Endlich kehrt Ruhe ein

Endlich kehrt Ruhe ein

 

Burg Urkenfurt, Baronie Urkentrutz, 17. Praios 1044

Lyssandra atmete tief durch. Das Klappern der Hufe auf der Zugbrücke zeugte davon, dass der letzte Gast der Feierlichkeiten zum Lehnseid ihrer Aftervasallen die Burg verlassen hatte. Endlich kehre Ruhe ein. Überrascht wie erleichtert sie darüber war, alle Festivitäten hinter sich gebracht zu haben, bestieg die Finsterbornerin die Stiege zum Wehrgang, der am der Innenseite der Burgmauer entlangführte. 

Nachdenklich schritt sie die Wehrmauer entlang, nutzte die Zinnenfenster um über das Land zu Füßen der Burg zu blicken. Seufzend ließ die Baronin den Blick schweifen. Urkentrutz war wunderschön. Ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit breitete sich in ihr aus. Sie hatte die Ehre von nun an die Geschicke dieses fruchtbaren Landstriches in Weiden zu lenken. Was für ein berauschendes Glücksgefühl sich einstellte, wenn sie auf das Dorf, den Fluss und die sich in bläulichen Farbtönen im Hintergrund abzeichnenden Hügel, die Felder, Wiesen und Wälder sah. Gerade jetzt im Hochsommer, wo das kräftige Grün der Wälder sich kontrastreich von den Obstwiesen, den Weiden und den Gemüse- und Getreidefeldern abhob. Vor allem der Süden der Baronie war fruchtbar. Zwischen den Bachläufen des Bingen-, Eber- und Auenbaches breiteten sich saftige, feuchte Weiden für die Nutztiere, Wälder für den Holzeinschlag, das Mästen der Schweine, sowie die Jagd auf Hoch- und Niederwild und in sonnigen Lagen Obstwiesen aus.

Lyssandra suchte mit ihren Augen den Horizont. Im Osten gingen die zur Baronie gehörenden Wälder zumeist nahtlos in die Waldgebiete der Nachbarbaronien über. Der Eibenhain und der Bärnwald grenzte an Gräflich Pallingen, wo sie vor nicht einmal zwei Wochen ihren Baronsreif erhalten hatte. Der Bärnwald erstreckte sich weit bis in die Pfalzgrafschaft Bibergau hinein aus, bedeckte diese fast gänzlich. Sie hatte das kleine Ecktürmchen erreicht, das im Südwesten über der Abbruchkante des Hochufers des Fialgralwas thronte. Von hier aus hatte sie den freien Blick über das Flusstal, das Dorf und die Landschaft im Süden und im Westen. Der Süden war gekennzeichnet zu einzelnen Waldgebieten wie dem Oberwaldiger Forst. Die südliche Baroniegrenze bildete die seltsame Gesteinsformation des Bruchscharfeldes. Im Südwesten konnte die Baronin die Bingenbacher Lohe und den Auwald der Schwarzen Au ausnehmen. Liebevoll betrachtete sie die alte Heimat, in der das Stammgut der Finsterborner lag. Dahinter, in der Ferne mochte wohl die westliche Baroniegrenze liegen, die Urkentrutz mit Herzoglich Waldleuen verband. Sie verließ den Turm wieder, ging weiter zu dem Mauereck in dem sich der Palas befand. Der Blick wanderte über den Finsterbach, der hier dem Blautann zustrebte. Von der Ferne war der Natternhag nicht vom großen Blautann zu unterscheiden, doch wusste Lyssandra nur zu gut, dass der kleine Mischwald, bei dem das Gut ihrer Freundin Gormla vom Blautann lag, vor dem großen und nahezu undurchdringlichen Tann lag, der sich über die Baronien Urkentrutz, Waldleuen und Schneehag erstreckte.

Auch jenseits des Pallas sicherte ein Wehrgang die Burg. Als Lyssandra dort an ein Zinnenfenster trat, blickte sie auf die Hochebene, die sich nordöstlich der Burg erstreckte. Das sanft hügelige Heideland bot weniger fruchtbare Böden. Hier weideten vereinzelt Schafe und Ziegenherden. In der Nähe der Weiler Kardenbrache, Hollergrund und Queckingen nutzte man die Gegebenheiten um Lein anzubauen. Weit in der Ferne, ganz im Nordosten der Baronie bildete der Alte Weg die Grenze zu den Baronien Hollerheide und Moosgrund. Dorthin wendete Lyssandra den Blick als sie den Torturm erreichte. Waldreich war die gemeinsame Grenze mit der Baronie Moosgrund, während die Landschaft nördlich des Wegs nach Wiesenrath in Pallingen, wo ihr Freund Gilborn von Pandlaril-Wellenwiese lebte, wieder trockener war. Trockenes Heideland ging in der Nähe der Baroniegrenze nach Pallingen, südlich des Weges in den Auenwald über, dem der Auenbach seinen Namen gab.

