben zu kommen schien.
Boronmin versuchte, die Anweisungen Grimmbarts zu befolgen und dicht in der Formation der Gruppe zu bleiben. Mit zum Zerreißen angespannten Nerven und unruhigem Blick beobachtete der Junge die düstere Umgebung. Er versuchte sich verzweifelt an das zu erinnern, was sein Schwertvater ihm über die innere Ruhe und Gelassenheit erzählt hatte, mit der ein Kämpe in die Schlacht gehen sollte, um nicht von seinen Ängsten überwältigt zu werden. Ruhig bleiben, um ohne Zögern agieren zu können... Trotzdem entwich Boronmin ein unterdrückter Laut des Erschreckens, als die große Spinne auf Daithi zuschnellte. Mit weit aufgerissenen Augen sah er mit an, wie sein Freund das Biest mit dem Dolch abwehrte. Der Page zog nun doch das Knappenschwert, das er seit dem Fest an seinem Gürtel trug und nahm die Fackel stattdessen in die Linke. Kaum war dies erledigt, huschte sein entsetzter Blick noch oben und er streckte die Fackel in Richtung des über ihm knackenden Geräusches aus.
Der Angriff der Spinne steckte dem Isenhager noch in den Knochen. In was war er hier hineingeraten? Als der Page sein Schwert zog und die Fackel nach oben streckte, drehte er seinen Kopf zu ihm, um zu sehen, ob er in Gefahr war. Daithi hatte mächtig Angst, dass dem Jungen etwas passieren könnte.
Beim Blick hoch konnte Boronmin den bedrohlich näher gekommenen Schatten gut ausmachen. Eine der Höhlenspinnen schien sie tatsächlich von oben angreifen zu wollen.
In den Bruchteilen eines Wimperschlags, die ihm für die Entscheidung blieben, ob er mit der Fackel oder der Waffe angreifen sollte, stach der Junge instinktiv mit dem Schwert zu, zielte mit einem angestrengten Ächzen und aller Kraft, die er aufbringen konnte, direkt auf den runden Leib der Spinne.
Tatsächlich traf der junge Page seine achtbeinige Gegnerin. Zumindest zuckte sie nun deutlich zurück und auch Grimmbart schien die Bewegung zu vernehmen und setzte nach, was darin gipfelte, dass die Spinne von ihnen abließ.
Daithi war beeindruckt, dass Boronmin die Spinne so gut erwischt hatte und hatte den EIndruck, dass er nun durch Grimmbarts Hilfe sicher sei. Daher wandte er sich wieder möglichen Gefahren zu.
“Weiter!”, wies der Firungeweihte seine Gruppe weiter an und die Art und Weise wie er die anderen dirigierte ließ den Schluss zu, dass er die Höhlen hier kannte. So dauerte es nicht allzu lange, bis sie an einem Spalt angekommen waren, durch den hinaus sie das große Höhlengewölbe in einen schmalen Gang verließen.
“Das war knapp”, kommentierte Alwen und richtete sich ihren Mantel. “Seltsam, dass sie so aggressiv waren.”
“Mmmmhmm”, brummte Grimmbart zustimmend. So furchteinflößend diese Geschöpfe auch waren, normalerweise jagten sie nur, was ihnen ins Netz. “Wer auch immer Henyas ehemaliges Versteck bewohnt, er oder sie rechnet allem Anschein nach mit Besuch.”
Boronmin empfand einen gewissen Stolz, die Spinne erwischt zu haben, eilte aber schnell dem Firungeweihten hinterher und atmete an der Spalte tief und erleichtert durch. "Vielleicht waren sie so wütend, weil wir dieses Kokon-Ding zertreten haben?" mutmaßte der Page. "Aber glaubt Ihr", er schaute den Firungeweihten fragend an, "dass man diese Spinnen als 'Wachtiere' einsetzen kann?"
“Möglicherweise ein Zauber”, dachte Daithi laut. “Wir sollten vorsichtig sein.” Als er das gesagt hatte, merkte er wie unnötig diese Feststellung war. Es war so oder so angebracht, hier sehr vorsichtig zu sein. Er murmelte ein leises Stoßgebet zu den Zwölfen und zu Ifirn, auf deren Beistand er sehr hoffte.
"Genau", meinte der Geweihte knapp und nickte Daithi zu. "Bleibt zusammen …", wandte Grimmbart sich im nächsten Moment wieder nach vorne und setzte seinen Weg fort, "... und bleibt aufmerksam. Es ist nicht mehr weit."
Wie angekündigt dauerte es nicht mehr lange, bis die kleine Gruppe in einen Gang einbog, an dessen Ende ein flackernder Lichtschein auszumachen war. Alwen sammelte die Fackeln der anderen ein und erstickte gekonnt deren Flammen. Nun mussten sie eins werden mit den Schatten, wollten sie eine Chance haben sich einen Überblick über die herrschende Situation zu schaffen. Auch legte Grimmbart seinen Zeigefinger an seine Lippen, um den anderen zu bedeuten Stille zu wahren.
Schallendes Gelächter hallte ihnen entgegen. Die Stimmen dazu waren jedoch nur sehr schwer zu verstehen.
Es war Daithi, der vereinzelte Gesprächsfetzen zweier Männer mitbekam: … was hat er jetzt mit dieser Schlampe vor? … ob die ihm wirklich helfen wird? … na klar, der kann sie sich ja gefügig machen … funktionierte in dem Kaff doch auch … wie? … das weiß ich nicht … aber du kennst den Plan … Lager abbrechen und nachkommen … wie? Was wir mit den Gefangenen machen sollen? Mitnehmen können wir sie nicht … vielleicht werfen wir sie den Spinnen zum Fraß vor?
Boronmin lauschte angestrengt, konnte jedoch von dem Gesprochenen nichts verstehen, nur das unheimliche Gelächter. "Soll ich noch ein Stück weiter vor schleichen?" fragte er wispernd.
Die geschulten Ohren des Bardenschülers nahmen Fetzen eines Gesprächs wahr. Jetzt war ihm klar: “Silvagild ist hier”, flüsterte er. “Sie überlegen, was sie mit ihren Gefangenen …” Er stockte. Das gehörte machte ihn sehr unruhig. “Wir müssen handeln.”
"Ihren Gefangenen? Heißt das, sie haben mehrere?" fragte Boronmin mit großen, auf Daithi gerichteten Augen. "Und was haben sie über Silvagild gesagt?"
Daithi dachte kurz nach. Möglicherweise hatte er das Gehörte falsch interpretiert. “Es kann auch sein”, flüsterte er, “dass sie Silvagild schon mitgenommen haben und wir hier nur noch die Nachhut und weitere Gefangene antreffen.”
Boronmin, der von dem Gespräch der Männer so gut wie nichts verstanden hatte, versuchte Daithis Aussagen im Geist zu sortieren. "Selbst wenn Frau Silvagild nicht hier ist, müssen wir die anderen Gefangenen doch auch befreien, oder? Vielleicht können wir die Räuber überwältigen... Also, wenn es nur eine kleine Nachhut ist."
“Mh-hm”, bestätigte Daithi die Worte Boronmins mit einem leisen, zustimmenden Brummen. Er wartete auf Grimmbarts Anweisungen.
Der Hochgeweihte hörte ebenfalls angestrengt hin, doch machte sich hier wohl sein bereits fortgeschrittenes Alter bemerkbar, weshalb seine Anstrengungen erfolglos blieben. "Ich fürchte, dass wir nicht einfach versuchen können die Gruppe zu überwältigen", flüsterte Grimmbart. "Wir wissen weder wieviel es sind, noch wie sie sich verschanzt haben."
"Noch dazu, weil wir davon ausgehen können, dass sie Probleme erwarten", setzte Alwen hinzu, die sich bis dahin etwas weiter hinten um die Fackeln der Gruppe gekümmert hatten.
"Mhmm", schien der Hochgeweihte diesen Worten zuzustimmen. "Da wir nun nicht wieder durch das Spinnennest hinaus zu Helchtruda gehen können, um sie nach ihren Eindrücken befragen zu können, bleibt uns aber auch nichts anderes übrig als nach vorne weiter zu schleichen. Aber wir sollten auf jeden Fall im Hintergrund bleiben, egal was wir dort sehen. Erst wenn wir einen Überblick über die Lage haben, können wir uns weitere Schritte überlegen. Einverstanden?"
