Auf in den Kosch - Der Hinterhalt

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Der „Hinterhalt“
Westlich von Tiefenfurt, Baronie Uhdenwald, Mitte Praios 1041 BF

„Ist das wirklich dein Ernst?“, ihre Stimme war von einer Mischung aus Spott und Belustigung durchzogen. Als Bärfried vom Feuer aufsah, blickte er direkt in die tiefblauen Augen seines Eheweibs. Er brummte bejahend. „Pffft ... und ich habe mich breitschlagen lassen, dich zu begleiten“, kam es zurück und erstmals schwang in ihrer Stimme ein leichter Anflug von Zorn mit. Bärfried jedoch hatte seine Aufmerksamkeit wieder gänzlich dem Feuer vor sich zugewandt.

„Die Hasen bitte ...“, sprach er und streckte seine Rechte in Richtung Brandas, ohne sie jedoch eines Blickes zu würdigen. Verächtlich schnaubend kam sie seiner Aufforderung nach, warf die Hasen neben ihm in den Staub und ließ sich nieder.

„Im Ernst jetzt“, kam es nach einigen Momenten der Stille. Dieses Mal versuchte es die Trenckerin mit liebevollem Gesäusel: „Wie legst du es an? Du wirst doch nicht hier im Wald ausharren wollen, bis Widderich aufkreuzt?“ Sie wusste, dass ihr Gemahl ein Fuchs war, der über die Jahre am Sieben-Baronien-Weg dafür bekannt geworden war, sich fahrenden Händlern äußerst wortgewandt aufzudrängen und ihnen für seine Gesellschaft dann auch noch nicht gerade wenige Münzen abzunehmen. Es interessierte sie, ihn einmal „in Aktion“ zu sehen.

Bärfried lächelte. „Was denn sonst?“, fragte er sie knapp, während er mit einem als Schürhaken verwendeten Ast im Feuer herumstocherte. „Ich kann ihn ja nur sehr schwer herbeizaubern.“

„Ach, was du nicht sagst ...“, Branda rollte mit den Augen. Sie ließ ihren Blick über das kleine, aber feine Lager unweit des Sieben-Baronien-Wegs westlich von Tiefenfurt, dem Hauptort der Baronie Uhdenwald, schweifen. Eigentlich ließ es sich hier ganz gut aushalten. Sie mochte es, allein durch den Wald zu streifen, um für sie drei etwas zu essen zu erjagen. Auch liebte sie die Ruhe – es war genau das Richtige, bevor es in die großen Städte ging, die sie nur leidlich aushielt.

„Reg dich nicht auf, Liebste“, Bärfried zog sie näher an sich heran, küsste ihr Haupt und streichelte ihr beruhigend den Rücken. „Meinen Informationen nach sollte der Rauheneck innerhalb der nächsten zwei Tage hier aufkreuzen.“

„Herr ... Herr ...“, gerade als der Junker damit beginnen wollte, die Hasen zu häuten, kam Widolf mit hochrotem Kopf angelaufen. „Herr ... der ... Baron ... er ist ... da ... halbes Stundenglas ...“, japste dieser aufgeregt.

Der Sunderhardter jedoch ließ sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Gewissenhaft schnitt er das Fell vom Fleisch. „Gut“, hob er nach ein paar Herzschlägen lächelnd und ohne von seiner Arbeit aufzusehen zu sprechen an, „dann fang schon mal an, das Lager abzubauen. Wir werden den Rauheneck vorüberziehen lassen und uns dann an ihn dran hängen. Ich denke, dass unsere kleinere Gruppe schneller sein wird und es somit nachvollziehbarer wäre, wenn wir uns ihnen von hinten nähern. Aber erst essen wir.“

Es war noch kein halbes Stundenglas vergangen, als sich erwies, dass Bärfrieds Plan nur schwer durchzuhalten sein würde. In ihrem Lager hatten sie nicht viel vom Nahen der Rauhenecks mitbekommen – bis auf Gekläff vom Sieben-Baronien-Weg her, das einmal kurz aufbrandete. Danach drehten die Hasen weiter ihre Runden über dem Feuer, während Widolf die Zeltplanen gewissenhaft faltete. Alles lief, wie es sollte, bis Branda Bärfried mit einem leisen Zischen von seinem eigentlichen Geschäft ablenkte.

„Ich glaube, da kommt jemand“, sagte sie.

Danach blieb ihnen nicht mehr viel Zeit, bis ein riesiger Kerl mit Glatze und Bart durch das Dickicht brach – mehr oder minder direkt in ihr Lager hinein. Er hielt jedoch Abstand, sodass seine unfreiwilligen Gastgeber nicht sofort alarmiert zu den Waffen griffen, und hob sogar die Hände, um ihnen seine friedlichen Absichten zu bedeuten.

