Der Fall Burg Aarensteins - Nebel

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Spätsommer in der Baronie Böckelsdorf

“Da hol’ mich doch der Augrimmer!” Erzian Schnakenbühl kratzte sich energisch im Schritt, dann am Hinterteil. Seine triefenden Augen waren starr gen Osten gerichtet und er redete – in Ermangelung von Gesellschaft – mit sich selbst. Es wurde langsam dunkel und darum hatte er es erst gar nicht bemerkt. Dann hatte er es für ganz normalen Nebel gehalten. Doch inzwischen hatte der Waffenknecht erkannt, dass der ‘Nebel’ sich gemächlich auf die Drosseltiefe zu bewegte. Wo er auf die Bäume des Waldes traf, färbte er sattes Grün und loderndes Gelb weiß. Erzian hatte schon so manches gesehen, aber ein Wintereinbruch – allzumal so früh ihm Jahr – dem man zusehen konnte, war ihm noch nicht untergekommen.

Ratlos kratzte er sich nun die unrasierte Wange. Sollte er Meldung machen? Und wenn ja was? ‘Ähm, Herr, der Winter kommt. Irgendwie ziemlich schnell, wenn Ihr mal schauen wollt’, oder so was? Er schüttelte energisch den Kopf. Sein Herr war nicht eben für Langmut und Freundlichkeit bekannt. Vermutlich wusste der eh schon, dass der Winter kam, weil er es irgendwo in seinen schlauen Büchern gelesen hatte.

Erzian drehte sich um, starrte gen Westen. Keine Spur von Nebel, kein Frost. Alles so, wie er es sich wünschte. Im Osten hingegen …

Es würde nicht lange dauern, da hatte der Frost die äußeren Bäume erreicht. Ob er auch über die wenigen Felder Tannweilers hinweg ziehen würde? Dann würde es wohl jeder sehen und am Ende war er wieder schuld, das kannte er schon. Gerade wollte er doch ins Horn stoßen – ihm fiel schlicht nichts Besseres ein – da wurden seine Augen von einer raschen Bewegung angezogen. Erste Nebelzungen tasteten zögerlich zwischen den Bäumen hervor. Und zwischen den Stämmen, hinter dem Waldsaum blitzte immer wieder etwas Fahles auf. Leuchtete kurz, jagte dann einem Geschoß gleich hinter den Stämmen entlang und verschwand im tiefen Wald. Und dann kam der Nebel schnell und mit Macht. Wie eine Woge türmte er sich auf, himmelhoch, wabernd und so kalt, dass Erzian auf seinem Ausguck schauderte. Er löste sich aus seiner Starre und stieß ins Horn. Als habe der Nebel darauf gewartet, fiel er in sich zusammen und floss in die Drosseltiefe und erweckte dabei den Eindruck, eine riesige Hand gösse ihn aus einem unsichtbaren Eimer.