Der Wildschütz Beon

Der Wildschütz Beon war ein Mann
von seltenen Geistesgaben;
doch wandte er sie immer an
der Menschheit nur zum Schaden
 
Zu Steinbeck im weidenschen Land,
da ward er einst geboren;
sein Name klingt am Rathilstrand
noch in vieltausend Ohren.
 
Schon frühe zeigt er viel Begier
zum Schießen und zum Jagen.
Er schwärmt in dem Forstrevier
umher in ganzen Tagen.
 
Nahm in dem Dohnweg Vögel aus,
verübte machen Schaden
und kehrte abends dann nach Haus
mit Beute reich beladen.
 
Nach mehren Jahren glückt es dann,
zur Haft ihn einzubringen
in Beonspfort. Doch er entrann
auch hier, trotz eisern Schlingen.
 
Ein Steckbrief ward ihm nachgesandt,
den achtet er geringe
und trieb im Menzenheimer Land
nur bunter drum die Dinge.
 
Bald war er hier, bald war er dort,
man konnte ihn nicht fahen.
Er wechselte gar oft den Ort,
wenn er Gefahr sah nahen.
 
Bald war er an der Kevûn Strand,
nahm Hirsch und Reh ins Ziel,
bald trieb er im Tralloper Land
es wahrlich gar zuviel.
 
Er richtete viel Schaden an
in gräflichen Revieren,
darob nun jeder Jägersmann
sich legte aufs Vigilieren.
 
Es glückte auch, bei Auenburg
den Listigen zu fangen,
doch brach er seine Ketten durch
und seines Kerkers Stangen
 
Von neuem schoß er Wild auf Wild
mit niederhöllschem Grinsen;
die Gegend ward von Schreck erfüllt
bei Balsaith und bei Winsen
 
Zuletzt ward er mit Macht gehetzt
von Jägern und Soldaten,
und so wußt er zu allerletzt
nicht anders sich zu raten,
 
als hin nach Elberum zu fliehen,
sich auf ein Schiff verdingen
und auf nach Maraskan zu ziehen;
dies sollt ihm auch gelingen.
 
Hier kaufte er sich Äcker an
im Schutze großer Wälder,
baut sich ein Haus, bestellte dann
mit Korn die eignen Felder.
 
Doch plötzlich einst in schwarzer Nacht
ward von den wilden Horden
sein Haus mit Flammen angefacht!
Man kam, um ihn zu morden.
 
Den Beon trifft der Keule Schlag,
er sinket hin mit Beben.
Für ihn wird es nun nicht mehr Tag,
aus ist sein ruhlos Leben.
 
O Menschen, wandelt jederzeit
den Weg der reinsten Tugend,
folgt dem Gesetz der Obrigkeit
und lehrt dies auch der Jugend.

von Sven Kühnel