Bevor sie den Torturm betrat warf sie noch einen Blick über die bizarren Felsformationen der Langen Klamm, die sich im Südosten an den Urkenfurter Tann anschloss. Ein schmaler Weg führte in die Klamm. Es war gefährlich ihn zu begehen, denn Steinschläge und Felsstürze konnten den Wanderer dort ereilen. Sinnend blieb sie eine Weile in den Anblick der Langen Klamm versunken, hatte sie doch ihren Gemahl Wonnebolt Hundsöd das Leben gekostet. Und dort irgendwo in der Ferne, jenseits der Klamm und jenseits des Bärnwaldes, weit hinter der Quelle des Finsterbachs lag die gräfliche Burg Rotdorn, wo Griseldis residierte, die ihr dieses Lehen verliehen hatte. Tief seufzend nahm Lyssandra die Mischung aus Melancholie und Stolz wahr. Sie spürte die Belastung der Verantwortung, fühlte sich ein wenig einsam, angesichts des Verlustes ihres geliebten Wonnebolts, den sie gerne in diesem Moment an ihrer Seite gehabt hätte. Und doch war sie stolz darauf, für ihre Familie die Ehre errungen zu haben, dieser schönen Baronie vorsitzen zu dürfen.

Im Türrahmen des Torturms stand Merthold, der jüngste der Waffenknechte, und lächelte die neue Burgherrin an. Lyssandra ging grüßend an dem jungen Mann vorbei. Unten im Hof traf sie auf ihren Bruder und die beiden Uhlredders. Sie planten eine gemeinsame Waffenübung in den Abendstunden, wenn die Hitze des Praios abebbte. Die Baronin trat zu ihnen und hörte zu. Schließlich war es Danje Uhlredder, die ihre Neugier nicht mehr bezähmen konnte.
„Sag´ mal, Lyssandra, was hast du denn von den anderen geschenkt bekommen?“

Die Finsterbornerin lächelte. „Ja, da sind interessante Sachen dabei? Möchtet ihr sie sehen?“

Das interessierte Nicken des Bruders und der Freunde gab das Startsignal. Lyssandra winkte die drei mit sich. „Das erste Geschenk, oder besser gesagt sind es zwei, sind hier drüben untergebracht.“
Sie deutete auf das Stallgebäude. Dort war gerade großes Misten. Die Boxen mussten nach den vielen Gastpferden gesäubert werden. Ein eindeutiger Laut kündigte das erste Geschenk an. Das laute „Mäh“ entstammte der Kehle eines Schafbocks. „Ein Pärchen Albenauer Schwarznasenschafe“ erklärte Lyssandra. Die possierlichen, eher kleinwüchsigen Schafe mit dem kuscheligen, weißen Fell und dem auffälligen, schwarzen Maul guckten interessiert, wer sie da besuchte.

Horatio sah seine Schwester konsterniert an. „Du hast Schafe geschenkt bekommen?“

Lyssandra nickte. „Aber nicht irgendwelche Schafe!“ Sie lachte. Eine dieser seltenen Rassen, die bei Gormla ein Refugium gefunden haben.“

Oberon sah grinsend zu Danje rüber. Die beiden mochten das Pärchen machten sich aber auch beständig lustig über die Marotte der beiden mit den vielen Tieren. Nicht bösartig, aber mehr so als Zeitvertreib frotzelten die beiden gerne mal in diese Richtung.

„Wir haben auch schon einen guten Platz für sie gefunden. Morgen wird Wigdis sie zu ihrem Großvater mitnehmen. Er bewirtschaftet eine Hofstelle, die zum Baronsgrund gehört. Der Mann hat viel Erfahrung mit Schafen. Zwar nicht mit dieser Rasse, aber das wird er schon schaffen, denke ich.“

Lyssandra streichelte dem Schafbock über die schwarze Nase. Der kleine Bock leckte ihr über den Arm und die Baronin kicherte.
„Kommt weiter, ich zeige Euch, was ich von Ritter Luthias von Spießling bekommen habe.“

