Auf in den Kosch - Auf den Zahn gefühlt IV

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Auf den Zahn gefühlt IV
Junkergut Waltværre, Mitte Travia 1041 BF

Bärfried konnte sich nicht ganz erklären, wie es geschehen war, aber irgendwann spät am Abend saß er plötzlich allein mit Widderich hinter dem Gutshaus von dessen Neffen im schönen Bärwalde. Auf einer kleinen, windgeschützten Veranda, von der aus man die herbstlich gefärbten Kronen der umgebenden Bäume trefflich betrachten konnten. Wenn es hell war jedenfalls und nicht – wie jetzt – die Nacht bereits hereingebrochen. Die einzige Lichtquelle stellte eine Sturmlaterne dar, die mitten auf dem Tisch thronte, neben einem großen Krug Bier und ihren beiden Humpen. Die anderen Trinkgefäße waren nach und nach verschwunden. Gemeinsam mit den Personen, zu denen sie gehörten.

Zumindest bei Satijana und Branda war der Uhlengrunder davon ausgegangen, dass sie alsbald zurückkehren würden, denn sie wollten eigentlich nur „was zum Überwerfen“ aus dem Haus holen. Es war nicht davon die Rede gewesen, dass das heitere Beisammensein schon beendet werden sollte. Naja ... heiter. Manchmal fiel es ihm schwer zu beurteilen, wie die Stimmung eigentlich gerade war. Er hatte das Gefühl, zwischenzeitlich schon einmal besser mit Widderich und vor allem Satijana gestanden zu haben. Leider konnte er nicht mit Gewissheit sagen, woran das lag. Ihm fiel aber sehr wohl auf, dass das Verhältnis zwischen seiner Herzdame und der des Rotenforsters vollkommen ungetrübt zu sein schien. Es wurde augenscheinlich sogar immer besser. Irgendwie verstanden sich die beiden einfach gut – obwohl sie doch im Grunde ziemlich verschieden waren.

Bei Widderich und ihm hingegen ließ sich sagen, dass sie einander ähnelten. Stark sogar. Auf gewisse Weise. Das gleiche herzliche Verhältnis wie zwischen ihren Frauen wollte bei ihnen aber nicht aufkommen. Womöglich lag das nicht zuletzt daran, dass sie Männer waren. Beide oft mürrsich und nicht geneigt, schnell Vertrauen zu fassen. Allzumal da ja noch immer etwas zwischen ihnen stand. Etwas, das im weitesten Sinne den Namen Friggenhaupt trug. Oder auch Silkenau. Oder Drachenstein. Wie man es nahm. In all der Zeit, die sie seit ihrem letzten ernsthaften Gespräch darüber gemeinsam unterwegs waren, hatte Widderich sich nicht dazu herabgelassen, ihm genauer zu erklären, was da zwischen Drachnstein und Rotenforst eigentlich lief. Und welche Rolle die beiden Hahnfels in ihrem Spielchen zugedacht hatten. Würde er vielleicht jetzt ... ?

„Kommen wir auf deine Frage nach dem Friggenhaupter zurück“, sprach der Rotenforster da völlig unvermittelt in seine Gedanken hinein. Als hätten sie eben erst darüber geredet, dabei war seither mehr als ein Mond ins Land gezogen. Hatte Bärfrieds Miene vielleicht mehr verraten, als ihm lieb war? „Deine Herrin denkt, dass er mich zu einem Kriegszug nach Hahnfels überredet hat, verstehe ich das richtig?“

Bärfried hatte lange damit gerungen, ob er das Thema von sich aus noch einmal auf den Tisch bringen sollte, doch zögerte er. Auch waren die Möglichkeiten, mit Widderich unter vier Augen zu sprechen, äußerst rar gesät gewesen. Beinahe schon dankbar lächelte er den Rotenforster Baron deshalb jetzt an.

