Die Blaubinger Tafeln

Die Blaubinger Tafeln - vom sagenhaften Zug der Beni Nurbad und Beni Nunnur

Schreiben des hochgeborenen Barons Nolling Haffstein von Blaubinge an den erhabenen Magister der Magister, Alsemir zu Kuslik, von 500 BF, im alten Garethi belassen. Aufbewahrt in der Herzoglichen Kanzlei, Trallop. Erst kürzlich nach den zweiten weidener Unruhen in die Archive des Rhodensteins verlagert.

Der genannte Bote erreichte nimmer Kuslik. Sein Leichnam wurde im Traviamond des gleichen Götterlaufes von einigen Rundhelmen auf dem "Alten Wege" nach Nordhag entdeckt, gleichwohl ohne irdene Tafeln. Da die "Blaubinger Tafeln" aber das bisher einzige Zeugnis vom sagenhaften Zug der Beni Nurbad und Beni Nunnur sind, bleibt uns nichts als Hochgeboren Haffsteins Worten Glauben zu schenken.

"Frîhêr Nolîng Haffstain zuo Bluobing entbît dem Erhabnen Hêr Alsemir, Maîster der Maîstin zuo wünneclîches Küslich, sîn Grüsz und höffet, dass dem Erhabnen recht güt gehet und das ouch zuo Küslich das götterîngefällige Recht hochhalten wird, wie es der lîb, wîs Hêr Roâl zuo Gæreth und die vererîngswüerdig Frouwen Hêrzuogîn Lînobra zuo Vâll-op-dem-sê glichvol tüen.

Erhabner. Was mîr, deme rechten Frîhêr Haffstain, den Sînn gebît, dîr hohîstselblîch mit dîs Srîben zuo kömmen: îm wârheitlîch minneclîch und kurzeweiliglîch Hölzemond vergangnen Götterînlof, als Zehnettag war zuo Bluobing, da bracht mîr mîn getreulîch Voigt, der Rîttsmanne Uldrich, drîu leidlîch klein Tafelen, die gænzelîch all sîn von braun Erden gemachet. Der genænnete hâbet sî vom Hvbhofbauern Hîlmen, der von unsrer Hêrschaft ein Hvb zuo Lehn hâbet, die am Fînsterlîch Bæche hinabreichet bis zuom Bîling Stain und zuom Ebstêt Mülweiern, dort am Hêrschaftsbluomenwald enlang bestecket ist und bis hinne zum Alger Büchhain und danne in gerader Streck rahîawærts zum Fînsterlîch Bæche zurüchfuîhret. Der Hvbmanne Hilmen nun liesz sîn Sweinehîrt Galmîng mit deme Gethîr hînnab zum næmelîch Bæche, wo dîs Hîrten die Tafelen funden hâtt und sîn Hêr geben hâtt, worufhînne der sî der Hêrschaft überbrîngen hâtt, von der er das Land am Bæche gegen zvuolf Silblîng gepächtet hâtt - das also all, das dort gelegen ist, recht mîn ist.

Was mîr aber nun an den Tafelen uffalliglîch war: das sî recht alt warn und all seltsame Zîch trûgen, die ich mîr fürderlîchest gar niht zuo däuten wuost. Alz ich danne aber în den Monden des grîmiglîch Fîrn in der Frouwenkâmmeren sâs und die Tafelen recht betræchtet, da erkænnete ich vol: die erstre truchet gänzelîch seltsam Zîch, die deme Êchslîch gelîch, von denen îch gar niht vil vestânden. Die beid andern aber wârn mit allei Zîch versên, die zuo däuten mich vol ein güetteil des hêrschaftlîch Fîrhölze von den Hvbn köstet, dînne der grosz Kamînen muost aldiewîl nachgeleget und geschûret werden. Aber um der Heszînth Wîln hâb îchs vol gern getân. Da war zuofurderst einmal ein Lagerîn von tüchern Hütt und hölzelîch Hüs, danebn allerlî Gekräut. Darund endecket îch vol ein grosz Wald, davor tümmeleten sîc vilerlî Liuten, die in îhrer Mitten ein groszes Vîh hâtt, daz vol ein Bären wesen sîn macHal Giun den strîten si heftichlîch, denne vil der Ihrn lagen fallen, und das Fîrnsgethîr war noch niht înmal vewündet. Uf deme zwîte Stück sah îch, wie si deme Bären hûldiglîch warn. Si hîlten erfürchtiglîch Roum under sîc und deme Bären, und tüen îm ein Hîrschen gîben. Us deme Dörfen ist danne ein klein Örte vorden, wo înne deme heiliglîch Hüs ein Bären ist. Was ich nun zuo dîs Tafelen denklîch tüe: Das si næmelîch den sînghaft Züg der Bênirîn Nünnur vom Stamm der Bênirîn Nürbat srîben. Vol ists doch möchelîch, daz die Nünnur uf îhrm Weg giun Mîtnæcht krænkelîch zurüchblîben und ein Bären trâfen, was si nöch nîmmeren gesehn und das si das Thîr niht thuît hâb könnet, weil er sô grosz und kräft warn. Und vil si sîc niht sâchen könnet, was es wesen warn, dächt si, daz es wesen warn ein Gött. Das nunmêr hîsze, daz die Nünnur deme Fîrn gluibiglîch warn, bîfuor die Guildlandlîch Mannen sîn kommen! Das fürdiglîch danne hîze, daz deme Fîrn hûldiglîch worn ist, bîfuor die Thôrwaln öder Hîldingerîn in Alvên-thürn landt sîn. Ist dîr daz niht wîchtiglîch, Erhabner? Ich hâb ein Böten sandt, daz er dîr die Tafelen unt dîs Srîben bræng.
 
Zîch des hêr Nolîng Hafstain, Baruon.
 
Geben am sîbt Praiôsmond im heiliglîch Götterînlof 500 nach deme Fall Bosbârans und im Iar 44 des hêr Roâl zuo GæretHal Geschêhn zuo Buirch Bluobing înne der Grâfelîchschaft Bärenwald."

- Niels Gaul