„Ho!“, rief der Fremde und schaffte das Kunststück, Bärfried zuzunicken, während sein Blick auf Widolfs Wappenschild ruhte, der in der Nähe der Pferde an einem Baumstamm lehnte. „Die Götter zum Gruße, Reisende, und verzeiht den Überfall.“

Er sah nun direkt zum Sunderhardter hinüber, den er offenbar für den Anführer der Gruppe hielt: „Ich komm von unten, Sieben-Baronien-Weg, und dacht mir, ich schau mal, wer hier lagert, bevor ich weiterreise. Ist eine wilde Gegend und ich würd bei Weitem nicht jeden in meinem Rücken haben wollen. Wenn Ihr versteht, was ich meine. Aber nun, da ich sehe, dass es sich um Adelsvolk handelt: Vielleicht können wir uns austauschen, zu unserem beiderseitigen Besten?! Von wo kommt Ihr? Efferd oder Rahja?“  

Bärfried erhob sich gewandt von seinem Lagerplatz. Breit lächelnd. Ob der angenehmeren Temperaturen im Wald, trug er unter seiner ledernen Weste ein leichtes Hemd aus Leinen. Den Göttern sei es gedankt, denn er wäre nur sehr ungern halbnackt überrascht worden.

„Die Götter zum Gruße, hoher Herr. Mein Name ist Bärfried von Sunderhardt, Junker im Hahnfelsischen.“ Er neigte grüßend sein Haupt. „Ich darf Euch meine reizende Gemahlin Branda vorstellen, genauso wie meinen Knappen Widolf von Trenck.“

Bärfried wusste natürlich ganz genau, wen er da vor sich hatte – vielleicht nicht bei seinem Namen, aber er wusste, zu wem der Hüne gehörte. Auch wusste er, dass es nicht nötig war, seine Begleiter vorzustellen, dennoch tat er es. Es war eine seiner Stärken zu improvisieren und vor allem zu spielen.

„Wir sind von Rahja kommend unterwegs zum Fürstenturnier nach Angbar.“ Er wies beiläufig auf die Feuerstelle und die beiden Hasen, die darüber hingen. „Gerade wollten wir essen und dann unseren Weg fortsetzen. Ihr habt nicht zufällig Hunger? Setzt Euch zu uns, stellt Euch vor und esst mit uns. Es ist genug für alle da ...“

Ein Seitenblick auf sein Eheweib zeigte ihm, dass diese den Ankömmling breit angrinste. „Ich denke wir kennen uns, Bärfried“, bemerkte sie. Dann erhob sie sich und begrüßte den Hünen herzlich. „Es ist Bärfang von Rauheneck, der Bruder des Rotenforster Barons. Was tust du denn hier?“, setzte sie das von ihrem Gemahl begonnene Spiel fort.

Als Branda ihm den Schwertarm zum Gruß hin streckte, hielt der Rauheneck einen Moment inne und starrte sie konsterniert an. Da war kein Erkennen in seinem Blick. Ihm schien aber zu schwanen, dass das nicht in Ordnung ging und schließlich packte er wenigstens zu, um den Unterarm der Sunderhardterin zu drücken. Dabei glitt sein Blick erst zu Bärfried und dann zu Widolf und er runzelte die Stirn.

„Den kleinen Mann da kenne ich“, meinte er und fasste Branda wieder ins Auge. „Aber dich?!“

„Ich hieß mal Branda von Trenck“, half sie ihm lächelnd auf die Sprünge. „Nordolfs Base aus Salthel?! Es ist schon lange her.“

„Branda“, wiederholte der Rauheneck, während er ihren Arm losließ und seinen dafür in Bärfrieds Richtung streckte. „Und ein Hahnfelser Junker?“

In seinem Kopf ratterte es offenbar, es gelang ihm jedoch auf die Schnelle nicht, sich ein stimmiges Bild zusammenzusetzen. Vielleicht auch um der doch leicht peinlichen Situation irgendwie Herr zu werden, richtete er sein Augenmerk auf die Hasen und nickte Bärfried zu:

„Habt Dank für die Einladung, Hoher Herr. Aber ich bin nicht allein. Wir sind ebenfalls zu dritt und da reichen zwei Hasen dann vielleicht doch nicht mehr ganz aus. Abgesehen davon haben wir vor Kurzem erst gefrühstückt.“

Dann sah er wieder auf, sah zu den Pferden hinüber und zu Widolf, der das Zelt gerade verstaute:

„Nach Angbar, eh? Das ist interessante Kunde. Just da hin wollen wir nämlich auch. Vielleicht sollten wir ... .“ Er zögerte einen Moment. Dann hob er die Schultern und wog den Kopf. „Wartet einen Augenblick. Ich muss mit meinen Begleitern reden.“ Sprach’s und war dann auch schon wieder im Unterholz verschwunden.

