Junkergut Waldenwinkel

Grafschaft: Sichelwacht
Baronie: Adlerflug
Gutsherr: Einhart von Isenfold
Wappen: Folgt
Einwohner: 45
Orte: Weiler Waldenwinkel
Tempel: Schrein der Ifirn mit anliegender Hütte (einfach geweiht), Andachtsraum der Rondra im alten Wehrturm (nicht geweiht)
Garnison: Zwei Waffenknechte, ein Jagdmeister, 15 wehrfähige Einwohner
Landschaft: Waldenwinkel ist umgeben von dichten Wäldern aus Sicheltannen und anderen Nadelbäumen, im Süden erstrecken sich die Ausläufer der roten Sichel und das Gelände wird nach Süden hin immer unwegbarer.
Besonderheiten: Der alte Wehrturm von Waldenwinkel, die überwucherte Ruine eines Steinhauses im bewaldeten nördlichen Teil des Guts

BESCHREIBUNG:

Das Junkergut Waldenwinkel bildet die efferd- und praioswärtige Spitze der Baronie Adlerflug und liegt damit direkt an den gen Firun zeigenden Ausläufern der Roten Sichel. Das Gut ist zu einem Großteil von dichtem Tannenwald bedeckt, durch den in Richtung Firun und Efferd je ein passierbarer Pfad zum Weiler Waldenwinkel führt. Befährt man den Wald über eben diese Pfade mit einem Fuhrwerk, ärgert man sich aber recht schnell über die in den Weg ragenden, tief hängenden Zweige der großen Sicheltannen. Die kleinen Holzfällerlager am Rande der Wege vermitteln fast den Eindruck, dass das geschäftige Treiben dem Ausbau der Wege dient, denn viel weiter in den dichten Tannenwald getrauen sich auch die meisten Einwohner Waldenwinkels nicht recht.

Manch ein Reisender, der sich nach Waldenwinkel verirrt hat, berichtete über Sicheleulen, die jeden Ankömmling mit finsterer Miene mustern würden. Neben zahlreichen Fuchs- und Dachsbauten, die eher im dicht bewaldeten firunwärtigen Teil des Junkerguts zu finden sind, werden auch immer wieder Wölfe und vor allem Widder im gebirgigen Praios gesehen. Das zahlreiche Schwarzwild, vor dem die Waldenwinkler ihre Rübenäcker und kleinen Gemüse- und Kräutergärten mit Schlehdornhecken schützen, zählt ebenso zu den Nahrungsquellen der Einwohner  wie die im Wald artenreich wachsenden Beeren und Nüsse.

Die Ausläufer der Roten Sichel werden von den meisten Menschen gemieden. Nur Wenige ziehen in den Sommermonaten aus, um Schieferbruch zu sammeln aus dem die Waldenwinkler Griffel und Tafeln gefertigt werden. Das liegt weniger an den immer wieder abgehenden Wetterstürzen, als an den vermuteten Gründen für eben diese. Denn, so glaubt man in Waldenwinkel, in den Bergen hausen neben den gutmütigen Greifen, auch noch andere absonderliche Wesen, wie Riesen und Bergtrolle, die gern für derlei Lawinen verantwortlich gemacht werden.

Größere Ansammlungen von Menschen gibt es außer dem Weiler Waldenwinkel nicht. Lediglich ein kleiner Bergbauernhof, der aber nur im Sommer bewohnt ist und zum Weiden des spärlichen Bestands an Schafen und Ziegen genutzt wird, befindet sich etwas weiter praioswärts des Weilers auf einem Hügel, genannt „Eichenbuckel“. Dieser Name stammt davon, dass rahjawärts des kleinen Gehöftes ein kleiner Eichenwald angrenzt.

In der Nähe dieses Gehöfts kann man noch eine kleine, windschiefe Bude, die von den Waldenwinklern liebevoll „Rattenkate“ genannt wird, erkennen, die als Zwischenlager für den gesammelten Schiefer und als Unterstand für die Sammler dient, sollten diese einmal vom Wetter überrascht werden. Dass der Bretterverschlag im Frühjahr auch gern als Liebesnest für den ein oder anderen Liebestollen herhalten muss, ist weithin bekannt und hat in der Vergangenheit zu vielen Überraschungsbesuchen verärgerter Gemahlinnen, Väter und Jünglinge geführt. Von einigen der betrogenen Damen wurde auch wohl auch der Name gestiftet.