Sie gingen weiter in Richtung des Palas. Unten, gleich neben der Eingangstür, war die Burgküche mit einem großen, offenen Kamin. Dort stand ein geschmiedeter, eiserner Rahmen mit diversen Haken an den Kreuzungspunkten an die Wand gelehnt. Oben hatte der Rahmen Ösen und eine Kette, die deutlich machte, dass man das Gestell aufhängen konnte. Horatio erkannte es sofort.
„Ein Räuchergestell für Fische! Das kann man zum Räuchern benutzen!“ Er erklärte Oberon und Danje, die nicht gleich reagierten, dass man den Rahmen in den Kamin hängen konnte und die Fische vom Feuer darunter geräuchert würden. „Sehr praktisch. Wir haben sowas auch auf Dragentodt. Am Neunaugensee macht das ja auch Sinn. Ich glaube Vater hatte auch ein solches Räuchergestell, nicht wahr?“

Die Baronin nickte. Ja, er hat ja auch gerne am Bingenbach geangelt.“

Danje machte ein Geräusch als ob sie gerade etwas wohlschmeckendes Essen würde.

„Eines der wenigen Dinge, die ich aus meinem Leben im Bornland vermisse. Als Kind hab´ ich da immer aus einem naheliegenden See so kleine Barsche geangelt“, sie spreizte Daumen und Zeigefinger ihrer rechten Hand auseinander, „die waren zwar meistens nur so groß aber sehr, sehr lecker, wenn man sie über dem offenen Feuer briet“.

Oberon sah zu Lyssandra

„Hat es denn im Fluss hier bei der Burg anständig Fisch? Ich mag Fisch, egal ob gebraten, am Brett am Feuer geröstet oder geräuchert, auch sehr gerne. Ist das Fischereiregal vergeben oder lohnt das gar nicht weil es nicht genug Fisch hat?“

„Hier hat es tatsächlich erstaunlich viele Fische. Was das Fischereiregal angeht, so teilen es sich im Bereich von Urkenfurt zwei ortsansässige Fischerfamilien. Und wie du sicher weißt sind die meisten Bäche, die dem Finsterbach zufließen fischreich. Die meisten belehnten Gutsbesitzer haben sich Fischteiche angelegt, in denen sie Fische für den Eigenbedarf züchten. Es ist an ihnen, ob sie die Fischerei an den Bächen mit einem Regal vergeben oder nicht. Die Baronin, äh also ich… erhalte von jedem Gut, dass bis an einen der Bäche heranreicht eine Pacht. Du müsstest das für die Schwarze Au in den Unterlagen finden. Stegelsche hat ja leider keinen Zugang zu einem der großen Bäche.“

Oberon und Danje nickten. Sie waren noch dabei sich einzuleben und einzuarbeiten und hatten diesen Teil noch nicht gewusst.

„Dann sollten wir das Gestell ja bald einweihen können…das wird ein Schmaus!“ Sie stiegen die Treppe zum Thronsaal hinauf. Die Tafel war bereits abgeräumt. Am vorderen Ende hatte man die weiteren Geschenke abgelegt.
„Seht ihr? Die schönen gewebten Borten stammen von Eberfried von Wachtelfingen und seinen Kindern. Die beiden Stoffballen von Carissima von Binsböckel.“

Danje ließ die fein gewebten, bunten Borten durch die Finger gleiten. Es waren fünf Rollen mit Borten. Zwei davon waren in den Farben von Urkentrutz (weiß und blau) und in den Farben der Finsterborns (weiß und schwarz) gearbeitet. Die anderen drei waren sehr bunt und zeigten ansprechende Muster.

Einer der Stoffe, der zu einem Ballen gerollt war, schien aus feinem Leinen zu sein, in einem einfachen, hellen Blau. Der Zweite war etwas grober, aber weich, so dass man eine Hanffaser vermuten konnte, die in einem interessanten Karomuster in Pastelltönen gewebt war. 

Daneben standen mehrere Krüge und mit Deckeln verschlossene Tontöpfe. Lyssandra erklärte den Inhalt.
„Diese dort enthalten „Queckinger Rachenputzer“, Wachholderschnaps aus Queckingen.“ Sie deutete auf die Tonkrüge. Die mit Holzdeckeln und Wachs verschlossenen Töpfe enthielten Honig, wie sie weiter erläuterte. „Nahezu aus allen Gebieten von Urkentrutz: aus der Heide bei Queckingen, Hollergrund und Kardenbrache, Waldhonig aus Natternhag, Farnbrunn und Jammerried und Obstblütenhonig aus Urken.“