Branda sah ihm noch einen Moment kopfschüttelnd hinterher. Dann wandte sie sich Bärfried zu und hob fragend die Brauen:

„Was jetzt?“

„Jetzt? Jetzt essen wir“, der Angesprochene setzte sich schmunzelnd wieder ans Feuer. Die vorangegangene Begegnung vermochte ihn sichtlich zu erheitern, auch wenn es nicht so gelaufen war wie erwartet.

„Wie essen? Jetzt?“, kam es ungläubig zurück.

„Ja, wann denn sonst? Hast ihn ja gehört. Er bespricht sich mit seinen Mitreisenden.“ Bärfried zwinkerte ihr zu. „Konnte doch besser nicht laufen ...“, bemerkte er, „... sieht ganz danach aus, als käme er selbst auf den Gedanken, dass wir gemeinsam reisen sollten.“

„Hum...ich hoffe.“

„Aber klar doch. Und jetzt setz dich und iss.“ Er wandte sich um in die Richtung seines Knappen. „Auch du, Widolf!“

Einige Herzschläge später saß die kleine Gruppe wieder am Feuer, während Bärfried dabei war, die Hasen zu zerteilen. Er nickte zufrieden.

„Scheint ja so, als hättest du bei diesem Bärfang massig Eindruck hinterlassen.“ Natürlich hatte der Sunderhardter sofort bemerkt, dass der Rauheneck nicht der hellste Stern am Firmament war, dennoch konnte er sich diese Spitze nicht verkneifen.

„Ha-ha-ha!“, Branda schürzte theatralisch ihre Lippen. „Es ist eben schon etwas her, dass wir uns gesehen haben. Bestimmt schon zehn Winter.“ Sie dämpfte ihre Stimme. „Lass dich von seinem wilden Äußeren nicht täuschen – ich habe ihn ganz nett in Erinnerung.“

„Ganz nett, soso...“, schmatzte Bärfried. „Nur wer ist die dritte Person?“

„Dritte Person?“

„Naja ...“, der Junker warf einen eben abgenagten Knochen beiseite und schleckte sich die fettigen Finger ab, „... Bärfang meinte, sie wären zu dritt. Er, Widderich und ... wäre interessant zu wissen, findest du nicht? Hat einer der beiden einen Knappen?“

„Bärfang sicher nicht, der ist ja nicht mal ein Ritter“, meinte Branda und hob ihre Schultern. „Wir werden es gleich erfahren.“

In der Tat ließ die Rückkehr des Rauheneck nicht lange auf sich warten. Wobei sein Nahen diesmal zunächst vom Hecheln zweier großer, schlanker Hunde angekündigt wurde, die die haarige Vorhut bildeten. Bärfang folgte ihnen auf dem Fuß und pfiff sie zurück, als einer von beiden sich zu nahe an die Speisenden heranwagte. Der Hüne selbst führte ein Pferd am langen Zügel mit sich – und nickte Bärfried lächelnd zu.

Hinter ihm folgte jemand, der offenbar erst einmal nicht vorhatte, aus dem Sattel zu steigen. Für den Sunderhardter galt in gesteigerter Form, was seine Herrin vor wenigen Tagen erst gesagt hatte: Bei ihm war es nicht einfach nur lange her, dass er Widderich von Rauheneck gesehen hatte, sondern er war dem Mann noch nie begegnet. Er kannte allerdings die eine oder andere Beschreibung und gelangte fast augenblicklich zu dem Schluss, den Baron von Rotenforst vor sich zu haben. Aufgrund der dunklen Haare und Augen sowie seiner ganzen Haltung ähnelte der seinem Bruder allerdings nicht im Geringsten.

Bärfried sah, dass der Blick des Rotenforsters zunächst aufmerksam über das Lager glitt, dass er nicht nur Widolfs Schild wahrnahm, sondern auch seinen, und darüber hinaus so ziemlich jede weitere Information in sich aufzusaugen schien wie ein Schwamm. Die Miene wirkte unbewegt, doch als er das Augenmerk schließlich auf die drei Personen am Lagerfeuer richtete, ließ er sich wenigstens zu einem knappen Nicken hinreißen.

„Götter zum Gruße und wohlschmecken!“, sagte er.

„Ich darf Euch meinen Bruder Widderich vorstellen“, ergänzte Bärfang, derweil er sich umwandte und einen Blick zurück warf. „Und seine Gemahlin Satijana, die gerade ... nun ja ... in seinem Windschatten steht.“

Das war dem Baron genug des Hinweises. Er veranlasste sein Ross, ein paar Schritte zur Seite zu machen und gab so den Blick auf die Dritte im Bunde frei: Eine Frau mit langen blonden Haaren und hellen Augen, deren Miene deutlich freundlicher und aufgeschlossener wirkte, als die ihres Gatten. Sie musterte Bärfried und seine Begleiter neugierig und warf dann ein gutgelauntes „Wohlschmecken!“ in die Runde.

