Hochzeit im kleinen Rahmen

Burg Dornensee, Königlich Dornensee, Mitte Praios 1033 BF

Adaque von Mersingen m.H. stand in ihrem Gemach auf Burg Dornensee und blickte aus dem Fenster, während zwei Zofen an ihrem Kleid herumfummelten. Adaque dachte darüber nach, wie sehr sich ihr Leben in den letzten Götternamen verändert hatte. Vor etwas mehr als 6 Monden war sie noch eine Knappin kurz vor der Schwertleite am Hof des Grafen von Eslamsgrund gewesen. Sie und ihr Schwertvater, Graf Siegeshart von Ehrenstein, hatten Pläne gehabt. Beständig hatte die Angst an ihr genagt, dass das Haus Mersingen auch sie, wie so viele Mitglieder der Familie, aus politischen Gründen irgendwohin verheiraten würde. Doch dann kam dieses Schicksal aus einer völlig unerwarteten Richtung und aus anderen Gründen. Es war im Firun gewesen, als ihr Vater, Albur von Mersingen, unerwartet zu einem Besuch vorbeikam und ihr die Neuigkeiten überbrachte. Kurz und ohne Umschweife ganz wie es seine Art war, hatte er ihr mitgeteilt, dass sie gleich nach ihrer Schwertleite heiraten würde und bereits beim nächsten Turnier in Eslamsgrund ihren zukünftigen Ehemann kennenlernen und dort auch ihre Verlobung bekannt gegeben würde. Ihr Protest war lautstark und energisch ausgefallen, doch hatte ihr Vater ihr keine Wahl gelassen.

Schlussendlich hatte sie erkannt das er dies nicht aus Boshaftigkeit getan hatte sondern nur aus Sorge um seine einzige Tochter. Er führte an, dass sein Titel nicht erblich war und sie als Zweitgeborene noch weniger Aussichten darauf hatte ihm nachzufolgen. Darüber hinaus graute es ihm davor, dass sie, sein kleines Mädchen, wie er sie nannte, wenn sie alleine waren, für die politischen Ziele der Familie geopfert werden würde, um zum Beispiel den Einfluss in der Rabenmark zu festigen. Nein, da dann doch lieber einen gestandenen, ehrlichen Ritter aus Weiden, da wusste man was man hat, und sowieso, Orks könne man viel besser bekämpfen als irgendwelche Untoten. Dazu kam, dass der Mann, den er ausgesucht hatte, aus einer alten und ehrbaren Familie kam, die es geschafft hatte, seit der Zeit Olat des Bogners am Finsterkamm zu überleben. Das ihr Vater dabei allerdings ihre eigenen Pläne völlig übergangen hatte, war ihm wahrscheinlich nicht einmal in den Sinn gekommen. Recht schnell hatte Adaque sich in ihr Schicksal gefügt und nur kurz überlegt, ob sie ihre Erziehung vergessen sollte und sich weigern, dem väterlichen Willen zu folgen. Eine Tatsache, die besonders ihrem Schwertvater übel aufstieß, der, wie es schien, auch anderes mit ihr vorgehabt hatte. So hatte er, nachdem ihm die Neuigkeit überbracht wurde, sie von nun an mehr oder weniger ignoriert und nur noch ein einziges Mal zu ihr gesprochen. Nämlich bei ihrer Schwertleite am 5 Praios des Jahres 1033 BF. Schon einen Tag später hatte sie den Grafenhof verlassen und war nach Dornensee zurückgekehrt.

Auf Burg Dornensee angekommen war ihr nicht viel Zeit geblieben, und die folgenden Tage waren wie im Flug vergangen. Ihr Vater hatte alle Vorbereitungen bereits getroffen und sogar ihre Mutter war anwesend. Nur kurz nach ihr war auch ihr zukünftiger Ehemann eingetroffen. Firian Böcklin von Buchsbart zu Schneehag war für einen Weidener Hinterwäldler sogar ganz ansehnlich und hätten sie sich aus anderen Gründen getroffen, wer weiß was passiert wäre. Sein Wesen kannte sie dagegen noch überhaupt nicht, denn außer auf ihrer kurzen Begegnung auf dem Ingerimmsturnier, hatten sie sich noch nicht wirklich unterhalten oder gar kennenlernen können. Mit ihm war nur ein relativ kleines Gefolge angereist, aber sie musste sich vielleicht auch noch daran gewöhnen, dass alles nun etwas kleiner ausfallen würde als sie es gewohnt war. Ein Baronshof am Rande des Finsterkamms in Weiden konnte natürlich nicht mit dem Grafenhof in Eslamsgrund mithalten.

Zwei Tage später fand die Hochzeit auf Burg Dornensee statt. Für das Haus Mersingen war es eine eher kleine Feier, schon fast im intimen Rahmen. Außer den Gästen aus Weiden und den Adeligen aus Königlich Dornensee war fast niemand gekommen. Woran es genau lag, wusste Adaque nicht, vielleicht waren die Oberen des Hauses Mersingen auch nicht damit einverstanden das Albur wieder einmal seinen eigenen Weg gegangen war. Doch all dies war Adaque ziemlich egal, als ihr Vater sie zum Altar führte, innerlich fühlte sie sich wie ein Lamm das zur Schlachtbank geführt wurde. Während der ganzen nun folgenden Zeremonie behandelte sie Firian mit Respekt und Achtung und er verhielt sich ebenso. Doch das hier die große Liebe zwei Menschen miteinander verband konnte man wahrlich nicht sagen. Am zufriedensten sahen, auch bei der anschließenden Feier, noch Adaques Vater und Firians Mutter aus, die ja gemeinsam diese Verbindung geplant und beschlossen hatten. Ihre Hoffnung, nach der Hochzeit wenigstens noch etwas Zeit in der Heimat verbringen zu können, zerschlug sich auch sehr schnell. Schon zwei Tage später brach sie, nun mit ihrer neuen Familie, nach Weiden auf. Wenigstens würde sie auf der langen Reise Zeit finden, ihren Ehemann auch als Mensch ein wenig kennen zu lernen. Begleitet wurde sie dabei von ihrer neuen Knappin, Hannafrid von Schartenstein, eine Tochter von Wilmunde von Schartenstein. Noch bei der Hochzeitsfeier hatte die junge Hannafrid sie als Pagin bewirtet. Irgendwie im Laufe des Abends war es wohl zwischen Firian und ihrem Vater zu einem Gespräch gekommen, was die Pflichten eines jeden Adeligen in der Zukunft wäre und Firians Meinung gehörte da wohl besonders die Ausbildung neuer Ritter dazu. Er habe gleich zwei Knappen, da man ja nie wüsste, ob man den nächsten Kampf überlebe und man ja erst mit dem zweiten Knappen den Grundstein lege, die Reihen der Ritter wieder aufzufüllen. Jedenfalls hatte Albur von Mersingen dem zugestimmt und dann kurzer Hand bestimmt das die junge Hannafrid die bei ihm in der Pagenzeit war und deren Familie sich Hoffnungen gemacht hatte, dass sie auch bei ihm in die Knappenschaft ginge von nun an Adaques Knappin sei.