Der Fall Burg Aarensteins - Unerwuenschte Last


Winter auf Burg Klöppelstein

“…und wenn ich sage, dass sie uns noch die Haare vom Kopf fressen, meine ich es noch gut”, geiferte Baron Berwing von Klöppelstein. “Die”, in seiner haltlosen Wut zitterte er am ganzen Leib und Spucke rann ihm übers Kinn, “machen bei den Haaren bestimmt nicht halt. Warte nur auf den Tag, da sie meine Rösser beanspruchen, um sich die Wänste vollzuschlagen. Pfaffen, elendige. Lassen sich übertölpeln und aus ihrer Burg prügeln und ich soll’s ausbaden, wie?”

Furgund hatte den Kopf zwischen die Schultern gezogen. “Aber Herr, redet nicht so. Die armen Ordensleute wussten doch nicht wohin und sie wollen doch …”, sie überlegte, wie die Großmeisterin es just am Morgen in ihrer Predigt formuliert hatte, “…frisch gestärkt zum Gegenschlag ausholen und die Frev…” “Genau das mein’ ich ja”, schrillte des Klöppelsteiners Stimme in höchsten Tönen. “Frisch gestärkt und ich verhungere in meiner eigenen Burg, von meinen Leuten ganz zu schweigen. Faseln was von Schutz und Trutz, ja? Aber mehr ist nicht drin, als faseln. Alle Hühner haben sie schon gefressen.” “Aber Herr”, die Magd wagte viel an diesem Abend, “das stimmt doch gar nicht. Die meisten Hühner sind erfroren, als es doch so früh so kalt war. Und die Herren und Damen gehen ja auch jagen …” “Und WO machen sie das? In MEINEN WÄLDERN, jagen MEIN Wildbret. Pack!”

Furgund ließ den Kopf hängen. Es nutzte ja nichts, das wusste sie selbst. Der Baron von Klöppelstein war schon an seinen guten Tagen ein missgünstiger und übellauniger Mann. Doch nach Wochen der aufgezwungenen Gemeinschaft mit den Überlebenden vom Orden der Schwerter, war kein Tag mehr gut. Burg Klöppelstein war einfach nicht groß genug für die Baronsfamilie und Angehörige eines rondrianischen Ordens. In mehr als einer Hinsicht. Der Verzweiflung nahe beobachtete sie den alten Baron bei seinem Wüten. Es würde erst verebben, wenn die Erschöpfung ihn übermannte und von neuem beginnen, wenn er sich erholt hatte.

So konnte es nicht weiter gehen!

***

“Sie ziehen ab, Herr.” Berwing von Klöppelstein blickte verständnislos von seiner dünnen Graupensuppe auf. “Was?”, grunzte er. “Die Rondrianer, sie ziehen ab. Die Großmeisterin sagt, dass der Winter zu lang ist, als dass sie uns noch weiter zur Last fallen könnten. Guten Gewissens zumindest. Übermorgen ziehen sie ab.” Furgund hoffte, diese Nachricht würde das Leben auf der Burg wieder einigermaßen erträglich machen. “Sie wollen im Tal Hilfe suchen.”

Der Baron nickte und wirkte das erste Mal seit Wochen einigermaßen besänftigt. “Da wünsche ich viel Glück bei! Sie sollen mit Rondra gehen, aber sie sollen gehen.” Und damit war das Kapitel für den Böckelsdorfer Baron beendet.