Kaum dass das gesagt war, schickte sie sich an, aus dem Sattel zu steigen, was endlich auch den Baron dazu veranlasste, sich auf eine Ebene mit den Hahnfelsern zu begeben.

Bärfried und seine Begleiter erhoben sich bei der Ankunft ihrer Gäste von ihrem Lager. Dankend nickte der Junker Bärfang zu, dann wandte er sich an Widderich und seine Gemahlin. Der neue Baron von Rotenforst hatte nicht viel mit dem zu tun, was er erwartet hatte. Jedoch schien er, was Frauen anging, einen guten Geschmack zu haben.

„Euer Hochgeboren ... edle Dame ...“, der Sunderhardter beäugte die Neuankömmlinge interessiert. Vor allem auf der Baronsgemahlin lag sein Blick ein wenig länger als angebracht – was die sofort zu bemerken schien. Er schloss es daraus, dass ihr rechter Mundwinkel noch ein Stück weiter in die Höhe wanderte, und mit ihm die rechte Braue. Irgendwie haftete dem etwas Herausforderndes an, zugleich aber auch der reine Spaß an der Freude. In jedem Falle hatte der Hahnfelser die volle Aufmerksamkeit der Dame, als er weitersprach.

„Mein Name ist Bärfried von Sunderhardt. Seid willkommen in meinem bescheidenen Lager“, in einer übertrieben weitläufigen Handbewegung wies er auf die Lichtung um sie herum. „Ich darf Euch meine liebreizende Gemahlin Branda vorstellen, die Ihr vielleicht sogar kennen mögt?“  Ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr er fort. „Dieser junge Mann ist der Erbe Nordolfs, mein Knappe Widolf von Trenck.“ Er war sich dabei jedoch sicher, dass auch Widderich ihn erkannte.

Branda und Widolf traten hervor neigten grüßend ihre Köpfe.

„Euer Bruder hat mir erzählt, dass Ihr ebenfalls zum Turnier nach Angbar reist“, fuhr Bärfried fort. „Ein langer Weg, der sich zu sechst mit Sicherheit einfacher zurücklegen ließe als zu dritt. Meint Ihr nicht auch?“ Er lächelte.

„Mein Bruder ist bisweilen etwas zu geschwätzig“, meinte Widderich schlicht und trat auf den Sunderhardter zu, um ihm die Hand zum Schwertgruß zu reichen. Dabei suchte er seinen Blick und hielt ihn für einen Moment. Anschließend begrüßte er Branda und Widolf auf die gleiche Art. Bei Ersterer wirkte seine Miene nicht so leer wie Bärfangs kurz zuvor – er erkannte sie also offenbar. Zweiterem klopfte er mit einer fast schon vertraut wirkenden Geste auf die Schulter, ehe er sich Bärfried wieder zuwandte.

„Einfacher vielleicht nicht unbedingt, aber sicherer, Bärfried von Sunderhardt“, griff er das Gespräch auf. „Ich bin nicht abgeneigt. Die Frage ist nur: Was wird uns das am Ende kosten?“ Irgendetwas blitzte in den Augen des Rotenforsters, als er das sagte. Amüsement? Vorsichtiges Interesse? Schwer zu sagen.

In jedem Falle wuchs sich das Lächeln auf den Lippen seiner Gemahlin zu einem Schmunzeln aus und sie schüttelte tadelnd den Kopf. Satijana schien etwas sagen zu wollen, beherrschte sich aber und sah Bärfried stattdessen erwartungsvoll an.

Dessen Lippen verzogen sich zu einem schmalen Lächeln. Natürlich wusste er, auf was der Baron hinaus wollte – dachte er zumindest. Dass Widderich allem Anschein nach bereits von ihm gehört hatte, verwunderte den Sunderhardter nicht. Ja, seine Anwesenheit hatte für gewöhnlich ihren Preis. Selbstsicher reckte er sein Kinn.

„Es wird Euch nicht mehr kosten, als es mich kostet“, bemerkte er vielsagend, aber immer noch lächelnd. „Wie Ihr bereits treffend angemerkt habt, ist es zu sechst sicherer und die erhöhte Sicherheit meiner Liebsten und meines Knappen sollte der Bezahlung genug sein.“ Bärfried wandte sich zu seinem Anhang und schenkte Branda ein Lächeln.

