Balsaith, Baronie Brachfelde, Hesinde 1044 BF
Wenige Wochen nach seiner Rückkehr vom Weidener Baronsrat erhielt Baron Gamhain von Brachfelde die traurige Nachricht, dass Berman von Rothwilden, der Schultheiß von Balsaith, am 25. Boron 1044 BF in Borons Hallen eingegangen war. Im hohen Alter von 81 Götterläufen hatte der verdiente Veteran mit dem grauen, welligen Haar und dem gestutzten Vollbart „in Ausübung seiner Amtsgeschäfte“ sein Leben gelassen.
Wie so oft in den 22 Jahren zuvor, die er die Geschicke der Stadt lenkte, hatte der pflichtbewusste Hohe Herr bis spät in die Nacht in seiner Schreibstube gearbeitet, wo man ihn des Morgens friedlich entschlafen vorfand, nachdem man die Stufen des tief verschneiten Ratshauses am Marktplatz von Firuns nächtlichen Gaben befreit hatte.
Wehmütig erinnerte sich Baron Gamhain daran, wie er noch im Travia am Rande der Beratungen auf Burg Efferddorn mit Rovena von Rothwilden, der von ihm hochgeschätzten Baronsgemahlin zu Dergelquell, über eine mögliche Nachfolge für ihren Vater nachgesonnen hatte. Beide hatten für den alten Recken einen langen ruhigen Lebensabend erhofft, den er sich redlich verdient hatte.
Geboren 963 BF auf dem elterlichen Gut Hirschquell in Gräflich Reichsend wuchs Berman zu einem stattlichen, charismatischen und rondrafrommen Ritter heran, der Weiden stets tief verbunden war. Nicht nur seine zahlreichen Narben bezeugten die vielen Schlachten, die Berman gegen die Feinde des Herzogtums geschlagen hatte. Sein tiefer Hass auf die Schwarzpelze wurzelte in einem grässlichen Überfall auf Gut Hirschquell 1011 BF, als die Orks seine Gemahlin Olvida und seinen Bruder Richolt erschlugen und seine Tochter Rovena verschleppten. Bei ihrer Befreiung stand Berman Ritterin Cassandra von Silberbrück bei, die später die Gemahlin von Baron Valgor von Brachfelde und auch Schützengräfin zu Trallop werden sollte und der er seinen Sohn Refardeon, heute Ritter von Olats Wacht zu Beonfirn, als Knappen anvertraute. Ein Gefolgsmann des Thronräubers Baeromar hatte Berman in der Schlacht um Auen im Boron 1022 BF das rechte Knie zerschlagen, und hätte sich sein damaliger Knappe, Leoderich von Finsterborn, nicht todesmutig auf den Gegner gestürzt, wäre sein Schicksal damals besiegelt gewesen. Der Recke war bereits ab 1017 BF als Gutsvogt von Ognin ein loyaler Gefolgsmann der Barone von Brachfelde und wurde auf Fürsprache von Baron Gamhain hin 15. Peraine 1022 BF zum Schultheiß von Balsaith ernannt. Damit stand er der vom Handel geprägten, kleinen Stadt mehr als die Hälfte ihrer jungen Geschichte vor, hatte der Ort doch erst 1006 BF von Herzog Waldemar das Stadtrecht erhalten.
Als Stadtverwalter bewies Berman ausgezeichnetes Talent und hohe Führungsstärke, insbesondere in Zeiten des letzten Orkensturms, als die Schwarzpelze Balsaith belagerten, sowie während der langjährigen Handelsstreitigkeiten mit Trallop und Nordhag. Mit besonnener Hand verstand es es, zwischen dem zunehmend selbstbewusster auftretenden Ältestenrat, den einflussreichen Kaufleuten und den Interessen des Barons zu vermitteln. Damit trug er wesentlich zum Erstarken der kleinen Stadt bei.
So war die Trauer der Bürger groß und kaum einer der etwa 700 Einwohner blieb aus, um dem Verstorbenen an seiner Grabstätte im Rondratempel Drakenquell die letzte Ehre zu erweisen. Man würde den alten Haudegen, der seinen Gehstock ähnlich vehement einzusetzen wusste wie sein Schwert, sehr vermissen und schwer dürfte es seine designierte Nachfolgerin haben, in die Fußstapfen dieses großen Mannes zu treten.
(ar)