Boronmin nickte zerknirscht. Er wollte so gerne endlich etwas tun, um Silvagild und den anderen Entführten zu helfen. Doch sah er auch ein, wie gefährlich die Situation hier war. Folgsam machte er sich daran, auf leisen Sohlen weiter zu schleichen - was ihm nicht allzu schwer fiel, war er doch mehr oder weniger in einem Borontempel aufgewachsen.
Die beiden Geweihten hatten wohl recht, dachte Daithi. Aber sie müssten doch irgendwie verhindern können, dass die Banditen ihre Gefangenen den Spinnen zum Fraß vorwerfen. Vielleicht ergab sich doch noch was. Aber erst einmal, so dachte der Bardenschüler, war es richtig, so zu handeln, wie Grimmbart und Alwen es sagten. Darum ließ er erneut einwilligend ein leises Brummen hören. Er war zutiefst angespannt, die Nackenhaare hatten sich aufgestellt. Er versuchte so leise wie möglich zu schleichen.
Lautlos bewegte sich die Gruppe dem Licht entgegen. Die Gespräche verstummten und das was die Vier nun vernehmen konnten, ließ darauf schließen, dass die beiden Männer nun würfelten oder Karten spielten. Zumindest hörte man ab und an Schläge auf einen Holztisch und gegenseitige Vorwürfe, dass der jeweils andere bescheißen würde.
Kurz vor dem beleuchteten Raum hielten sie an, denn an den beiden vorbeizuschleichen würde der Gruppe bestimmt nicht gelingen. Es war überraschend wie heimelig ausgebaut das Höhlensystem hier war. Es war angenehm beleuchtet und es fanden sich sogar annehmbare Holzmöbel. Bis auf die beiden war jedoch vorerst niemand zu erkennen.
Es dauerte nur wenige Momente bis Bewegung in die beiden Männer kam. "Alaaaarm …", hallte eine weibliche Stimme durch das Höhlensystem, "... schwingt eure Ärsche hinaus. Wir werden angegriffen!" Auf diese Worte hin sprangen beide Männer vom Tisch auf, griffen nach ihren Waffen und liefen nach vorne aus dem kleinen Höhlengewölbe hinaus. Somit war der Weg in den nächsten Abschnitt für die kleinen Gruppe frei - doch wer griff Henyas Leute an?
Der Isenhager war aufs äußerste angespannt. Sein feines Gehör ließ ihn jedes kleines Geräusch wahrnehmen, dass sie trotz ihrer gelingenden Bemühungen von sich gaben. Jedes dieser Geräusche machte ihn noch unruhiger. Sein Herz klopfte. Als er den lauten 'Alaaaarm …' vernahm, dachte er für einige Momente: Jetzt ist es aus! Er sah sein kurzes Leben vor seinen Augen dahin ziehen. Als die Männer dann aufsprangen und nicht auf sie zu sondern in eine andere Richtung liefen, fiel ein ganzer Felsen von seinem Herzen. Dennoch immer noch irritiert über das was nun vorging sah er zu Grimmbart und Alwen sowie schließlich auch zu Boronmin.
Der Page fühlte sich ein wenig dadurch beruhigt, dass es tatsächlich nur zwei Räuber zu sein schienen und nicht eine ganze Truppe. Um so mehr schreckte er zusammen, als plötzlich diese schrille Stimme erklang. Mit weit aufgerissenen Augen blickte er in die Runde. "Bestimmt sind es unsere Freunde!" flüsterte er aufgeregt. "Das ist unsere Gelegenheit, die Gefangenen zu befreien! Wir müssen uns beeilen!" Am liebsten wäre er sofort voran gestürmt, schaute jedoch zunächst fragend in die Gesichter der Erwachsenen.
Daithi war überrascht, dass es Boronmin war, der als erster die Initiative ergriff. Aber der Junge hatte recht, sie mussten handeln. Aber doch sicher nicht unvorsichtig. “Sollen wir vorsichtig weiter voran und schauen, ob wir Gefangene befreien können?”, flüsterte er daher zögernd.
Boronmin nickte mehrmals enthusiastisch.
"Es würde mich wundern, wenn das die anderen wären", gab Alwen zu bedenken. "Wie hätten sie hergefunden und noch dazu so schnell?"
"Lasst uns weitersehen", ließ sich derweil Grimmbart auf keine Diskussion ein. "Der Page hat recht, wenn es hier Gefangene gibt, wäre das unsere Chance sie zu befreien."
Nachdem sich die Gruppe in diesem Punkt einig zeigte, betraten sie vorsichtig den beleuchteten Teil des Gewölbes und hier fanden sich wirklich hölzerne Verschläge, die wie Zellen wirkten. Die Ifirngeweihte bedeutete den anderen wortlos, dass sie nach vorne hin absichern würden, was den anderen die Möglichkeit gab sich umzusehen.
Die Verschläge waren verschlossen, sonst fanden sich nur noch ein kleiner Tisch mit Spielkarten darauf, ein Waffenständer und Wandfackeln im Raum, der nach vorne hin weiter ging.
Vorsichtig legte der Bardenschüler sein Ohr an das Holz eines Verschlages, um zu Lauschen ob darinnen vielleicht jemand sein könnte und tatsächlich hörte der Bardenschüler leises Klirren, das ihn entfernt an Ketten erinnerte.
Daithi versuchte den Splint aus der Verriegelung zu ziehen.
Boronmin sah sich derweil den Waffenständer an, ob sich dort etwas befand, das er Daithi vielleicht als Werkzeug für den Splint reichen könnte.
Aber Daithi konnte den Splint mit etwas Mühe auch so entfernen. Er schob den Riegel zurück, öffnete vorsichtig die Türe und lugte hinein.
Im Inneren war es dunkel, doch konnte Daithi eine junge Frau am Boden sitzen sehen. Sie hatte rotes Haar und eine Vielzahl Feenküsschen um die Nase. Gekleidet war sie in zerschlissene rote Kleidung, furchtsam sah sie zum Bardenschüler auf.
"Wir…", stotterte Daithi leicht überfordert. Die junge Frau sprach ihn direkt auf mehreren Ebenen an. Natürlich war da das Mitleid über ihre Situation als Gefangene dieser Schergen. Dann wiederum war sie sehr hübsch und der Bardenschüler merkte, wie sein Herz unruhig zu klopfen begann. "Wir… äh… wir wollen dich befreien. Hab keine Angst." Vor Verlegenheit schoss dem jungen Isenhager das Blut ins Gesicht. Er schlug schüchtern die Augen nieder. Dann blickte er ihr wieder in die Augen und fragte: "Kann ich dir helfen? Bist du verletzt?"
Immer noch stumm schüttelte sie ihren Kopf, hob jedoch ihre Arme, die mittels Eisen aneinandergekettet waren.
Schnell drehte sich Boronmin um, flitzte durch den beleuchteten Teil des Gewölbes, umrundete den Tisch mit den Spielkarten und suchte diesen und die Wände dahinter nach einem Schlüssel für die Fesseln der jungen Frau ab - oder zumindest nach etwas anderem, was bei der Befreiung helfen könnte, doch konnte er nichts finden.
“Sollen wir weitergehen?”, fragte indes Alwen von vorne. “Die Gefangene sollte hier einmal sicher sein. Hinter uns ist niemand mehr und nach vorne hin gilt es uns einen Überblick zu verschaffen. Vielleicht finden wir eine Möglichkeit sie zu befreien.”
Der alternde Geweihte nickte. “Möchte einer von euch beiden hier bleiben?”, fragte Grimmbart die beiden jungen Männer.
Boronmin blickte zu den hölzernen Verschlägen. "Könnten hier noch mehr Gefangene sein?" fragte er etwas außer Atem. "Die hatten eben von mehreren gesprochen, oder, Daithi?" Daithi nickte bestätigend. Etwas zögerlich, ob er selbst die Initiative ergreifen sollte, ging der Junge zum nächsten Verschlag und versuchte auch hier den Riegel zu öffnen.