„Noch dazu eilt Euch Euer Ruf voraus, Widderich von Rauheneck“, er suchte wieder den Blick des Barons. „Schon des Öfteren habe ich gehört, dass Ihr es versteht, das Schwert zu führen. Es wäre mir demnach nicht nur eine Freude, sondern auch eine Ehre, an Eurer Seite zu reisen.“

„Ist das so?“, Widderich hob die Brauen und wirkte für einen Moment ernsthaft irritiert. „Ich weiß nur von einem anderen Ruf. Und der ist so fragwürdig, dass ich eigentlich jedem Sichler Adelsmann davon abraten würde, in meiner Gesellschaft zu reisen“, meinte er dann. „Als Mirnhildes Gefolgsmann seid Ihr aber ohnehin bescholten, also kann ich mir das wohl sparen.“ Auch der Rotenforster lächelte nun. Ähnlich dünn wie Bärfried. „In gewisser Weise haben wir einander also verdient, eh? Wenn wir schon von Kosten und Nutzen reden.“

„Ach das ...“,  Bärfried machte eine wegwerfende Handbewegung, „... sehe ich etwa so aus, als gäbe ich etwas auf das Gewäsch alter Weiber?“ Der Junker wusste natürlich ganz genau, was sein Gast da ansprach, doch störte er sich an seinem Ruf nicht – nein, vielmehr fand er es interessant, ihn kennenzulernen, um selbst hinter die Fassade dieser Gerüchte blicken zu können. Der erste Auftritt des neuen Barons von Rotenforst überraschte ihn schon einmal; nach all den haarsträubenden Geschichten, die er die vergangenen Monde über Widderich von Rauheneck und seine Machtergreifung hören musste, war der Sunderhardter doch sehr verwundert, dass der Baron wenig mit dem Blut saufenden Monster gemein zu haben schien, das in den Erzählungen stets die Hauptrolle spielte. „Nein, ich mache mir für gewöhnlich selbst ein Bild von einem Menschen.“

„Trefflich“, entgegnete Widderich. „So halte ich es auch!“

In die kurze Stille nach diesen Worten hinein räusperte sich die Gemahlin des Rotenforsters und trat näher an das Feuer heran. Auch sie lächelte. Allerdings nicht so sparsam wie die Herren der Schöpfung, sondern breit und völlig unbeeindruckt.

„Wie schön“, stellte sie trocken fest. „Nachdem dann nun alle erforderlichen Höflichkeiten ausgetauscht sein dürften: Wie wäre es, wenn wir uns hinsetzen würden?“ Sie warf einen fragenden Blick in die Runde. „Die Hahnfelser waren mit dem Essen noch nicht fertig, und wir werden ja kaum neben ihnen stehen bleiben wollen wie Salzsäulen?! Das wäre der Höflichkeit dann vielleicht doch ein bisschen zu viel?!“

Ihr Blick huschte erst zwischen Bärfried und Widderich hin und her und schließlich zu Branda hinüber, der sie mit einer unauffälligen Geste bedeutete, es sich doch einfach schon mal bequem zu machen. Egal, was die hohen Herren zu dem Vorschlag sagen mochten.

Bärfrieds aufmerksamem Blick entging diese Geste jedoch nicht. Noch bevor es Branda tun konnte, hob er, begleitet von einem milden Lächeln, zu sprechen an: „Wohl gesprochen, edle Dame. Wo bleiben meine Manieren?“ Er wies auf das im Ausgehen begriffene Lagerfeuer. „Bitte nehmt Platz und erweist uns die Ehre.“

Als die Gruppe um das Lager zusammengekommen war, nutzte Branda die sich bietende Gelegenheit, dass ihr Gemahl wieder mit seinem Hasen beschäftigt war. „Darf ich Euch wirklich nichts anbieten?“, ihr Blick ging zwischen Satijana und Widderich hin und her. „Wir haben noch etwas zu essen und nicht weit von hier fand ich eine Quelle, wo ich unsere Schläuche füllen konnte. Der Weg ist lang und wenn Bedarf besteht, zeige ich Euch diesen Platz gerne.“

„Selbstverständlich. Frisches Wasser ist immer gut. Sehr gut“, erwiderte Bärfang, auch wenn Branda ihn in ihre Blicke gar nicht eingeschlossen hatte. „Ich wär dir dankbar, wenn du mir die Stelle zeigen würdest. Nach dem Essen.“

„Mache ich“, versprach die Sunderhardterin und fast schien es, als wolle sie damit enden, als sie noch einmal nachsetzte. „Welche Route nach Angbar hattet Ihr angedacht – bevor wir uns dazu entscheiden gemeinsam zu reisen, sollten wir dies vielleicht noch klären?“

„Baliho, Gareth, Wehrheim, Natzungen, Syrrenholt, Ferdok – und von dort über Rakulbruck nach Angbar“, meinte Widderich und hob abwehrend die Hand, als Widolf versuchte, ihm etwas von seinem Hasen zuzuschanzen.

„Vielleicht solltest du das noch ein bisschen genauer ausführen, mein Lieber? Wenn ich das richtig verstanden habe, liegt Ferdok ja nicht unbedingt auf dem Weg?“, meldete sich Satijana daraufhin zu Wort.

Das verleitete Widderich zu einem schiefen Lächeln, und seine Gemahlin war offenbar nicht ausreichend geduldig, um abzuwarten, bis er sich erbarmte.