Dann kamen sie zum Geschenk des Ritters von Stegelsche, dem ältesten Sohn von Oberon und Danje. Ontho von Uhlredder führte, ganz nach Familientradition, die kleine Zucht von Eulenvögeln. Falken oder gar Adler konnte man auf Stegelsche nicht bekommen, aber immer wieder mal verkauften die Uhlredders einen Eulenvogel. Das war auch der Grund für den sie, neben dem Schirmen der südlichen Baroniegrenze, vor langer Zeit auch geadelt wurden. Die Familie hielt sich damit über Wasser, ihre Ländereien waren schließlich nicht sonderlich groß. Ontho hatte Lyssandra jedenfalls einen jungen, aber ausgebildeten, Uhu geschenkt. Dieser saß auf einer Sitzstange mit schön verziertem Fuß aus Holz den Oberon gemacht hatte. Ein punzierter, lederner Falknerhandschuh von Danje rundete das Geschenk ab.

„Über euer Geschenk freue ich mich besonders! Eigentlich muss ich wohl sagen, Eylin freut sich noch mehr. Sie wollte schon lange, dass ich mir einen Vogelhorst zulege. Es ist wirklich schön, dass ich nun damit beginnen kann, mich darin zu Üben mit diesem prachtvollen Uhu zu jagen. Ich werde allerdings einen Falkner brauchen, der sich um Eusebius kümmert und mit mir übt. Ich hatte gestern gar keine Gelegenheit mehr Ontho danach zu fragen. Könnt ihr mir dabei helfen?“

Sie sah ihre Freunde hilfesuchend an. Danje zuckte entschuldigend mit den Schultern.
„Ich komme gerade so selbst mit Ihnen klar und gehe viel lieber mit Wurfspeer oder Bogen auf die Jagd.“

Oberon machte aber sogleich eine beruhigende Geste.

„Ich bin nicht so gut wie Ontho, der nach seinem Großvater Otus kommt und selbst manchmal scheinbar eine halbe Eule ist. Aber ich kann dir sicherlich so viel zeigen, dass wir zurechtkommen. Vielleicht könnte man einen geeigneten jungen Mann oder Maid nach Stegelsche schicken…zur Ausbildung für eine langfristige Betreuung deines Horstes auf der Burg?“

„Das ist eine hervorragende Idee!“, freute sich Lyssandra. „Ich werde gleich mal bei meinen Eigenhörigen und Freibauern fragen lassen, ob sich dort ein solcher Vogelliebhaber findet. Hat Ontho eigentlich einen Knappen oder einen Pagen? Mir fällt ein, dass ich ihn dazu anhalten will, sich eine junge Adelige oder einen männlichen Spross eines Adelshauses an die Hof zu holen. Wir sollten dringend mehr Ritter und waffenfähiges Volk ausbilden!“
Sie hob mahnend den Zeigefinger. „Der Schwarzpelz rüstet auf. Wir müssen gegenhalten!“

Danje und Oberon sahen sich etwas betreten an. Schließlich gab Oberon sich einen Ruck. Auch wenn Lyssandra nun als Baronin weit über ihm stand waren sie doch sehr alte Freunde, fast wie Bruder und Schwester.

„Nein, im Moment hat er weder Knappen noch Pagin. Ich fürchte Danje und ich waren etwas zu fleißig und Stegelsche zu schön. Neben Ontho und seiner Familie sind im Moment auch unser Zweit- und Drittgeborener Oswin und Orwil da. Oswin ist nur ein Jahr als Fahrender rumgezogen und hat es wohl gehasst. Orwil hat vor wenigen Wochen den Ritterschlag bekommen und ist seit kurzem auch wieder zu Hause. Sowie ich Ontho verstanden habe will er wohl gar nicht als Fahrender durch die Lande ziehen. Freilich suchen die beiden nach Beschäftigung und Aufgabe, aber im Moment sind sie auf dem Gut. Mein Vater Oldebor, schon über 70 Winter, ist auch noch da. Es sind viele Mäuler…zu viele auf Dauer. Zum Glück ist unsere jüngste Olja noch 4 Winter Knappin. Meine Schwester Ondinai hat auch bei Ontho schon angefragt ob er Schwertvater für eines ihrer Kinder sein würde. Er möchte natürlich aber vorher muss ein Platz für Oswin, Orwil und Olja gefunden werden oder mindestens 1-2 von Ihnen. Natürlich könnte Ontho sie vom Hof schicken, aber sie sind seine Geschwister, und in unserer Familie ist sowas eigentlich nicht üblich.“

Nachdenklich nickte die Baronin. „Ich verstehe, dass sie so an der Scholle hängen. Stegelsche ist schön, aber meinst du nicht, es täte ihnen auch gut, sich woanders in Weiden umzutun? Es muss ja nicht Aranien oder der eisige Norden sein, aber wie wollen deine „Jungs“ denn eine passende Frau finden? Oder wollt ihr die für sie finden? Ich habe schon vor, mich beizeiten nach einer passenden Partie für Minerva umzusehen. Vielleicht hätte ich ja auch noch Bedarf für einen von deinen Enkeln. Ich meine, wir brauchen ja auch hier auf der Burg tapfere, angehende Ritter… Ihr beide habt ja momentan auch Bedarf an Knappen und Pagen, oder nicht?“

Oberon hob abwehrend die Hände.