Der Bardenschüler blieb hingegen etwas unentschlossen in der Türe des Verschlages stehen. Er schaute die junge Frau mit den vielen Feenküssen um die Nase an. Ein wenig hatte ihr Anblick ihn in den Bann geschlagen. Sollte er bei den Gefangenen bleiben, während Alwen und Grimmbart die Lage erkunden? Oder sollte er weiter nach Silvagild suchen? Aber vielleicht war sie ja auch hier.
Als Daithi sah, dass Boronmin die anderen Verschläge zu öffnen versuchte, nickte er der Gefangenen zu und machte mit einer Hand eine Geste, dass sie warten sollte. Dann ging er zu dem Pagen und versuchte ihm zu helfen.
Der Page nahm all' seine Kraft zusammen und rüttelte mit verbissenem Gesichtsausdruck am Splint der Tür, der sich mit Daithis Hilfe überraschend leicht entfernen ließ. Daithi war verblüfft, welche Kräfte der junge Page hatte. Schnell öffnete der Junge die Tür und schaute in den Verschlag hinein.
Auch dieser Verschlag war nicht leer gewesen. Ein schmächtiger, rothaariger Jüngling versuchte sich aufzurichten, stürzte jedoch aufgrund seiner körperlichen Verfassung und den Eisen und Ketten um seine Arme und Beine. "Hol … holt ihr uns hier raus?", fragte er hoffnungsvoll, nachdem er sich auf den Rücken gedreht hat.
Als Daithi das sah, wandte er sich Daithi dem dritten Verschlag zu und versuchte den Riegel und die Tür zu öffnen, was ihm aber nicht gelang - er hatte sich ein wenig ungeschickt angestellt.
"Ja, wir kommen gleich wieder! Haltet aus!" rief Boronmin dem Jüngling zu und eilte Daithi zu Hilfe, der sich am nächsten Verschlag abmühte. Doch der Splint wollte sich nicht lösen. Hilfesuchend blickte der Junge um sich.
Derweil legte Daithi sein Ohr an den Verschlag, um wahrzunehmen, ob dort jemand drinnen sein konnte, doch die Nebengeräusche waren zu laut.
Grimmbart und Alwen nickten sich gegenseitig zu. Die zwei Jungen schienen hier gut alleine zurecht zu kommen. Zumindest wollten die beiden die Möglichkeit des Aufruhrs nicht dadurch verschwenden, dass sie hier warteten. “Passt auf euch auf, wir sind gleich wieder da”, verabschiedete sich Alwen knapp und folgte dann dem Firungeweihten in die Finsternis.
Währenddessen werkten die beiden jungen Männer immer noch an der Tür des dritten verschlages. Am Waffenständer stand noch eine grobe Streitaxt, die dem Bardenschüler ins Auge stach.
Etwas schüchtern nahm Daithi die Streitaxt aus dem Waffenständer. Er war es sichtlich nicht gewohnt, mit einer solchen Waffe zu hantieren. Zwar hatte er im Isenhag schon oft Zwerge mit einer Axt gesehen, insbesondere den Breewalder Schmied Xallinosch, doch selbst war ihm das doch sehr fremd so etwas zu benutzen. Und dennoch versuchte er nun mit der Kopfseite der Axt nun den Splint aus dem Riegel zu entfernen, was ihm nach zwei Schlägen auch gelang. Der Verschlag war jedoch leer.
“Wo … wo seid ihr denn hin? Lasst uns nicht zurück”, tönte es aus dem zweiten Verschlag.
Als Daithi sah, dass der dritte Verschlag leer war, wirkte er ein wenig enttäuscht, dass er dort Silvagild nicht gefunden hatte, obwohl ihm nach dem vorhin Belauschten klar war, dass es eher unwahrscheinlich war, sie dort zu finden. So ging er wieder zurück zum zweiten, woher das Rufen kam. Er ging hinein und kniete sich. "Seid Ihr verletzt? Wir werden versuchen, die Ketten zu öffnen. Kann ich Euch aufhelfen?"
"Können wir mit der Streitaxt vielleicht die Ketten zerschlagen?" schlug Boronmin voller Zuversicht in die Fähigkeiten seines Freundes vor. "Wir haben Euch sicher gleich befreit!" versuchte er den rothaarigen Jüngling zu beruhigen, als sich die Augen des jungen Pagen ganz plötzlich erschrocken weiteten. Für einen Moment kaute er nachdenklich auf seiner Unterlippe, dann zuppelte er eindringlich an Daithis Ärmel, um diesen aus dem Verschlag zu ziehen. "Ähm, mir ist was eingefallen", flüsterte er dem Bardenschüler verstohlen zu.
“Was ist denn?”, Daithi schaute den Pagen irritiert an, folgte ihm aber dann hinaus aus dem Verschlag. “Was ist dir eingefallen, Boronmin?”
"Daithi, Daithi, kannst du dich erinnern, was Vogt Olin berichtet hat?!" wisperte Boronmin aufgeregt, während er den jungen Barden aus dem Verschlag zerrte. "Dieser dunkle Magier, der war doch in Begleitung eines anderen Mannes auf dem Weydensteyn...", seine helle Stimme überschlug sich, obwohl er flüsterte, fast vor Anspannung und Dramatik, "...und der war klein und rothaarig. Mit Feenküsschen!" Boronmins warf einen verstohlenen Seitenblick zum zweiten Holzverschlag hinüber. "Vielleicht ist das eine Falle! Dieser... Harmwulf oder wie er sich nennt... der gehört zu denen und tut nur so, als wäre er gefangen!"
“Mmh”, dachte Daithi laut brummend. Er hatte den Eindruck, da könnte was dran sein, was Boronmin sagte. “Glaubst du, die junge Frau gehört auch zu der Falle?”, fragte der Bardenschüler entsetzt, denn die hübsche Maid hatte es ihm offensichtlich angetan.
Der Page zuckte verzweifelt mit den Schultern. "Oje, was sollen wir nur tun? Wenn die beiden unschuldig sind, können wir sie doch nicht in Ketten hierlassen! Aber", er kaute wieder auf der Unterlippe, "...was, wenn sie wirklich zu den Banditen gehören?!" Sein Blick hellte sich plötzlich wieder auf. “Vielleicht wurde der junge Mann ja auch von dem Magier verzaubert, so wie die Frau Silvagild bei dem Angriff auf das Dorf? Kann ein Magus denn zwei Leute gleichzeitig verhexen?”
"Ähm … hallo?", kam es wieder zögerlich vom Rothaarigen. "Also wegen der Sache mit der Axt … gibt es denn keinen Schlüssel?"
Der Bardenschüler ignorierte das Rufen des Mannes. “Ich glaube aber, die Frau gehört auf jeden Fall nicht dazu”, mutmaßte Daithi. Naja, der junge Isenhager wünschte sich das wohl eher. Darum schlug er vor: “Vielleicht sollten wir sie erst einmal befreien, dann kann sie uns vielleicht etwas über den anderen Gefangenen sagen.”
"Gut, befreien wir sie zuerst. Vielleicht geht es mit der Axt." Boronmin nickte mehrmals. "Wobei der Mann was von Schlüsseln gesagt hat... Vielleicht fragen wir ihn doch mal?" Unsicher trat der Junge zurück zum zweiten Verschlag, blieb aber in sicherem Abstand an der Tür stehen und sprach den rothaarigen Jüngling an. "Ähm, hallo nochmal. Wisst Ihr vielleicht, wo die Schlüssel für die Ketten sind?”
“Den müssen die zwei Männer haben, die mich hier eingesperrt haben”, antwortete der Jüngling. “Wo sind die denn hin? Sind sie …?”
"Ja, ähm, die sind rausgerannt", antwortete Boronmin zögerlich. Hörte er da etwa Sorge um die Räuber in der Stimme des jungen Mannes? Oder bildete er sich nur ein, dass er Grund zum Misstrauen hatte? "Warum wurdet Ihr hier eingesperrt?" fragte er mit leicht zusammengekniffenen Augen.
“Das kann ich dir leider nicht sagen, frag die Leute hier. Bin ja auch nicht der einzige Gefangene.” Er hob beinahe trotzig seine Schultern. “Eine Novizin der Rahja ist auch hier … und eine Ritterin. Die haben sie aber woanders festgehalten … hat sich immer mit dieser Henya angelegt.”