„Das ist das eigentliche Ziel“, fuhr sie fort, ohne mit der Wimper zu zucken. „Ferdok. Eine Nichte meines Gemahls ist dort am Grafenhof in Knappenschaft. Kommendes Jahr ist es so weit, dass sie ihre Schwertleite erhalten soll und im Zuge dessen gibt es das eine oder andere zu klären. Graf Growin findet, dass man so was besser persönlich tun sollte. Also hat er uns eingeladen – und wir folgen dieser Einladung.“

„Und verbinden das mit der Turney in Angbar“, fügte Bärfang nahtlos an. „Die Kleine liegt uns damit schon ewig in den Ohren und jetzt ist sie langsam mal alt genug, dass sie ihren Willen bekommen soll. Ich bin gespannt, was sie da drüben im Kosch gelernt hat. Als Knappin eines ...
nun ja ... Zwergs.“

Nach einigen Herzschlägen der Stille stieß Bärfried einen anerkennenden Pfiff aus. „Knappin eines Zwergs?“, fragte er, doch hatte seine Stimme dabei nichts Belustigtes an sich. „Ich wusste gar nicht, dass Zwerge Knappen ausbilden. Ist dieser ... Zwerg ... Growin ... ein Ritter?“

„Er ist ein Graf ...“, noch bevor einer der Gäste auf die Frage ihres Gemahls antworten konnte, wiederholte Branda dieses nicht unwesentlich Detail, da es ihr so schien, als wäre es dem Sunderhardter entgangen. „Ob er ein Ritter ist, weiß ich jedoch nicht ...“

„Ein Graf gar?“, der Junker ließ die eben zu seinem Mund geführte Keule ungläubig sinken. „Seltsames Land, dieser Kosch.“ Er hob seine Schultern. „Ich kenne ja nur diesen fetten Zwerg oben in Adlerflug und der ist bestimmt kein Ritter.“

„Du würdest dich wundern, was es außerhalb der Sichelwacht alles zu entdecken gibt, Liebster“, Branda lächelte verschmitzt, dann wandte sie sich wieder ihren Gästen zu. „Grafenhof zu Ferdok, wie ist Euch denn das gelungen?“

„Das war ... nun ja ...“, hob Bärfang an und warf einen fragenden Blick zu seinem Bruder hinüber. Es schien, als wolle er sich versichern, wem nun die Ehre gebühren sollte, diese Geschichte zu erzählen. Oder als wolle er sichergehen, dass sie überhaupt erzählt werden sollte. Als Widderich keine Einwände erhob und auch sonst keine Anstalten machte, einen Ton von sich zu geben, fuhr der glatzköpfige Hüne fort. „Da war doch diese Warenschau in Angbar. Tausend...irgendwas Bosparans Fall.“

„1029“, ergänzte Widderich knapp.

„Damals gab es eine große Warenschau in Angbar, Fürst Blasius hat seine letzte Turney bestritten und zugleich wurde in der Stadt das Hochfest des Roten Gottes gefeiert“, fuhr Bärfang fort. „Mein Vater – Geister haben ihn selig! – ist seinerzeit mit der Weidener dorthin Delegation gereist. Nicht wegen des Turniers oder der Warenschau, sondern weil er zum Hochfest wollte. Er ist Schmied gewesen. Plattner. Und er wollte wenigstens einmal im Leben bei der Zeremonie im höchsten Haus Ingerimms auf Deren dabei sein.“

Der Rauheneck überlegte kurz, ehe er fortfuhr: „In dem Tempel ist er zufällig Growin begegnet, der sich ebenfalls aufs Schmieden versteht und den Herrn Ingerimm verehrt. Wir wissen alle nicht so genau, was sich danach abgespielt hat, aber es ist wohl eine Menge Bier geflossen und die beiden sind prächtig miteinander ausgekommen. Am Ende hatte mein alter Herr ein Angebot des Grafen in der Tasche, dass seine älteste Enkelin an dessen Hof zur Ritterin ausgebildet wird. Davon war wohl kaum jemand überraschter als wir selbst. Und das hatte nicht nur damit zu tun, dass wir uns einen Zwerg als Schwertvater schwer vorstellen konnten ... .“

„Der Graf ist zwar nominell Rossgildas Schwertvater, aber kein Ritter“, ergänzte Widderich. „Er bildet das Mädchen nicht allein aus. Darum kümmern sich in erster Linie seine Patentochter und Hauptfrau Barla Dorkenschmied, die ihm einst als Lanzerin diente. Geklagt hat meine Nichte noch nie. Und was sie gelernt hat, werden wir demnächst auf der Turney sehen.“

„Hört, hört ...“, bemerkte Bärfried, nachdem Widderich geendet hatte. „Ich wusste es ja immer: Bier und Brand bringen die Menschen zusammen.“

„Und Zwerge ...“, fügte seine Gemahlin in mahnendem Ton hinzu.