„Oh an mir liegt es da nicht. Oder besser gesagt ich bin der gleichen Meinung wie du. Aber Oswin und Orwil sind beides Ritter und frei in ihren Entscheidungen. Ihr Bruder und unser Ältester Ontho entscheidet frei ob er sie weiterhin freihält oder vom Gut verweist. Was die Frauen angeht… nun Ontho war da sehr zügig aber die beiden sind irgendwie… Spätentwickler.“

Oberon wurde plötzlich bewusst was er glaubte, das Lyssandra im zweiten Teil angedeutet hatte. Er sah zu Danje und wollte sich versichern ob er richtig verstanden hatte. Da diese aber noch nicht weiter war in dem Versuch das Gedankenlesen zu erlernen, bekam er keine Antwort. Er musste sich also wieder an Lyssandra wenden.

„Öhm, hast du gerade angedeutet, dass du einen meiner Jungs mit Minerva verheiraten würdest? Es wäre natürlich eine sehr große Ehre, die wir ohne zu zögern annehmen würden. Doch sind wir als einfache Ritter nun nicht etwas unter Stand für die Tochter einer Baronin? Was das mit der Notwendigkeit von Rittern hier auf der Burg angeht, volle Zustimmung, und ja, wir beide könnten auch beides brauchen. Wir haben uns bisher noch zurückgehalten um eventuell deine kommenden Pagen und Knappen zu betreuen. Als Baronin hast du ja auch noch viele andere Pflichten und so lästige Dinge wie tägliche Waffenübungen und Grundlagen können wir ja übernehmen.“

Dieses Mal war es Lyssandra, die abwehrend die Hände hob. „Nein, nein, ich hoffe ihr nehmt es mir nicht übel, aber ich hatte nicht an eure Söhne gedacht. Tatsächlich hoffe ich doch mit Minerva ein wenig Politik machen zu können. Eine Verbindung mit einem der namhaften Häuser Weidens oder einer anderen Region würde mir vorschweben. Ich bin ja die erste der Finsterborns, die den Baronsthron erringt und Minerva ist meine Erbin. Eine gute Verbindung würde unseren Stand in Weiden womöglich festigen. Man muss ja an die Zukunft denken. Sollte sie mich allerdings vor einer solchen geplanten Liaison mit einer eigenen Wahl überraschen hoffe ich, dass diese wenigstens standesgemäß ist. Nicht wie bei ihrer Tante.“ Die Baronin rollte die Augen bei der Anmerkung zu Ysilda.

„Was die Knappen und Pagen angeht, so möchte ich einfach vorsorgen, dass diejenigen, die unsere schöne Baronie gegen Feinde beschützen sollen, eine bestmögliche Ausbildung bekommen. Und wer könnte das besser als ihr beide? Du, Oberon, hast mit Minerva ja bereits deinen Teil erfüllt. Nicht ohne Grund wählte ich dich als Schwertvater. Aber für Danje sollten wir auf die Suche gehen. Ich hoffe schon, dass ich auf dem Baronsrat, der in Kürze abgehalten werden soll, die Fühler ausstrecken kann.“

Oberon schien fast erleichtert. Lyssandra hatte ja schon mit der ein oder anderen Entscheidung in ihrem bisherigen Leben gezeigt, dass sie nicht immer in erster Linie daran dachte was die anderen Häuser Weidens dazu sagen würden.

„Das ist eine sehr gute Entscheidung. Du hast den Thron für die von Finsterborns erobert. Minerva wird ihn sichern müssen. Da ist eine gute Verbindung, bestenfalls ein Bündnis, gut und wichtig.“

Danja nickte Lyssandra zu. „Wenn du vom Rat zurückkommst und sich nichts ergeben hat werde ich mich selbst auf die Suche begeben!“

Die Baronin nickte. „Wir werden es sehen und müssen ja auch nichts übers Knie brechen, aber wir sollten auf jeden Fall Ausschau halten nach passendem Nachwuchs.“