“Was sagt er denn?”, mischte sich Daithi ungeduldig ein und lugte in den Verschlag. “Sollen wir dann vielleicht erst einmal zu der Novizin gehen, Boronmin?” Soviel hatte er wohl aufgeschnappt, das stieß auf das Interesse des jungen Isenhagers.
"Er meint, die Männer haben den Schlüssel", rief der Junge mit noch immer misstrauischer Miene zu Daithi. "Also versuchst du erstmal die Axt bei dem Mädchen?" Ratlos schaute er wieder zu dem Jüngling. "Wie ist denn Euer Name?" fragte er zögernd. Er hatte keine Ahnung, was er von dem Mann halten sollte. Besonders gefährlich schaute dieser eigentlich nicht aus.
"Ich bin Harmwulf", meinte der Rothaarige sogleich. "Ich komme aus Zippeldinge … aus Baliho. Und ihr?"
"Ähm, ja, aus den Nordmarken." Grimmig kniff Boronmin die Lippen zusammen. "Warum habt Ihr diesem Magus auf dem Weydensteyn geholfen, Harmwulf?" fragte er geradeheraus nach.
"Weydensteyn?", beantworte der Angesprochene die Frage mit einer Gegenfrage.
"Ihr wurdet an dem Turm beobachtet", entgegnete der Junge mit strengem, vorwurfsvollen Blick aus seinen dunklen Augen - so streng, wie es einem Achtjährigen möglich war. "Warum sollen wir jemanden befreien, der mit diesen Halunken unter einer Decke steckt?"
"Gilt das dann auch für die anderen?", entgegnete Harmwulf findig. "Die Novizin hat ihm den Stein gebracht und die Ritterin ein Dorf angegriffen. Misstraust du ihnen auch?"
“Ich bin mir nicht sicher”, trat Daithi seinem Freund zögerlich zur Seite. Er musterte Harmwulf kritisch.
Boronmin schaute den Jüngling für ein paar Momente prüfend an und blickte dann wieder zu Daithi. "Wir sollten die Unschuldigen schützen und den Schwachen unser Schwert leihen", gab er leise wieder, was sein Schwertvater ihn gelehrt hatte, obwohl in seinem Blick noch immer Zweifel lagen. "Wenn er verzaubert wurde, können wir ihn nicht einfach hierlassen. Auch auf die Gefahr hin, dass er uns in den Rücken fällt." Der Junge wies auffordernd auf die Axt in der Hand des Bardenschülers. "Wir müssen beide befreien."
“Mmmh”, brummte der Isenhager immer noch unschlüssig. Dann ging er auf Harmwulf zu und schaute, wo die Ketten das Schloss hatten und schlug mit dem stumpfen Kopf der Axt darauf.
Beim ersten Schlag schon zeigte sich, dass das einzelne Schloss, mit dem die Ketten zusammengehalten wurden, sich das Material unter der Gewalteinwirkung verbog. Ein zweiter, dann ein dritter Schlag waren genug um es schließlich bersten zu lassen. “Danke”, meinte der Rothaarige und streifte sich dann seelenruhig seine Ketten ab.
"Gern geschehen", nickte der Page ernsthaft, auch wenn er es nicht selbst gewesen war, der das Schloss zerschlagen hatte. Noch immer schaute er den Jüngling mit skeptischem Blick an; seine Hand lag unbewusst auf dem Schwertknauf. "Könnt Ihr uns sagen, Herr Harmwulf, wo die andere Gefangene, die Ritterin, hingebracht wurde?"
“Leider nicht”, verneinte dieser vielleicht ein bisschen zu schnell. “Ich weiß, dass die Novizin hier neben mir festgehalten wird. Nur … hm … sie ist meine ich ein bisschen unpässlich.”
“Dann kümmern wir uns jetzt erst einmal um sie”, sagte Daithi unvermittelt, schob Boronmin aus dem Verschlag heraus, ging mit hinaus, schloß die Tür und schob den Riegel vor. Dann schaute er den Pagen an und sagte: “Passt Du bitte hier auf, Boronmin?”
Boronmin riss überrascht die Augen auf, als sein Freund den Rothaarigen plötzlich in den Verschlag sperrte. Dennoch empfand der Junge ein heftiges Gefühl der Erleichterung in sich aufwallen. Schon während Daithi die Axt geschwungen hatte, war Boronmin versucht gewesen, ihn davon abzuhalten, Harmwulf zu befreien, obwohl er ihn noch kurz zuvor dazu aufgefordert hatte. Die ganze Situation überforderte den jungen Pagen. Er wollte verzweifelt das Richtige tun und seinen Schwertvater stolz machen, aber er hatte auch entsetzliche Angst vor den brutalen Banditen. Mit angespannter Miene nickte er Daithi zu. "Ja, ich pass' auf", bestätigte er leise und behielt die Holztüre des Verschlag sehr aufmerksam im Auge.
“Danke”, nickte Daithi seinem Freund zu und freute sich, dass Boronmin direkt zu verstehen schien, was er meinte, “ich möchte nämlich nicht, dass er uns in den Rücken fällt oder mich in dem anderen Verschlag einsperrt, wenn ich versuche die Novizin zu befreien.” Dann ging er rüber zum ersten Verschlag, ging hinein, schaute nach der jungen Frau und guckte, ob er ihre Ketten ebenso lösen konnte wie bei Harmwulf.
“Halt! Warte, Daithi”, rief Boronmin plötzlich mit panisch-schriller Stimme. “Was, wenn der böse Magus gerade jetzt, in diesem Moment, den Harmwulf kontrolliert? Vielleicht war er deshalb so… seltsam.” Der junge Page schaute zu dem ersten Verschlag, in dem sich die Novizin befand. “Aber wenn wir das Mädchen befreien, dann ergreift er vielleicht von ihr Besitz und sie fällt uns genauso in den Rücken!” Der Page zuckte ratlos mit den Schultern. “Gäbe nur einen Weg, das zu verhindern…” Er schaute Daithi fragend an, da er diesen für einen Experten in Sachen Magie hielt.
Fenia im ersten Verschlag sah Daithi immer noch wortlos entgegen. Seit sie angekommen waren, gab die junge Frau noch keinen einzigen Ton von sich, was seltsam anmutete. Auch vom nun festgesetzten Harmwulf im zweiten Verschlag hörten sie nichts. Keinen Protest oder Versuch sich zu befreien.
Als der Isenhager das Rufen des Pagen hörte, ging er zunächst wieder aus dem Verschlag hinaus und schaute Boronmin fragend an. “Auch wenn es so ist, können wir die beiden nicht in den Ketten lassen. Die Banditen wollten sie den Spinnen zum Fraß vorwerfen.” Der Bardenschüler grübelte. “Wir müssen uns etwas einfallen lassen, aber jetzt möchte ich erst einmal die Novizin von ihren Fesseln befreien.”
Boronmin nickte Daithi mit gerunzelter Stirn zu. "Ja, gut. Wir sollten uns aber beeilen. Wenn der Magus Besitz von Harmwulf ergriffen hat, dann weiß er wahrscheinlich auch, was wir hier machen." Der Page trat wieder etwas näher an die Tür des zweiten Verschlages heran und lauschte nach einem Geräusch des Jünglings. Es verunsicherte ihn, nicht zu wissen, was hinter der Tür vor sich ging, aber Daithi hatte ihm aufgetragen, hier zu wachen. Also blieb der Page an Ort und Stelle stehen und fixierte mit starrem Blick den Verschlag. Nach einigen stillen Momenten klopfte er an die Tür. "Hallo? Harmwulf? Alles in Ordnung da drin?" fragte er zögerlich nach, doch erhielt keine Antwort.
***
Daithi nickte Boronmin zu und ging wieder in den ersten Verschlag zu der Novizin. Wie zuvor bei Harmwulf öffnete er mit zwei-drei gezielten Schlägen das Schloss der Ketten und befreite die junge Frau von ihren Fesseln. Sorgenvoll fragte er sie: “Wie geht es Euch?”
Sie nickte. Immer noch wortlos und deutete sich dann auf den Hals, gefolgt von einem knappen Kopfschütteln.