„Hat er das etwa nicht?“, fragte der Sunderhardter einige Herzschläge nachdem der Rauheneck geendet hatte. „Ich meine, es liegt doch nahe. Mirnhilde und ich wissen, dass der Friggenhaupter uns die Sache von damals übel nimmt. Er würde uns gern am Boden sehen.“ Bärfrieds Lippen verzogen sich zu einem schmalen Grinsen.

„Wenn du von ‚Überreden‘ sprichst, dann umfasst das auch meine Zustimmungm, eh?! Das ist schließlich die Bedeutung des Wortes: Jemanden anders zu einer Sache breitschlagen. Von einem bloßen Versuch gehen Mirnhilde und du ja offenbar nicht aus, ihr unterstellt die Vollendung.“ Widderich maß Bärfried mit einem aufmerksamen Blick, ehe er den Humpen an seine Lippen hob und einen großen Schluck Bier trank. „Warum wohl hätte ich mich vom Friggenhaupter überreden lassen sollen, wenn es allein darum ginge, Hahnfels am Boden zu sehen? Was spränge dabei für mich heraus?“

Bärfried schüttelte leicht den Kopf. „Nein, nein. Vollzug unterstellen wir dir und dem Friggenhaupter nicht.“ Er machte eine kurze Pause und nahm ebenfalls einen Schluck. „Im Gegenteil, es gibt zurzeit keine Anzeichen dafür.“ Abermals erschien das Widderich bereits so bekannte Lächeln auf den Zügen des Sunderhardters. „Ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, wenn ich nun offen spreche und Spekulation meinerseits in den Raum stelle.“

Der Rauheneck schüttelte den Kopf und machte eine einladende Geste, dennoch stoppte der Junker seine Ausführungen und es schien ganz so, als wäge er jene Worte, die jetzt folgen würden, besonders genau ab. Vorausschauend und beinahe vorsichtig – ganz anders, als der Rotenforster Bärfried bis jetzt kennenlernen durfte.

„Was er dir für deine Hilfe versprochen haben könnte? Land vielleicht? Oder Anerkennung unter den anderen Hochadeligen? Einen Verbündeten? Es würde dir sicher nicht schlecht zu Gesicht stehen, eine Geächtete und Dorn im Fleisch der Weidener Adelsschaft aus dem Weg zu räumen.“ Abermals nahm Bärfried einen Zug aus seinem Humpen. „Wäre ich an deiner Stelle, würde ich wohl mit dem Gedanken spielen“, log er abschließend.

„Ist das so?“, fragte Widderich, nachdem Bärfried den letzten Satz vollendet hatte. Seine Augen wurden ein Stück schmaler, als er den Hahnfelser prüfend musterte. „Dann habe ich dich falsch eingeschätzt.“ Nachdem das gesagt war, lehnte sich der Rotenforster zurück. Er nahm den Blick nicht von Bärfried, gönnte sich aber einen Moment des Schweigens. Vielleicht, um sich eine Antwort zurechtzulegen, vielleicht auch, weil er dessen Rede im Geiste noch einmal gewissenhaft durchging. Es war schwer zu sagen.

„Die Anerkennung anderer Hochadeliger erringe ich entweder aus eigener Kraft oder scheitere beim Versuch. Wenn ich mich dazu der Hilfe eines mickrigen Fürsprechers versichern müsste, den ich ebenso wenig respektiere, wie deine Herrin es tut, hätte ich sie nicht verdient“, hob Widderich schließlich an. Der Ton war nüchtern und stand damit in starkem Kontrast zum Inhalt seiner Worte. „Auch schert es mich nicht, dass Mirnhilde ein Dorn im Fleisch des Weidener Adels ist. Wen der Zustand quält, der möge ihn beheben. Das ist deren Problem, nicht meins. Zu meinem wird es erst, wenn Hahnfels Rotenforsts Kreise stört.“

