Olat, Rondra 1046 BF

Für viel Erstaunen hat die Teilnahme des Sichelgrafen Bunsenhold von Wolkenstein und Wettershag an den Feierlichkeiten zum 90. Tsatag der Bärwaldener Altgräfin Walderia von Löwenhaupt gesorgt. Allein schon die Tatsache, dass er überhaupt dort auftauchte, beschwor den Berichten anderer Gäste zufolge viele überraschte Blicke herauf. Schließlich verlässt der mittlerweile hochbetagte Mann die Feste Aarkopf heuer bekanntlich nur noch äußerst selten und ungern.

Viel eindrucksvoller scheint aber noch der vitale Eindruck gewesen zu sein, den der Wolkensteiner in Olat erweckte. Was die Wenigsten wissen mögen: Herr Bunsenhold wurde im gleichen Jahr wie Frau Walderia geboren – auch er feiert 1046 BF sein 90. Jubiläum, und zwar im Peraine. Die beiden Herrschaften trennen also nur wenige Monde voneinander. Auf dem Fest scheint das aber kaum erkennbar gewesen zu sein, da der Sichler Augenzeugen zufolge „locker 20 Jahre jünger“ aussah als die Bärwaldenerin.

Nun will niemand die Behauptung aufstellen, dass unsere geliebte Altgräfin hinfälliger wirkt, als sie es in ihrem Alter tun sollte. Vielmehr passt die Erscheinung des Wolkensteiners offenbar nicht ganz in den Rahmen. Während Frau Walderia die Erschöpfung mit dem Fortschreiten des Festes wohl deutlich anzumerken war, soll Herr Bunsenhold am letzten Tag noch so frisch gewirkt haben wie am ersten – und verkündete offenbar unternehmungslustig, dass er einen Abstecher nach Trallop machen wolle, bevor er ins heimische Salthel zurückkehrt.

Die Situation scheint viele Gäste derart verblüfft zu haben, dass noch während der Feierlichkeiten einige haarsträubende Gerüchte ins Kraut schossen. So soll die Behauptung aufgestellt worden sein, dass der alte Mann regelmäßig im Blut von Jungfrauen bade, um seine Jugend zu erhalten. Auch Mutmaßungen darüber, dass es sich gar nicht um ihn, sondern um einen Doppelgänger handele, machten die Runde. Es wurde wohl überdies spekuliert, dass es sich um eine sehr überzeugende Illusion handeln oder er vom Gift in seinen eigenen Adern konserviert worden sein könnte.

Allein, der Erste Ritter der Sichelwacht – Gringolf von Högelstein, der in Runde 1 des Geburtstagsstechens von Prinz Arlan aus dem Sattel gehoben wurde – soll auf all das mit einem herzlichen Lachen reagiert haben. Er gab demnach zu Protokoll, dass „die gesunde Sichler Luft“ den Grafen eben jung halte, und dass Ritter aus den anderen Grafschaften gern mal vorbeikommen könnten, wenn sie „groß und stark“ werden wollen.

Sein Wort in der Götter Ohren.