Der Isenhager schaute sich Fenias Hals genauer an, ob er äußerlich etwas erkennen konnte. Dann fragte er vorsichtig und einfühlsam: “Könnt Ihr nicht sprechen? Hat man Euch etwas getan, dass Euch am Sprechen hindert? Darf ich Euch aufhelfen?”
Fenia nickte dem Bardenschüler zu. Auf welche der beiden Fragen dieses Zeichen der Zustimmung abzielte, war dabei jedoch nicht klar.
Vorsichtig griff der Bardenschüler mit einer Hand ihr unter die Armbeuge und mit der anderen um ihren Rücken, um ihr aufzuhelfen. Was auch gelingen sollte. Nach nur wenigen Momenten stand sie aufrecht, auch wenn ihre Knie etwas zitterten. Der rote Ornat war schmutzig und ihre roten Locken sehnten sich nach Wasser und einem Kamm. Fenia scheute jedoch offensichtlich etwas davor ihr Gefängnis zu verlassen.
“Habt keine Angst”, sagte der Bardenschüler sanft zu der Novizin. Und wieder war es einerseits die aufrichtige Sorge um sie als auch andererseits die Sympathie, die Daithi für sie empfand, die in seiner Stimme mitschwang. “Euch wird nichts geschehen. Wir beschützen Euch.” Er wartete noch einen Moment um ihr die Zeit zu lassen, ihm zu vertrauen. Dann sagte er: “Kommt. Wir verlassen diesen Ort.” Der Isenhager versuchte Fenia sanft hinaus zu begleiten und sie zu stützen sofern sie Hilfe brauchte.
Nach einigem Zögern, ließ sich die junge Frau aus dem Verschlag führen. Sie war offensichtlich schwach und ganz anders als sich Harmwulf zuvor gab. Furchtsam sah sie sich im Gewölbe um, selbst das fahle Licht der Wandfackeln schien Fenia zu blenden.
Sanft begleitete der Bardenschüler die Novizin. Als beide den Verschlag verlassen hatten, ging sein sorgenvoller Blick erst einmal zu Boronmin. Das Verhalten von Harmwulf hatte ihn doch sehr irritiert. Und zugegeben: jetzt hatte er keinen Plan, wie sie weiter vorgehen sollten. Daithi hoffte, alsbald ein Signal von Alwen oder Grimmbart zu erhalten. Sollten sie Harmwulf zurücklassen? Wohin sollten sie nun mit der Novizin gehen? Der Isenhager beschloss, Fenia erst einmal einen Zwischenstopp einlegen zu lassen, damit sie sich akklimatisieren konnte. “Möchtet Ihr erst einmal auf einem der Hocker dort Platz nehmen und ein wenig zu Kräften kommen?”
Sie nickte und ließ sich zu einem der Schemel führen. Dort angekommen wies sie auf den verschlossenen zweiten Verschlag und machte ein fragendes Gesicht.
“Darin befindet sich ein Mann namens Harmwulf”, erklärte Daithi der Novizin. “Wir wissen ihn nicht recht einzuschätzen, er hat sich seltsam verhalten.” Der Bardenschüler hob fragend die Augenbrauen und schaute Fenia an. Ein wenig genoß er auch den Anblick, doch die Sorge um die aktuelle Situation war dann doch stärker, dass er seine Sympathie für einen Moment an die Seite zu schieben vermochte.
Ungewöhnlich lange starrte die junge Novizin auf das verschlossene Tor, hob dann aber ahnungslos ihre Schultern.
Neugierig musterte Boronmin die junge Novizin und versuchte ein freundliches Lächeln. "Die Zwölfe zum Gruße... Ich bin Boronmin", stellte er sich vor. Dann starrte er, ihrem Blick folgend, wieder zu dem Verschlag, in dem sich Harmwulf befand. Er trat noch näher an die Holztür heran und versuchte konzentriert zu hören, was darin vor sich ging.
“Ach, ja”, fiel dem Bardenschüler auf, als sein Freund sich höflich vorstellte, dass er selbst seinen Namen noch nicht genannt hatte. Verlegen sagte er zu der Novizin: “Mein Name ist Daithi.”
Fenia nickte den beiden jungen Männern grüßend zu, sprechen konnte sie ja nicht.
***
Boronmin blickte unsicher um sich. Ihm war das alles absolut nicht geheuer. Was war nur mit Harmwulf los? Der Junge suchte die Holztür nach Ritzen und Löchern ab und ging hinunter auf die Knie, in der Hoffnung, unter dem Türspalt hindurch irgendetwas erkennen zu können.
Der Page fand einen Spalt, aber da es dahinter keine Lichtquelle gab, konnte er außer Schwärze nichts erkennen.
Unentschlossen richtete Boronmin sich auf. "Herr Harmwulf, könnt Ihr vielleicht mal klopfen?" rief er ratlos hinein, ohne große Hoffnung auf eine Reaktion.
Boronmin hörte nichts. Alles, was aus dem Verschlag kommen sollte, war dröhnendes Schweigen.
Unruhig behielt der Junge die Tür im Auge, während er hin und wieder einen nervösen Blick in Richtung Daithis warf.
“Psst, Boronmin … richtig?”, kam es dann endlich flüsternd aus dem Verschlag und der Page schien die Stimme Harmwulfs plötzlich ganz anders wahrzunehmen. Sympathischer und so vertrauensvoll. “Ich will euch gegen den Magier helfen, aber hier drinnen kann ich das nicht. Sei doch so gut und öffne den Riegel für mich, hm?”, säuselte er gleich einer Sirene.
Boronmin nickte, trat zu dem Verschlag und begann, sich verbissen an dem Riegel zu schaffen zu machen. Er konnte Harmwulf nicht hier in der Gewalt der Räuber lassen. Das war einfach nicht richtig, nicht ritterlich. "Ich hab's gleich", murmelte er.
Daithi, der noch immer etwas abgelenkt war durch die Schönheit von Fenia, bemerkte erst jetzt, dass Boronmin am Riegel des zweiten Verschlages hantierte. “Was machst Du da, Boronmin?”
"Wir müssen uns doch beeilen", erklärte Boronmin, während er den Riegel löste. "Wer weiß, wann die Räuber zurückkommen. Holen wir Harmwulf schnell raus und verschwinden von hier."
“Neeein!”, rief Daithi nur noch intuitiv. Hier lief etwas schief. Was machte Boronmin da? Der Bardenschüler lies die Novizin los, die er immer noch gestützt hatte - er hatte sanft eine Hand in ihrem Rücken gehalten - und stürzte los zu Boronmin.
Doch es war bereits zu spät gewesen. Der Page öffnete den Verschlag und heraus trat sogleich ein lächelnder Harmwulf, der Boronmin immer noch wie ein Freund erschien. Deshalb ließ er es auch zu, dass der Rothaarige ihm durch den schwarzen Haarschopf wuschelte. “Das hast du gut gemacht, junger Mann”, meinte er anerkennend und Daithi wurde sofort klar, dass nun die Masken fielen. Zu seiner Verwunderung schienen es weder Boronmin noch Fenia nicht so zu empfinden, was vielleicht an einem Zauber oder Fluch zu liegen schien.
Drei, vier Schritte später war er am Waffenständer angekommen und griff nach einer Hauswehr - einem groben Säbel, der oftmals von Bürgern für den Kriegsfall besessen wird. Prüfend strich er über die Klinge. “Du hast jetzt zwei Möglichkeiten”, meinte er weiter an den Bardenschüler gewandt. “Entweder du kämpfst, oder du begibst dich mit deinen Freunden in den Verschlag. Wie auch immer du dich entscheidest … mach es schnell, draußen gibt es Probleme, die nicht auf mich warten können.” Sein Blick schweifte über die drei Anwesenden. “Mmmmh, du hast fünf Herzschläge lang zeit dich zu entscheiden.”
Daithi fühlte sich in die Ecke gedrängt. Weder Fenia noch Boronmin schienen ihm helfen zu wollen. Mit der Waffe - erst recht nicht mit dieser Streitaxt - wusste er sich nicht wirklich zu wehren. Aber das wusste sein Gegenüber ja nicht, dachte er. Wenn er zaubern konnte, war er wahrscheinlich auch nicht der beste Kämpfer. In einem Anflug von Übermut rief er Harmwulf ins Gesicht: “Glaubst Du etwa, dass Du mit dem Säbelchen gegen mich und meine Streitaxt etwas ausrichten wirst? Na, dann mach Dich auf etwas gefasst!”, bluffte er laustark.
