Das Rittertum

Ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Weidner Adel und dem anderer Provinzen besteht im Stellenwert des Rittertums. In vielen Herzog- und Fürstentümern des Raulschen Reichs hat dessen Bedeutung in den vergangenen Jahrhunderten deutlich abgenommen.

Allein in Weiden sind Pagen- und Knappenzeit nach wie vor von großer Wichtigkeit. Nahezu jeder Adelsspross wird im rechten Alter -- also um das achte Lebensjahr herum -- zum Pagen, für viele schließt sich nach sechs Wintern die Knappenschaft bei einem Schwertvater oder Schwertmutter an. In beiden Lehrzeiten zusammen lernt der Nachwuchs somit göttergefälligen zwölf Jahren die Tugenden und Pflichten eines wahren Weidener Ritters kennen.

Da nicht immer für jedes Kind ein Schwertvater gefunden wird, können die Lehrjahre im Zweifel auch auf dem heimischen Gut abgeleistet werden. Das ist aber sowohl für die Familie als auch für den Sprößling alles andere als prestigeträchtig. Einen weiteren "Notnagel" stellt die Kriegerakademie "Schwert und Schild" nahe der alten Königsstadt Baliho dar. Deren Abgänger sind aber keine Ritter und müssen außerdem bisweilen damit leben, während ihrer Lehrjahre von ambitionierten "Gemeinen" überflügelt zu werden. Immerhin besetzen sie nach Abschluss ihrer Lehre die besten Voraussetzungen für eine Laufbahn als Offiiziere, etwa bei den Grünröcken oder der Sichelgarde.

Familie mit größerem Ansehen versuchen zudem gelegentlich, ihre Kinder an einen Grafenhof oder gar an den Herzogenhof zu bringen, damit sie in den dortigen Knappenschulen ausgebildet werden -- und dabei auch gleich wertvolle Kontakte für die Zukunft knüpfen können.

Vom Wert des Ritters

Nicht nur das Erlernen des ritterlichen Wissens, sondern auch dessen Vermitllung ist in Weiden von gehobener Bedeutung. Für einen ordentlichen Rittermann gehört es schlicht zum guten Ton, einen oder auch gleich mehrere Knappen oder Pagen zu haben, für sie zu sorgen und sie zu unterweisen. Wenn diese Kinder gut geraten, hat das zumeist deutliche positive Folgen für das Ansehen ihres einstigen Lehrherrn. So mag es dem einen oder der anderen gelingen, in der Hackordnung des Adels aufzusteigen, von der Bedeutung her vielleicht sogar über Standesgenossen, die nach der reinen Lehre eigentlich über ihnen stehen würden.

Wer als Ritter über einen untadeligen Ruf verfügt, hat in den Bärenlanden ohnehin größeren Einfluss als in anderen Provinzen. Es ist durchaus schon vorgekommen, dass Weidener Grafen und gar Herzöge verdiente Ritter in ihren engsten Beraterstab gehoben oder sie ohne viel Federlesen auf vakant gewordene Baronsthrone gesetzt haben. In dieser Hinsicht gilt das Wort des "kleinen Adeligen" in der Mittnacht also mehr als anderswo als im Reich und die Adelshierarchie ist flacher: Wer die ritterlichen Tugenden hochhält, kann schneller aufsteigen. Wer durch Genteiliges von sich reden macht, stürzt allerdings auch schnell ab.