Widderich machte eine kurze Pause, in der sein Blick weiter auf Bärfrieds Gesicht ruhte. Er hob die Brauen und lächelte spöttisch: „Was nun meine Verbündeten anbelangt, bin ich offenbar wählerischer als du. Weder lege ich Wert darauf, in die Nähe einer Goblinfreundin gerückt zu werden. Noch schmiede ich Allianzen mit einem, der mich eigentlich verachtet. Wie du schon sagtest: dem wohnt Verzweiflung inne. Die wird aus Schwäche geboren. Und aus dem Umstand, dass er sonst keine Unterstützer hat.“

Der leise Spott des Rotenforsters war während seiner Rede zu kaum verhohlener Geringschätzung geworden. Jetzt hob er die Schultern und schniefte leise. „Land schließlich ... Land kann Haldoran von  Friggenhaupt mir keines bieten. Aber Mirnhilde sitzt auf welchem, das von altersher mein sein sollte – und das sorgt dafür, dass ich in einem Boot mit Drachenstein sitze, ob es mir nun gefällt oder nicht.“

Bärfrieds Laune änderte sich von einem Herzschlag auf den anderen. Das Lächeln schwand und wich einem ernsten, harten Gesichtsausdruck.

„Soso ...“, er schob seine Augenbrauen zusammen, „... haben die Geier die Beute schon untereinander aufgeteilt, bevor der Bär überhaupt erlegt ist. Ach, es sind immer die niedersten Beweggründe ...“ Er seufzte und nahm einen Schluck. „Alles andere hätte ich ja noch verstehen können, aber irgendein alter Anspruch.“ Die Lippen des Junkers verzogen sich nun wieder zu einem Lächeln. „Wenn man nur tief genug in den Archiven gräbt, findet wohl jeder von uns einen Anspruch auf das Land des anderen, deshalb glaube ich dir schon, dass etwas Fleisch am Knochen ist.“ Bärfried hob gleichgültig seine Schultern. „Dafür einen Krieg anzudenken ... naja, ich hoffe, du hast es für dich selbst gründlich abgewogen. Es wird dir hoffentlich klar sein, auf welcher Seite ich stehe.“

„Willst du mit mir reden, oder mich beleidigen, Uhlengrund?“ Widderich hatte Bärfrieds Worte mit unbewegter Miene aufgenommen. Da war bloß auf einmal die Ahnung eines Glosenes in seinen Augen – und gemahnte den Sunderhardter zur Vorsicht. „Wenn Zweiteres der Fall ist, nur zu! Sollte es später tatsächlich zum Krieg kommen“, das vorletzte Wort betonte er auf eine Art, die glasklar werden ließ, dass er darunter etwas anderes verstand als Grenzstreitigkeiten zwischen ein paar unbedeutenden Baronien am Rande des Raulschen Reiches, „wird auch an deinen Händen Blut kleben. Für jemandem, dem die Familie und das einfache Volk vorgeblich so viel bedeuten, dürfte das eine ziemlich schwere Bürde sein.“

Damit setzte sich der Rauheneck wieder auf, löste sich also aus seiner bequemen Position, um Haltung anzunehmen und den folgenden Worten mehr Gewicht zu verleihen:

„Wenn Ersteres der Fall ist, solltest du darüber nachdenken, ob du es dir nicht zu einfach machst. Mag sein, dass Mirnhilde und die Ihren sich die Welt und die Fakten darin zurechtzubiegen müssen, um weiter unbeschwert auf ihrem Pfad wandeln zu können. Das enthebt dich als Ritter Weidens aber nicht von der Pflicht, dir eine eigene Meinung zu bilden. Was ist nieder? Wenn jemand Anspruch auf Land erhebt, das seine Ahnen über Jahrhunderte gehalten haben. Oder wenn jemand Seuchen und Kriegswirren, Not und Elend nutzt, um seinen Herrschaftsbereich gewaltsam auszuweiten?“