Boronmin beobachtete mit entsetztem Blick, wie Daithi und Harmwulf mit Waffen aufeinander losgingen. "Hört auf, bitte!" flehte er. "Vertragt euch doch wieder. Wir müssen hier weg!"
“Wem machst du was vor, Elfchen”, antwortete Harmwulf voll Hohn. “Also gut, dann soll der Tanz also beginnen?” Kurz sah er hinüber zu Boronmin. “Wir sind gleich bei dir, Boronmin. Wir müssen nur noch schnell etwas klären.”
Orkendreck, dachte Daithi, das schien nicht aufzugehen. Aber noch war nichts verloren. Der Bardenschüler war flink. Er umkreiste Tische und Verschläge und stieß polternd Möbel und Waffenständer um. “Herr Ritter Hardomar, wir sind hier!”, rief er, um auf sich aufmerksam zu machen.
Kurz schien Harmwulf auf diese Finte hin aufzusehen und dabei seine Konzentration schleifen zu lassen.
Der Isenhager nahm war, dass Harmwulf abgelenkt war, nahm einen Schemel, den er gerade umwerfen wollte, stattdessen in die Hand und warf diesen dem Schergen - voller Verzweiflung - an den Kopf.
Der Stuhl traf Harmwulf an der Schulter, was ihn zornig aufstöhnen ließ. “Jetzt reicht es aber!”, knurrte er und bewegte sich auf Daihti zu.
Währenddessen dämmerte es auch dem jungen Pagen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zuging und wie falsch er die letzten Momenten mit Harmwulf lag.
Verwirrt riss Boronmin die Augen auf. Wieso hatte er gedacht, dass Harmwulf sein Freund war? Dieser schien Daithi töten zu wollen! Warum nur hatte er den Mann aus dem Verschlag befreit? Mit einer Mischung aus Angst, Schuldgefühl und Verzweiflung zog der Junge das Knappenschwert an seinem Gürtel und ging damit von der anderen Seite auf Harmwulf los.
Als Daithi den Pagen mit seinem Schwert sah schoss ihm durch den Kopf: Oh nein! Hoffentlich verletzt er sich nicht! Er hatte ja versprochen auf ihn aufzupassen. Und auch so könnte er es sich nie verzeihen, wenn Boronmin verletzt würde. Der Isenhager versuchte die ganze Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen: “Na, dann komm her und ich zeig Dir, was ein Nordmärker ist!”
Der Rothaarige gab sich eher defensiv, was überraschte, zeigte sich auf seinen Lippen doch ein siegessicheres Lächeln. “Nach euch!”, spottete er.
Daithi kniff die Augen zusammen und musterte Harmwulf. Was hatte er vor? Der Isenhager zog seinen Dolch und versuchte grimmig zu wirken.
Harmwulf zog daraufhin lediglich eine Augenbraue hoch und sah zum Pagen Boronmin. Vielleicht hatte dieser ja den Schneid dazu um den Tanz zu eröffnen.
“Wir müssen ihn nur festhalten, Boronmin”, zischte der Isenhager zu dem Jungen. “Hardomar kommt gleich mit den anderen, dann geht es ihm an den Kragen!”, versuchte er an seinem vorigen Bluff anzuknüpfen.
Entschlossen hielt Boronmin das kurze Schwert in beiden Händen vor sich und fixierte den rothaarigen Jüngling. Wenn Harmwulf ein geübter Kämpfer war, hätten sie keine Chance gegen ihn, davon war der Page überzeugt. Sein Schwertvater hatte ihn stets darauf eingeschworen, sich aus Kämpfen herauszuhalten… Er schluckte und positionierte sich so, dass er genau auf der gegenüberliegenden Seite stand, um Harmwulf einzukesseln, und versuchte Daithi mit Blicken zu signalisieren, dass sie, wenn sie angreifen wollten, möglichst gleichzeitig auf den Gegner losgehen mussten. Jeden Augenblick rechnete er mit einem Angriff des Rothaarigen.
Auch Daithi nahm mit Boronmin Blickkontakt auf und als Harmwulf den Jungen anblickte versuchte der Bardenschüler dem Pagen zu signalisieren, dass er nicht angreifen sollte. Daithi spürte die Verzweiflung der Lage: Er musste irgendwie verhindern, dass Boronmin verletzt wurde, also auf jeden Fall diesen Kampf vermeiden. Aber er durfte auch nicht zulassen, dass Harmwulf sie einsperrte und dann Grimmbart und Alwen in den Rücken fiel oder vielleicht sogar den Angreifern entgegentrat und vielleicht verhinderte das Silvagild befreit wurde. Sie mussten ihn hier irgenwie binden und aufhalten. Ein gefährliches Spiel.
Da sich von seiten der beiden Jünglinge nichts tat, lächelte Harmwulf abschätzig. “So jung und schon bereit sein Leben zu geben … und wofür?” Es war nicht klar an wen der Beiden diese Worte gerichtet waren. “Ihr seid ja nicht einmal von hier, wie man eurer Zunge entnehmen kann …”, nun hob der Rothaarige amüsiert seine Schultern, “... aber gut, ich werde euch beiden wenigstens versprechen, dass es schnell gehen wird.”
Harmwulf hielt den Säbel nun mit seiner Linken, während er seine Rechte anwinkelte und dabei zwei Finger in die Höhe streckte. Dabei schien sein Mund unverständliche Worte zu murmeln.
Boronmin erkannte, dass der Jüngling zaubern wollte, ignorierte Daithis stumme Signale und rannte die letzten paar Schritte auf Harmwulf zu. Er erhob mit einem unterdrückten Ächzen sein Knappenschwert, um dieses dem Mann in den Bauch zu rammen.
Entsetzt sah Daithi wie Boronmin zum Angriff überging. Aber geistesgegenwärtig tat er es ihm gleich, den Dolch voran, und um von dem Pagen abzulenken mit einem lauten Schrei.
Die beiden Sturmangriffe schienen Harmwulf kurz außer Tritt zu bringen, doch schaffte er es dann dennoch seine Geste zu vollführen. Den beiden jungen Männern schlug enorme Hitze entgegen, wie sie es sonst nur von einem riesigen Lagerfeuer kannten, doch obwohl sie im ersten Moment dachten nun von einer Flammenlanze versengt zu werden, schien dies eben nicht zu geschehen. Hatte er sie etwa nicht getroffen? Beim Blick nach vorne konnten Daithi und Boronmin erkennen, dass die Augen des Rothaarigen vor Schreck weit aufgerissen waren. Aus seinem Mundwinkel rann ein schmales Rinnsal Blut, dann kippte er vorne über und gab die Sicht auf eine schmale Person hinter ihm. Im verdreckten Ornat der Rahjageweihtenschaft, selbst mit vor Schreck geweiteten Augen und mit einem blutigen Dolch in der Hand war es Fenia, die wohl die kurze Verunsicherung des Magiers nutzte, um ihn zu erdolchen.
In jenem Moment als das Feuer aufzuwallen schien zog erneut - ein zweites Mal an diesem Tag - das ganze kurze Leben des Breewalders an ihm vorüber. Er konnte nicht begreifen, was geschah. Als Harmwulf vorne über kippte starrte Daithi zunächst entsetzt Boronmin an, dann wurde er Fenia gewahr und konnte nicht verstehen, was sie da gerade gemacht hatte und warum sie jetzt dort stand. Unbeabsichtigt und auch von ihm selbst unbemerkt klappte sein Unterkiefer nach unten. Es blieben ihm die Worte weg.
Als ihm die Flammen entgegen schlugen, taumelte der Junge zunächst panisch zurück, rappelte sich jedoch schnell wieder auf und näherte sich Harmwulf mit wachsam vor sich ausgestrecktem Schwert. Er starrte den auf dem Boden liegenden Mann an und erwartete fast, dass dieser sich jeden Moment wieder aufrappeln würde. "Ist er tot?" fragte er leise.
Die Novizin ließ ihre Waffe fallen, setzte sich dann auf den Boden und vergrub ihr Gesicht in den Handflächen.