„Genau, meine Liebe“, Bärfried lächelte. „Schade nur, dass wir kein Bier dabei haben. Wie gerne hätte ich jetzt mit Euch einen Krug auf Euren Vater gehoben.“ War sein Blick gerade eben noch zwischen allen drei Gästen hin und her gewandert, fixierte der Junker nun wieder Widderich. „Geschichten ... Begebenheiten wie diese zeigen mir, dass ich wohl mehr unter die Leute gehen sollte.“

„Genau, Liebster“, brachte sich daraufhin wieder Branda ein. „Deswegen hast du mir auch bei unserem Eheschluss versprochen, mit mir noch einmal durch das Reich zu reisen, bevor es unsere zukünftigen Kinder und deine Verpflichtung unmöglich machen werden ...“

Bärfried war für einen Moment verwundert und zog einen Herzschlag lang eine Braue hoch. ‚Gut ausgedacht‘, dachte er und griff nach ihrer Hand. „Für dich würde ich alles tun“, er führte sie zu seinem Mund und küsste ihren Handrücken.

Brandas Lippen entfleuchte ein leiser Seufzer. „Ja, wie gern würde ich einmal Gareth sehen oder Angbar ... seid Ihr schon einmal dort gewesen?“, richtete sie ihre Frage an Satijana.

Die war noch ganz in die Betrachtung der vertraulichen Geste zwischen den beiden Hahnfelsern vertieft – oder doch eher in die des verräterischen Zuckens von Bärfrieds Braue? In jedem Fall brauchte sie einen Moment, um ins Hier und Jetzt zurückzufinden. „Hum?“, fragte sie leise und warf Branda einen verwirrten Blick zu, bevor sie sich der Frage zu erinnern schien. „In Gareth bin ich schon gewesen“, fügte sie dann rasch an. „Dort lässt es sich ganz gut aushalten. Aber ich muss sagen, dass mir Festum deutlich lieber ist.“ Sie lächelte und hob die Schultern. „Ich stamme ursprünglich aus dem Bornischen. Deshalb war ich auch noch nie im Kosch. Zu weit weg. Nach allem, was mir erzählt wurde, sind Ferdok und Angbar aber zwei sehr pittoreske kleine Städtchen und durchaus eine Reise wert.“

Satijana wechselte einen kurzen Blick mit ihrem Gemahl, der jedoch nur die Schultern hob. Offenbar war er nicht die Quelle der Information gewesen und hatte zum Thema Kosch auch sonst nichts zu sagen. Also wandte sich Satijana wieder Branda zu.

„Dann ist das hier Eure ... Hochzeitsreise, oder wie darf ich das verstehen? Eine Hochzeitsreise, auf der Euer werter Herr Gemahl die Gelegenheit nutzt, sich unterwegs von Einheimischen vermöbeln zu lassen?“ Sie runzelte die Stirn, derweil in ihren hellen Augen unverkennbares Amüsement aufblitzte. „Klingt irgendwie sehr weidensch. Allerdings frage ich mich, ob das wirklich zielführend ist? Sollte man sich auf so einer Fahrt nicht eher den schönen Dingen des Lebens widmen?“

Branda zögerte und kurz schien es Satjana, als blitze Unverständnis in ihren tiefblauen Augen auf. „Die schönen Dinge des Lebens ...“, wiederholte sie die letzten Worte noch einmal für sich selbst. „Genau als das würde ich unsere Reise bezeichnen ... es ist ... schön ... .“ Demonstrativ lehnte sie sich an Bärfrieds Schulter. „Der Kampf ist unser Leben, die wilde Natur ist unser Leben ... nirgendwo lieber wäre ich jetzt.“

„Das wohl“, pflichtete Bärfried seiner Gemahlin bei, während er sanft ihren Rücken streichelte. „Es geht mir genauso. Die Frau, die ich liebe, an meiner Seite, die Natur in meinem Rücken. Gemeinsam jagen, wandern, reden ... und viele ruhige Nächte in Zweisamkeit unter Phexens Sternenzelt und in mancher Herberge.“

„Du bist unmöglich ...“, protestierte Branda lachend und knuffte ihn am Oberarm. Ein Blick auf Widolf zeigte den Rauhenecks, was ‚ruhige Nächte in trauter Zweisamkeit‘ wohl bedeutete, nahm das Antlitz des Jünglings doch beinahe schon die Farbe seines Wappenschildes an.

Satijana nahm die peinliche Berührtheit des Knappen mit einem belustigten Schmunzeln zur Kenntnis und schüttelte nahezu unmerklich den Kopf, bevor sie zu ihrem Gatten hinüber sah. Der schien vordergründig unbeeindruckt. Allein ein kurzes Zucken des rechten Mundwinkels bei der Erwähnung der ‚ruhigen Nächte‘ verriet, dass auch er den Anschluss nicht verloren hatte. Erst als Satijana zu ihm hinüber sah, wurde das ein bisschen klarer, denn er hob er demonstrativ die Brauen und neigte den Kopf leicht zur Seite.

