| Ort: | Grafschaft Heldentrutz |
| Ausdehnung: | 15 Meilen lange Hügelkette bei Wolfspfort zwischen Dunkeltann und Hirschhain |
| Art: | Hügelkette |
| Besonderheiten: | keine |
Etwa zehn Meilen nördlich der Grenze zwischen Reichsend und Schneehag erhebt sich der Wolfsrücken, eine fünfzehn Meilen lange, dreigeteilte Hügelkette, an die sich der Trutzweg schmiegt.
Im Norden, an den Dunkeltann grenzend, liegt der Kopf – mit dreihundert Schritt der höchste Punkt des Rückens. Auf seiner Spitze steht der Turm Mathur, weithin sichtbar über das Land. Jenseits des Bockenbachs folgt die Schulter, auf der mit dem Turm Wolfsauge ein weiterer Wachturm errichtet wurde.
Nach Süden hin läuft die Kette in einen sanften Hügel aus, den die Bauern der Gegend schlicht „den Hintern“ nennen. An ihn schmiegt sich ein kleines Wäldchen. Offiziell trägt es den Namen Hirschhain, doch im Volksmund heißt es nur „der Schwanz“, da es sich so passend an Rücken und Hintern fügt.
Parallel zum Bockenbach verläuft die Straße zwischen Hirschquell und Wolfspfort – eine gut ausgebaute Handelsroute, auf der Fuhrwerke aus Reichsend und Nordhag nach Hirschquell gelangen.
Der felsige Untergrund bietet kaum Halt für größere Bäume; nur Wiesen vermögen auf den Hügeln zu gedeihen.
Die Sage vom Wolfsrücken
Man sagt, der Wolfsrücken sei älter als das Herzogtum selbst – älter sogar als die ersten Dörfer, die sich an den Rand des Dunkeltanns wagten. Damals, so erzählen die Alten, war das Land noch wild, und nicht alles, was darin lebte, hatte bereits einen Namen.
Zu jener Zeit stand noch kein Turm auf den Hügeln. Stattdessen zog sich ein kahler Rücken aus Stein durch das Land, wie der Leib eines gewaltigen Tieres, halb in der Erde vergraben.
Ein Hirte aus Wolfspfort – sein Name ist längst vergessen, doch manche nennen ihn Arvid den Sturen – trieb einst seine Schafe zu weit nach Osten. Nebel lag schwer über dem Land, und die Tiere wurden unruhig, lange bevor die Sonne sank.
Als der Hirte den Kamm der Hügel erreichte, sah er ihn.
Einen Wolf.
Doch keinen von Fleisch und Blut.
Sein Leib war groß wie ein Ochsenkarren, sein Fell grau wie verwitterter Stein, und seine Augen glühten wie Kohlen. Reglos stand er auf dem höchsten Punkt des Rückens und blickte nach Westen – dorthin, wo heute Wolfspfort liegt.
Der Hirte wollte fliehen. Doch seine Schafe drängten sich hinter ihn, suchten Schutz. Und da tat er, was kein vernünftiger Mensch getan hätte: Er hob seinen Stab und rief das Wesen an.
„Dies ist Weidener Land“, soll er gesagt haben. „Was suchst du hier?“
Der Wolf antwortete nicht mit Worten. Doch der Wind erhob sich, und in ihm lag ein Knurren, das durch Mark und Bein ging.
Dann wandte sich das Wesen um.
Und in diesem Augenblick – so berichten es die Alten – riss der Himmel auf, und ein Donnerschlag fuhr nieder, der den Rücken selbst erschütterte. Der Wolf erstarrte mitten im Schritt und wurde zu Stein.
Sein Leib zerbrach in zwei Teile.
Dort, wo einst sein Kopf war, erhob sich später der Turm Mathur, wachend über das Land. Und wo sich seine Schulter in die Erde grub, wurde der Turm Wolfsauge errichtet – auf dass nichts aus dem Osten unbemerkt bleibe.
Der Hirte jedoch kehrte heim. Doch er war nicht mehr derselbe. Er sprach wenig, mied den Wald und blickte oft nach Osten, als fürchte er, der Wolf könne sich eines Tages wieder regen.
Bis heute sagen die Bauern:
Wenn der Wind über den Wolfsrücken streicht und wie fernes Heulen klingt,
dann ist es nicht der Sturm.
Dann prüft etwas Altes,
ob der Stein noch hält.
Und wer bei Nebel zwischen den Hügeln wandert, sollte nicht nach Osten schauen –
denn es heißt, wer den Blick des Wolfs erwidert,
findet den Weg nicht mehr zurück.