Als Boronmin nach dem Tode des Magiers fragte, starrte auch Daithi auf den am Boden liegenden. Dann schaute er - ohne die Situation recht zu realisieren - zunächst zum Pagen, dann zur Novizin. Er reagierte nun eher emotional und automatisch, sein Verstand war noch nicht wieder in der Wirklichkeit angekommen. Daithi hockte sich neben Fenia und strich ihr tröstend über den Rücken. Dann brachte der Bardenschüler mühsam ein “Danke!” hervor. Die Worte wieder erlangt sagte er schließlich zu ihr: “Ihr habt uns das Leben gerettet.”
Nach ein paar Atemzügen blickte er zum Pagen hinauf. “Ist mit Dir alles in Ordnung, Boronmin?”
Boronmin behielt mit großen, aufgerissenen Augen den auf dem Boden liegenden Harmwulf im Auge, auf den er immer noch das Schwert ausgerichtet hatte. "Ich...", stammelte er mit halberstickter Stimme, "...es tut mir so leid!" Er schluckte heftig. "Dass ich ihn rausgelassen habe... Ich dachte, es wäre das richtige..."
Fenia saß am Boden und schluchzte tonlos, die Worte der anderen beiden konnte sie nicht vernehmen.
Ohje, dachte Daithi, immer noch sanft den Rücken der schluchzenden Fenia streichend. “Du …”, stammelte der Isenhager zu Boronmin aufschauend. “Du kannst nichts dafür. Das war dunkle Magie”, sagte er und versuchte das tröstend und gewiss klingen zu lassen. Immerhin hatte er ja mal ein paar Monde in einer Magierakademie verbracht. Dann hörten seine feinen Ohren Geräusche aus der weiteren Höhle näherkommend.
Die junge Novizin sah zu ihm auf und blinzelte sich die Tränen aus den Augen. Dann nickte sie schwach.
Gehetzte Schritte hallten im Höhlengewölbe wieder und eine Lichtquelle näherte sich aus jenem Gang, in dem vor wohl schon einem Viertel Stundenglas Alwen und Grimmbart verschwunden waren. Ehe sich die drei versahen, stand auch schon eine gerüstete Person vor ihnen. In der Linken eine Fackel, in der Rechten ein Langschwert. Sie erkannten ein Wappen mit … Rüben.
“Da sind sie”, rief sie durch den Gang zurück. “Wohl der Rest vom Schützenfest.” Die große, muskulöse Gestalt war allem Anschein nach weiblich gewesen, was auch deutlich wurde, als sie die Kettenhaube zurück strich und die lange, wallende braune Mähne ausschüttelte. “Was ist denn mit ihm?”, meinte die Unbekannte grußlos und wies verwundert auf den toten Harmwulf.
"Er ist tot, glaub ich", murmelte Boronmin mit tonloser Stimme. "Es ist alles meine Schuld! Ich hab ihn aus dem Verschlag gelassen... Obwohl er so seltsam war. Aber ich dachte, wir können ihn doch nicht hierlassen... Die Räuber wollten ihn den Spinnen vorwerfen. Aber dann hat er gezaubert und uns angegriffen und dann hat sie..." Boronmins unsteter Blick sprang kurz zu der Novizin, dann wieder zu dem Körper auf dem Fußboden, den er weiterhin wie in Trance anstarrte.
“Ah, der gehörte zu denen?”, fragte die offensichtliche Ritterin. “Dann ist ja gut. Ist jemand von euch verletzt?” Sie besah die drei jungen Leute und ihr Blick schien dabei vergleichsweise lange auf Fenia zu liegen. “Euch tut hier niemand mehr was. Bormunde ist übrigens mein Name. Mein Mann ist der hiesige Junker und wartet draußen mit Trudi, Hochwürden Grimmbart und der Ifirngeweihten.” Nun lächelte die Firunsgrunderin aufmunternd. “Baronet Wilfred lagerte bis heute morgen bei uns und hat Nachricht erhalten, dass Henya wohl was vor hat. Sie haben wir leider nicht gefunden, aber ihren alten Unterschlupf zu inspizieren hat sich wohl dennoch ausgezahlt.”
Jetzt erst begriff der Bardenschüler langsam, dass der vor ihm liegende Harmwulf tot war. Die fremde Ritterin wirkte für ihn wie eine übernatürliche Retterin aus einer anderen Welt. “Daithi”, antwortete der Isenhager immer noch mit der Situation überfordert. “Daithi ist mein Name. Und das ist Boronmin. Und die junge Frau hier ist eine Novizin der Göttin Rahja.” Immer noch strich er ihr tröstend über den Rücken. “Sie kann nicht sprechen”, attestierte er.
Wieder lag Bormundes Blick auf Fenia. "Ja, ich kenne dich", meinte sie. "Normalerweise hast du doch eine wunderschöne Stimme, Mädchen." Der Blick der Ritterin wurde nun mitleidig, sie war eine einfache Frau, aber verstand, dass wohl auch hier Magie im Spiel sein müsste.
Boronmin kam langsam zu sich und schaute die Ritterin mit großen Augen an; dann starrte er wieder auf das Schwert in seiner Hand, über sich selbst erschrocken - er war tatsächlich bereit und entschlossen gewesen, mit dieser Waffe einen Menschen zu töten. Der Junge schluckte, blinzelte mehrmals und steckte schließlich das Schwert zurück an den Gürtel. Dann trat er ein paar Schritte zu der Rahja-Novizin, nickte dieser dankbar zu und schenkte Daithi ein schmales, trauriges Lächeln. "Gehen wir weg von hier, ja?"
Der Isenhager ließ die Novizin los, stand auf und ging zu Boronmin. Dann schloß er ihn tröstend in die Arme und sagte langsam und deutlich: “Du - bist - nicht - schuld!” Wenn, dann war Daithi selbst schuld, dachte er, denn er hatte Boronmin in diese Situation gebracht, das Leben des Jungen riskiert, wie unverantwortlich war er gewesen. Danach ging der Bardenschüler zur Novizin zurück, half ihr sanft auf, blickte zu Bormunde und Boronmin und sagte: “Kommt, lasst uns gehen.”
"Ich denke, dass niemand von euch Schuld ist", es dauerte die Firunsgrunderin, dass die netten jungen Menschen hier alle so traurig schienen. "Wir werden Henya finden. Wir haben ja jetzt eine Spur, die wir aufnehmen können und dann wird alles gut werden, hm?" Die Stimme der großen Frau nahm nun beinahe mütterliche Züge an. "Gehen wir, die anderen warten schon draußen."
Boronmin straffte sich und nickte mit fest zusammengepressten Lippen. Er musste sich zusammenreißen und stark sein; immerhin war er der Page eines Ritters. Der Junge richtete seinen Schwertgürtel und schickte sich an, Bormunde nach draußen zu folgen.
***
Das Höhlensystem war größer als angenommen, denn bevor sie es durch den Vordereingang verließen, durchmaß die Gruppe noch zwei große Gewölbe, in welchen sich auch abzeichnete, welche Dimension Henyas Bande inzwischen angenommen hatte. Die Höhlen waren beinahe wie eine Burg gewesen und boten vielen Menschen Platz. Innerlich hoffte vor allem Bormunde, dass sie es nicht schaffte diesen Platz mit der Anzahl ihrer Getreuen zu füllen.
Draußen angekommen wartete eine kleine Gruppe auf sie. Sie sahen zwei Streitrösser, einen zweiten Ritter und ein paar Waffenknechte, die gerade einen der Mordbuben fesselten. Auch Grimmbart, Alwen und Helchtruda waren hier, genauso wie zwei Männer und eine Frau, die ebenfalls wie Gefangene wirkten. Es war Trudi, die den dreien sofort entgegen lief: "Bei der Göttin, geht es euch gut?", fragte sie besorgt.
"Trudi!" rief Boronmin freudig, den nichts davon abhalten konnte, ihr schnell entgegen zu rennen und der jungen Frau sehr fest und sehr stürmisch in die Arme zu fallen. "Ja, uns geht es gut! Wobei...", er blickte fragend zu der jungen Novizin, die von Daithi aus der Höhle geführt wurde, "...das Mädchen, das wir befreit haben... Sie spricht nicht. Kannst du mal schauen, was mit ihr ist? Sie hat Daithi und mich gerettet!"