„Und diese Dinge, die uns beiden so lieb und bekannt sind, verbinden wir nun mit etwas Neuem und Aufregendem“, fuhr die Sunderhardterin unterdessen fort. „Einige Male schon war ich in Trallop, meine Ausbildung genoss ich in Baliho und aufgewachsen bin ich in Salthel“, sie lächelte beinahe unschuldig, „Gerne hätte ich einmal ein paar Städte im Süden gesehen.“

„Und das sollst du auch“, kam es daraufhin wieder von Bärfried. „Ich für meinen Teil war bisher nur in Salthel.“ Er hob die Schultern. „Die anderen ... Nester ... kann man nicht wirklich als ‚Stadt‘ bezeichnen. Ich bin gespannt auf diese großen Städte und die Menschen ... Zwerge ... dort“, die Lippen des Junkers verzogen sich zu einem grausamen Lächeln. „Dann werden wir auch sehen, wer auf dem Turnier wen vermöbelt.“

„Städte im Süden sind nicht zu empfehlen“, meldete sich Bärfang unversehens zu Wort. „Ich fand es dort immer viel zu heiß. Und die Puderquasten drunten im Neuen Reich sind in ihrer Hochnäsigkeit schlicht unerträglich. Wie man anständiges Bier braut, wissen die auch nicht, sondern kommen immer mit ihrem blöden Wein angerannt. Ernsthaft: Wer trinkt vergorenen Traubensaft, wenn er was Klares aus Korn oder Früchten, was Trübes aus Honig oder Hopfen oder sonst was Vernünftiges haben kann? Das zeigt doch schon, dass die da keine Kultur haben. Im Kosch wird es uns bestimmt weitaus besser ergehen. Ich freue mich schon seit Monden auf mein erstes echtes Ferdoker.“ Er schloss seine Worte mit einem bekräftigenden Nicken und sah fragend zu Widderich hinüber.

Der schien jedoch wiederum nichts ergänzen zu wollen. Erst als das Schweigen unangenehm zu werden drohte, ließ er sich dazu herab, ein paar Worte anzufügen:

„Bitte ... fragt mich nur nach lohnenden Reisezielen im einstigen Transysilien und der Warunkei sowie auf dem Gebiet der Wildermark. Mit mehr kann ich nicht dienen.“

„Göttin, nein!“, Satijana lachte auf und schüttelte den Kopf, diesmal sehr viel energischer. „Du bist so was von unmöglich! Wir reden jetzt nicht über die verfluchten Ostmarken. Wie kann man denn nur ... ?!“ Sie warf einen prüfenden Blick auf die Hände ihrer Gastgeber und schien fast erleichtert, als sie feststellte, dass die beiden Hasen Geschichte waren. „Sieht aus, als sollten wir uns ohnehin wieder auf den Weg machen?! Wir haben ja noch eine ziemliche Strecke vor uns und je schneller wir vorankommen desto mehr Zeit bleibt den Frischvermählten, um die Städte entlang des Weges zu erkunden. Ihr wollt doch mit uns reisen? Zumindest bis Gareth? Oder habe ich da etwas falsch verstanden?“

„Na, das ist ein Wort und Ihr habt recht“, Bärfried nickte Satjana bestätigend zu. „Wenn es mit Euren Plänen vereinbar ist, dann wären wir sehr dafür, Euch bis in den Kosch zu begleiten.“ Bei den letzten Worten lag der Blick des Junkers auf Widderich. „Wenn ich Euch richtig verstanden habe, liegt der Grund Eurer Anreise in Ferdok. Das dürfte wohl nicht wirklich einen Umweg darstellen.“ Nach Bestätigung haschend, suchte er den Blick seines Eheweibs, das jedoch nur unwissend die Schulter hob. Nach einem kurzen Achselzucken, erhob sich Bärfried gewandt von seinem Platz und löschte die Reste des Feuers mit einer Handvoll Erde und Staub. Nur wenige Herzschläge danach bot er erst seiner Gemahlin, dann Satjana galant seine Hand, um den Damen wieder auf die Beine zu helfen. „Ich denke, wir sind zum Aufbruch bereit“, verkündete er dann beinahe schon feierlich.

Als die Gruppe wieder zurück auf den Sieben-Baronien-Weg bog, suchte Branda die Nähe ihres Gemahls. Ihr Antlitz war von einem hohen Maß an Skepsis geprägt, was vor allem die nachdenklichen Falten auf ihrer Stirn unterstrichen. „Und jetzt?“, flüsterte sie, ohne dass es ihre Mitreisenden hören konnten. Wie schon so oft hatte sie das Gefühl, dass ihr Mann seine  Pläne nicht zu Ende dachte.

„Abwarten ...“, antwortete er ihr mit einem Augenzwinkern.