Der Fall Burg Aarensteins - Leichter Sieg

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Spätsommer im Dorf Tannweiler

Ermintrud ließ ihre Augen über das Schlachtfeld gleiten, das einst ein nettes Dörfchen gewesen war. Rechte Freude wollte bei niemandem aufkommen. Viele drehten sich noch immer argwöhnisch um, starrten misstrauisch in den Wald und ins Tal, wähnten hinter jeder Hausecke einen Feind. Doch die Schwarzen Ritter waren verschwunden. Einige Halbwüchsige reagierten sich gerade damit ab, dass sie das goldene Banner mit der schwarzen Sichel verbrannten. Für kurze Zeit hatte es die Motte des Baronetts geziert. Nach dem Sieg der Rondrianer war es jedoch schnellstens abgenommen worden.

Wie die Kinder daran gekommen waren, wusste sie nicht, doch es schien die Ordensritter nicht zu erfreuen. Gerade gab es einen lauten Disput darüber, dass diese Trophähe in einen Tempel gehöre und nicht in den Schlamm eines zerstörten Dorfes. Die Hebamme wandte sich ab. Sie hatte wichtigeres zu tun, als sich um derlei Blödsinn zu kümmern.

Wann sie zuletzt geschlafen hatte, wusste sie nicht mehr. Müde schleppte sie sich von Krankenlager zu Krankenlager. Sie war heiser vom vielen Reden, innerlich taub von dem Anblick all der Schrecknisse, das sie hatte mit ansehen müssen. Das Verderben war so schnell gekommen, wie es gegangen war. Doch Grauen und Tod waren geblieben.

Natürlich waren alle Tannweilerer erleichtert gewesen, als die hellen Hornstöße der Rondrianer vom Aarenstein Rettung verhießen. Wie alle anderen auch hatte sie versucht, den Ordensrittern in ihrem Kampf beizustehen. Dankbar war sie auf die Knie gesunken, als das Schlachtengetümmel nach wenigen Stunden endete und die widerwärtigen Ritter von jenseits der Schwarzen Sichel in die Wälder flohen, verfolgt von den triumphierenden Recken der Löwin.

Doch die Freude darüber, sie los zu sein wollte sich nicht recht einstellen.

Auch bei den Rondrianern nicht, wie sie bemerkte. Immer wieder befragten sie den arg mitgenommenen Erben der Baronie. Baerwulf von Klöppelstein hatte ihnen überschwänglich für ihr beherztes Eingreifen gedankt, aber er wusste auch nicht mehr zu berichten, als die übrigen aus Burg und Dorf. Er selbst trug Folterspuren und hatte während der fulminanten Rückeroberung im Kerker gesessen.

Das einzige, was nach und nach offenbar wurde war, dass in den letzten Tagen einige aus dem Dorf verschwunden waren. Vor allem solche, die man nicht gleich vermissen würde, wie ein Köhler und zwei Jagdknechte. Auch Walpurga Tännelin, ein begabtes Mädchen, auf das sie ein Auge geworfen hatte, war darunter. Ermintrud seufzte, sie hatte kein Glück, wenn es darum ging, eine Schülerin zu finden. Argwöhnisch sah sie in den grauen Himmel. Ihre Knochen schmerzten, besonders der rechte Ellbogen und das verhieß nichts Gutes.