Die junge Hexe umarmte den Pagen ebenso stürmisch und wandte sich dann den anderen beiden zu. "Ich kenne Fenia", meinte sie dann voll Betroffenheit. "Ich hoffe, dass Traute ihr helfen kann. Wie geht es dir denn, Daithi?"
Der Isenhager atmete tief durch. Die vorangegangenen Ereignisse steckten ihm noch sehr in den Knochen. Die Sorge um Boronmin, sie waren nur knapp mit dem Leben davon gekommen, der beinahe tragische Verlauf. Er konnte sich noch nicht so recht über ihre Rettung freuen. Doch auch er wollte sich zusammenreißen, um dem Pagen nicht noch mehr Anlass zu geben, an dem Geschehenen zu verzweifeln. Darum sagte er: “Wir haben es überstanden. Das ist gut. Und wir sind dafür Euch allen und”, er blickte die Novizin an, die er immer noch ein wenig stützte, von der er jetzt endlich den Namen wusste, “Fenia… sehr dankbar.” Dann brach seine Stimme ein wenig und er merkte, dass er nicht die Selbstsicherheit ausstrahlte, die er vorzugeben beabsichtigte.
“Ich bin sehr erleichtert, dass es euch soweit gut geht”, meinte Helchtruda. “Nur leider ist die Sache noch nicht ausgestanden. Alwen meinte vorhin, dass sich Henyas Leute wohl aufgeteilt haben. Sie meinte, dass zwei Gruppen vor kurzer Zeit hier aufgebrochen sind. Eine wohl gen Rahja, was dafür sprechen würde, dass sie nach Ulmenau ziehen, und der größere Teil gen Praios … wohin auch immer.” Sie blickte zurück, wo sich die beiden Geweihten gerade mit dem Junker und seinem Anhang unterhielten. “Ich würde die anderen befreiten Gefangenen und Fenia nach Weidenhag zu Traute bringen. Wenn ihr möchtet könnt ihr mit… wenn ihr genug von all dem habt, meine ich.”
Boronmin dachte kurz nach und schüttelte energisch den Kopf. "Ich muss zurück zu meinem Schwertvater, also Richtung Ulmenau", erklärte der junge Henjasburger, dessen Stimme trotz aller erzwungenen Entschlossenheit matt und mitgenommen klang. "Mein Platz ist an seiner Seite. Und wir müssen doch Silvagild retten; wir können sie nicht im Stich lassen! Aber Daithi, möchtest du...", er schaute den Bardenschüler fragend an, "...möchtest du vielleicht erst einmal bei Fenia bleiben?” Der Page hatte gemerkt, dass Daithi die Novizin zu mögen schien und auch das Mädchen wirkte so, als könnte sie die Gesellschaft und Unterstützung eines Freundes brauchen.
Daithi war zuerst tatsächlich versucht, Boronmins Vorschlag zu folgen. Er wäre sehr gerne bei Fenia geblieben. Doch der Bardenschüler besann sich. Einerseits hatte er Hardomar versprochen auf Boronmin aufzupassen - dann konnte er ihn jetzt nicht 'allein' lassen, auch wenn er sicher bei Helchtruda in guten Händen war. Außerdem waren sie ja immer noch auf der Suche nach Silvagild. “Wohin mögen sie Silvagild wohl verbracht haben? Gen Rahja - also mit nach Ulmenau? Oder er gen Praios - wo auch immer sie da hin wollen?”
Helchtruda rieb sich ihr Kinn. “Also wenn das Ziel in Ulmenau wirklich die Nymphe ist und sie Silvagild wegen ihrem Feenblut mitführen, wird sie wahrscheinlich dort sein, oder?” Die junge Hexe wandte sich wieder zu den anderen um. “Sie werden jedoch einige Stundengläser Vorsprung haben, wenn ich Alwen richtig verstanden habe. Die Frage ist ob wir noch rechtzeitig kommen.”
"Hm, vielleicht wird die Gruppe, die mit Silvagild Richtung Ulmenau gezogen ist, sich später mit der anderen treffen - wir könnten also einen Vorsprung gewinnen, wenn wir jetzt gleich gen Praios ziehen", überlegte der Page. "Andererseits, wenn sie von Silvagild bekommen haben, was sie brauchen, werden sie sie nicht töten? Die Räuber in der Höhle wollten die Gefangenen ja den fiesen Höhlenspinnen vorwerfen!" Zu spät realisierte er, dass er das in Anwesenheit von Fenia so schonungslos herausposaunt hatte und blickte erschrocken zu der Novizin, wie sie darauf reagierte, doch schien das Mädchen immer noch in einem schockähnlichen Zustand zu sein.
“Mmh”, dachte Daithi laut, “in Ulmenau werden wir nicht rechtzeitig sein, um Silvagild zu retten. Da müssen wir auf den Herrn Hardomar und Hochwürden Leudara und andere dort hoffen und vertrauen. Ich würde eher gen Praios aufbrechen, um die Banditen dort abzufangen, falls sie in Ulmenau entkommen können. Was meinst Du, Boronmin, würdest Du mich dorthin begleiten oder möchtest Du umgehend zurück zu Deinem Schwertvater?”
“Anscheinend möchte Hochwürden zurück nach Ulmenau gehen, Alwen und das Junkerpaar von Biberwald werden den Spuren gen Praios folgen”, bemerkte Helchtruda bevor Boronmin auf die Frage des Bardenschülers antworten konnte. “So wie ich das verstanden habe, hat Hochwürden den anderen in Ulmenau schon Bescheid gegeben … er hat glaub ich irgendwie mit seinem Tempel Kontakt aufnehmen können.”
"Diejenigen Banditen, die Richtung Praios gezogen sind, die haben bestimmt auch übles vor. Was immer es ist, wir müssen es verhindern", nickte der Junge entschlossen. "Also gehen Daithi und ich mit Alwen gen Praios." Er probierte ein schmales Lächeln, vor allem um sich selbst aufzumuntern. "Und vielleicht haben mein Schwertvater und Hochwürden Leudara, wenn wir uns alle wiedersehen, Silvagild ja auch schon gerettet." Er schaute fragend zu Helchtruda. "Und du Trudi, du bringst Fenia in Sicherheit, ja?"
Die Angesprochene nickte. “Ich bringe sie nach Weidenhag zu Traute, also auch Richtung Praios. Also ein bisschen begleiten wir euch sicher noch … je nachdem wohin die Spur euch führt.” Die junge Hexe dachte an das was praioswärts lag: der Baronssitz wird nicht das Ziel sein, dieser ist viel zu gut befestigt. Darüber hinaus war dort noch die Düsterfurt, ein angebliches Heiligtum der Orks und natürlich der Wargenforst.
“Das ist sicher das Beste für Euch, Fenia”, sagte Daithi zu der Novizin und rieb ihr erneut sanft über den Rücken. Er sagte das so, als ob er sie überreden müsste. In Wahrheit musste er sich wohl selbst zusprechen, dass er sich nun von ihr verabschieden müsste. “Wir sehen uns bestimmt wieder, wenn das alles vorüber ist. Ich hoffe, dass es Euch dann wieder besser geht.” Dann schaute er zu Boronmin und Helchtruda. Er lächelte den Pagen an. “Gut, Boronmin. Dann gehen wir mit Alwen gen Praios. Wir werden den Banditen in die Suppe spucken.”
Auch Boronmin wandte sich direkt an die Novizin: "Vielen Dank, dass du uns gerettet hast, Fenia. Bestimmt... bestimmt ist bald wieder alles gut." Er wusste nicht, wer diese Traute war, zu der Helchtruda das Mädchen bringen wollte, aber er hoffte sehr, dass diese ihr helfen konnte. Der Page schickte ein kurzes Gebet an die Sturmherrin, Fenia zu beschützen, sowie eines an den Herrn Boron, dass die Seele der tapferen jungen Frau keinen dauerhaften Schaden nehmen würde. Schließlich blickte er fragend in die Runde. "Brechen wir gleich auf oder müssen wir hier noch etwas regeln?"
“Wir brechen gleich auf”, nickte Trudi bestätigend.