Bärfried hob seine Augenbrauen. „Wie ich schon sagte, ich glaube dir, dass du einen Anspruch darauf besitzt.“ Er lächelte schmal. „Was meine Meinung dazu ist und warum ich der Meinung bin, die Beweggründe seien nieder? Lass es mich einmal so sagen ...“, er stoppte und nahm einen Schluck Bier, „... wenn wir alle jenen Gedanken nachgäben, die wir selbst für ‚gerecht‘ ansehen und diese dann notfalls mit Gewalt durchzusetzten – das Dererund würde in Blut und Chaos versinken. Ich stehe dazu, was ich vorhin sagte.“

„Interessant, das von jemandem zu hören, der Mirnhildes Schar angehört“, sprach Widderich in die Atempause seines Gegenübers hinein. Dieses eine Mal hatte er offenbar nicht die Geduld, Bärfried ausreden zu lassen. Stattdessen fuhr er ohne Zögern fort:

„Was nun meine Schar anbelangt, gibt es eine einfache Wahrheit. So lax unsere Haltung sonst auch sein mag, in zwei Punkten verstehen wir keinen Spaß: unsere Familie und unser Land. Da kennen wir uns aus, dafür geben wir unser Blut gern, scheiß auf das Chaos! Ich weiß, dass Hahnfels sein Herrschaftsgebiet seit der Machtergreifung der Graufenbeiner ausgedehnt hat. Die Grenze wurde Berg für Berg, Tal für Tal nach Süden verschoben. Zuletzt im Borbaradkrieg, als die Lande um Hahnfels herum entblößt waren. Nur Mirnhildes Vater ist mit seinen Leuten daheim geblieben und hat sich in der Nachbarschaft schadlos gehalten.“

Der Rauheneck hielt kurz inne, um Bärfried nachdenklich anzusehen. „Du bist zu jung, um das zu wissen, schätze ich. Frag Mirnhilde, wenn du mir nicht glaubst.“

Der Junker nickte und blickte sich um – ganz so als wolle er sicher gehen, dass niemand anders seinen Worten lauschte.

„Wenn du meinst, dass ein Schulterschluss mit einem Mann, der dich verachtet, der richtige Weg ist, dann bitte. Dass du noch keinen Kontakt zu Mirnhilde gesucht hast, zeigt mir, dass, was ihr auch ausheckt, die Sache wohl nicht friedlich lösen werdet, was schade ist.“ Abermals nahm Bärfried einen Schluck aus seinem Krug und Widderich meinte zu erkennen, dass er die Pause dazu nutzte, sich seine nächsten Worte zurechtzulegen.

„Du hättest nämlich jetzt die Möglichkeit dazu. Du hast jemandem vor dir sitzen, der in ihrem engsten Kreis verkehrt. Mirnhilde ist nicht dumm, aber stolz – sie würde einer Drohung niemals nachgeben. Ich kann versuchen mit ihr zu reden, aber ...“, der Uhlengrunder hob seinen Zeigefinger, „... ich kann nichts versprechen und übers Ohr hauen oder verraten werde ich sie auch nicht.“ Bärfried zog seine Stirn kraus und schob den Humpen von sich. „Deine Entscheidung. Einen Versuch wäre es wert, aber ohne die Drachensteiner.“

Nachdem Bärfried geendet hatte, sah Widderich ihn schweigend an. Eine ganze Weile, die er unter anderem dazu nutzte, sich einen weiteren Schluck Bier zu gönnen. Dann verzog er die Lippen zu einem schiefen Lächeln:

„Ich beabsichtige nicht, deine Loyalität auf die Probe zu stellen, Bärfried. Was hätte ich auch von einem Verbündeten, dessen  ich mir niemals sicher sein könnte? Allzumal mir scheint, dass du zu haltlosen Unterstellungen neigst. Eine davon will ich richtigstellen. Dass ich bislang nicht das Gespräch mit Hahnfels gesucht habe, zeigt nur eins: Ich war noch nicht so weit. Ich kenne meine Pflichten als Lehnsherr. Dazu gehört, wie du seinerzeit ganz richtig anmerktest, zuvörderst der Schutz. Nicht, das Blut der Meinen ohne Not zu vergießen.“