Hinter vorgehaltener Hand munkeln besonders einige ältere Einwohner des Weilers gern von verlassenen und überwucherten Ruinen im dichten Wald des firunwärtigen Teils des Gutes. Einen tatsächlichen Hinweis hat aber weder der Waldhüter noch der Jagdmeister je ans Licht gebracht. Letzerer allerdings bekommt für eine Sekunde ein merkwürdiges glänzen in den Augen, wenn man dies erwähnt, auch wenn er danach wieder ebenso ausdruckslos starrt wie sonst. Nur der allzeit verständnisvolle Ifirngeweihte hat für derlei Gerüchte ein offenes Ohr, wenn er in der Ortschaft weilt. Ob dies aber tatsächlich seinem Interesse oder seiner Aufgabe, das Seelenheil der Einwohner zu bewahren. geschuldet ist, lassen alle Berichte darüber offen.

Die Herkunft des Namens des Guts ist für jeden, der bereits eine der seltenen Karten der Baronie Adlerflug in Händen hielt, kaum zu übersehen, liegt Waldenwinkel doch wie ein spitzer Winkel im Firun der Baronie und ist durchweg mit dichtem Wald bedeckt.

Jene die auf diese Karte blicken können, werden sich wundern, warum gerade dieser Teil noch zur Baronie Adlerflug gehört. Die Erklärung dafür vermuten manche in dem guten Verhältnis der Adlerfluger und der  Beonspforter, die sonst keine Grenze miteinander gehabt hätten. Andere vermuten, dass bei der Festschreibung der Grenzen ein übermüdeter Schreiberling eingenickt und mit dem Griffel abgerutscht ist. Was auch immer der der Grund war: Fest steht, dass dieser Landstrich nun dem Junker Einhart anvertraut ist, welcher ihn hart aber gerecht verwaltet.

LAND UND LEUTE:

Hat man erst den Weg durch die dichten Tannenwälder gemeistert, begegnet man des Tages oft zunächst den Holzfällern, die am Wegesrand hart schuften, um die Aufträge des Waldhüters auszuführen. Besonders gute Umgangsformen sucht man hier natürlich vergebens. Auch die  Köhler, deren Geschäft diesen Teil des Waldes zu mancher Tageszeit in dichten Rauch hüllt, weisen das gleiche ungehobelte Verhalten auf. Noch dazu scheint ihnen der stete Qualm die Sinne getrübt zu haben, denn der ein oder andere blickt sich stetig verstohlen um und versteckt sich dann hinter einer der nahen Hütten. Sollte der Waldhüter zugegen sein, wird er dem Reisenden nahelegen, möglichst nicht den Pfad zu verlassen, bis er im Weiler ankommt. Sollte es sich um einen besonderen Gast oder gar um einen Boten handeln, kann dieser wohl auch auf einen waldkundigen Begleiter setzen, der auf dem Weg das eine oder andere Gerücht verbreiten mag und im Gegenzug auf Neuigkeiten von außerhalb des Gutes hofft. Manch einer wird zwischen den Bäumen auch einige kleine Beerensucher entdecken können, die sich meist als Kinder entpuppen, die mit verschmierten Mündern und großen Augen zu einem der seltenen Besucher des Gutes aufblicken werden.

Im Weiler angekommen fällt dem Reisenden sofort das geschäftige Treiben auf, welches für einen so kleinen Ort bemerkenswert ist. Vor einem der gedrungen wirkenden Holzhäuser flicht eine blonde Mittvierzigerin mit ihrer ebenso blonden Tochter an einem Korb, welcher für kurze Zeit zur Nebensache wird. Mitten auf dem kleinen Platz, in dessen Mitte ein steinerner Brunnen steht, spielen zwei Kleinkinder mit einem Ferkel Fangen.

Abseits der Häuser erkennt der kundige Betrachter, nahe des umliegenden Waldes, einen kleinen gerodeten Platz im Schatten der großen Tannen.

