Ritter sein

Ritter sein, wenn der Herold lädt
zur großen Herzogen-Turney.
In rauhen Mengen fließt der Met
und lieblich klingen die Schalmei'n.
Ritter sein, wenn die grünen Schleier
von Trallops Mauern grüßend weh'n:
Das ist des Daseins schönste Feier!
Oh, lass sie nie zu Ende geh'n.
 
Ritter sein, wenn die Humpen kreisen,
in lieberschloss'nem Freundesbund
von alter Treue bei den Weisen
der Väter jauchzt der junge Mund.
Ritter sein, wenn die Herzen freier
auf der Begeist'rung Höhe stehen:
Das ist des Daseins schönste Feier!
Oh, laß sie nie zu Ende geh'n.
 
Ritter sein, wenn zwei Augen locken,
ein süßer Mund verschwiegen küßt,
daß jählings alle Pulse stocken,
als ob im Rausch man sterben müßt'.
Ritter sein, in der Liebe Morgen,
wenn jeder Wunsch ein frommes Flehn:
Das ist das Leben ohne Sorgen!
Oh, lass es nie vorübergehn!
 
Ritter sein, wenn die Hiebe fallen
im scharfen Gang, der selbst gewählt,
im blut'gen Aneinanderprallen
der Mut sich für das Leben stählt.
Ritter sein, wenn dein einzig Sorgen,
ob fest und tapfer du wirst stehn:
An deines Lebens Wagemorgen,
oh, lass die Zeiten nie vergehn!
 
Ritter sein, wenn im Abendschatten
dein Weg sich sacht schon niederneigt,
von West die Schar der Wolkenschatten
schon vor das Blau des Tages steigt.
Ritter sein, wenn der Sang verklungen,
der deinem Lenz einst Flügel lieh
und jung du trotzdem mit den Jungen,
dann war es recht, dann stirbst du nie.

Irdische Vorlage: "Student sein wenn die Veilchen blühen"
von Josef Buchhorn