Die  umliegenden Holzhütten gleichen eine der anderen und neben ihnen erkennt der Besucher kleine Wirtschaftsbereiche, die das ein oder andere Huhn, Kräuter und vereinzelt auch mickriges Wurzelgemüse beherbergen. Einige verwirrt drein blickende Bauern sammeln sich an einem Karren, der mit einer weiten Plane belegt ist. Es sieht aus als wollten sie gerade  aufbrechen. Nahe einem größeren Holzhaus neben einem recht stattlichen Steinturm stehen zwei Pferde an einen Pfahl gebunden. Ein kläffender, schwarzer Köter springt um die unbeeindruckt wirkenden Gäule herum. Ein großer muskulöser Mann mit einer Lederschürze tritt aus einer kleinen angrenzenden Schmiede heraus und schlägt mit einer dicken Eisenstange nach dem Tier, bis dieses endlich jaulend das Weite sucht. Er nickt dem Reiter misstrauisch zu und verschwindet dann wieder in der Schmiede, deren Hitze der Besucher bereits auf der Straße bemerkt hat.

Etwas abseits des Turms bemerkt der Fremde eine weitere Hütte, an der er eine hölzerne Ifirnstatuette in einer Nische zu erkennen glaubt. Den restlichen Weg zum Pfahl flankiert nun ein recht großer hölzerner Unterstand wo mehrere grob gehauene Bänke und Tische aufgereiht sind. Endlich am Pfahl angekommen macht auch der Besucher sein eigenes Pferd fest und betritt, begleitet von neugierigen Blicken der restlichen ärmlich aussehenden Bevölkerung, das große hölzerne Haus mit dem Steinturm.

Wie man sich ob dieses kleinen Eindrucks vorstellen darf, ist ein Besucher im Weiler ein seltenes Ereignis, über das viel geredet und noch mehr spekuliert wird. Dies hält die fleißige Bevölkerung jedoch nicht davon ab, ihrem Tagewerk nachzugehen. So arm und ungebildet die Menschen hier auch erscheinen mögen, an Vorstellungskraft mangelt es keinem von ihnen. So werden, sei es durch den verbreiteten Aberglauben, die überlieferten Geschichten oder einfach durch das wichtigtuerisches Gehabe, Sagen und Mären über das Umland verbreitet, von denen es teils Dutzende Versionen gibt. Diese reichen von merkwürdig missgestalteten Wildschweinen  bis zu alten elfischen Städten, die verborgen im Waldboden, auf ihre Entdeckung warten.

Da selten jemand, von dem griesgrämigen Schmied mal abgesehen, allein den Abend verbringen möchte, findet man sich in der Regel zum gemeinsamen Schmaus am Unterstand zusammen. Hier wird gern geklönt und auch getanzt, wenn die hübsche Nalle ihre Flöte aus der Schürze zückt und aufspielt. Der Zusammenhalt der Menschen im Junkergut hat einen einfachen Grund, den die Mutter des Junkers vor einigen Jahren bei der Beisetzung Ihres Mannes einmal treffend formuliert hat.

„Leid schweißt zusammen, lässt die Menschen enger rücken. Man bemerkt erst dann, was man wirklich braucht, wenn man es verloren hat. So macht aus jedem Tag das Beste, für das Wohl derer, die auch für euch alles geben, was sie zu geben im Stande sind. Niemals weichen, niemals brechen.“

So hat sich eine Form der Hilfsbereitschaft entwickelt, die Ihresgleichen sucht. Streitereien werden, wie es in Weiden sowieso Sitte ist, nicht zu einem Schwelbrand, sondern an Ort und Stelle, wenn nötig durch den Junker selbst, geregelt.

Fleiß wird belohnt, Faulheit bestraft. Neid und Missgunst mündet in Ehrgeiz und Antrieb. Die Jungen werden durch die Alten angeleitet, doch nicht durch Arroganz sondern durch beispielhaftes Verhalten. Die Alten werden dafür von den Jungen geehrt und mit selbstverständlicher Hilfsbereitschaft entlohnt. Auch wenn diese Menschen nicht viel haben, sie haben einander.