Der Baron hielt inne, sein Blick aber verriet, dass er noch etwas zu sagen gedachte – und die Worte, die davor gefallen waren, legten den Schluss nahe, dass es nicht ganz unwichtig sein würde. „Ich sitze überhaupt nur hier und rede mit dir, weil du zu Mirnhildes engstem Kreis gehörst. Ich gehe davon aus, dass du ihr berichten wirst, was hier gesagt wurde. Dann teile ihr auch mit, dass Rotenforst Gesprächsbedarf hat. Wir wollen verhandeln. Aber direkt und nicht über einen Mittelsmann, dem wir in der Sache nicht trauen können.“

Bärfried rümpfte kurz seine Nase und legte die Stirn skeptisch in Falten. Allem Anschein nach wurde er hier bloß als Botenjunge angesehen. „Wenn es darum ginge, Gesprächsbedarf anzumelden, hätte es da nicht auch ein Bote getan?“, fragte er deshalb in ruhigem Ton.

Es wollte dem Sunderhardter auch nicht einleuchten, warum sich der Rauheneck nicht gleich an sie, sondern erst an die Drachensteiner gewandt hatte, wenn es nur darum ging, zwischen Hahnfels und Rotenforst zu verhandeln. War es um den Druck zu erhöhen? Irgendetwas gefiel ihm an der Sache nicht.

„Mirnhilde ist nicht dumm. Sie hätte dich auf jeden Fall angehört, wenn es darum ginge zu verhandeln“, setzte der Junker dann nach. „Und was hat der Drachensteiner damit zu schaffen, wenn es eine Sache zwischen Rotenforst und Hahnfels ist?“

„Hätte sie? Das mag für dich eine Selbstverständlichkeit sein, für mich ist es keine. Nach allem, was ich weiß, ist die Frau launisch und herrschsüchtig und nicht eben entgegenkommend. Da wäre es durchaus möglich, dass sie nicht interessiert, was ich zu sagen habe. Und was den Boten betrifft ...“, der Rauheneck musterte Bärfried.

„Versteh mich nicht falsch, aber: Rede ich nicht gerade mit einem? Du hast dich uns in ihrem Auftrag angeschlossen, oder nicht? Um Erkenntnisse zu sammeln und dann davon zu künden. Du musst kein stummer Beobachter sein, sondern darfst reden – mit uns, aber gewiss nicht für sie?!“ Widderich hob die Brauen. „Was bleibt mir da, als ihr eine Botschaft zu übermitteln?“

Dabei wollte er es offenbar belassen, dann schien ihm aber etwas in den Sinn zu kommen und er schob ein knappes „Der Vollständigkeit halber: Wir hatten vor dieser Reise noch keinen Gesprächbedarf“ nach.

Bärfried grinste schmal. „Beim Graufenbeiner hättest du recht gehabt. Den und seine Bagage hätte sie nicht angehört, aber dich ...“, sein Grinsen schwand und wurde zu einem Lächeln, „... sie ist neugierig. Sie weiß dich nicht einzuschätzen. Meine Anwesenheit sollte dir ganz deutlich zeigen, dass sie zumindest interessiert ist.“

„Ist angekommen“, meinte Widderich, ohne mit der Wimper zu zucken.
 
Bärfried nahm einen Schluck aus dem Krug, während er das Mienenspiel seines Gegenübers beobachtete, das gerade nur leider nicht sehr ergiebig war. „Ich kann nicht für sie sprechen, das ist richtig“, meinte er dann, „aber ich weiß, dass es mit Drachenstein wahrscheinlich keine gemeinsame Gesprächsbasis geben wird. Da wurde zuviel Porzellan zerschlagen. Du jedoch bist ein neues Gesicht auf dem Thron einer Nachbarbaronie und noch dazu eines, das sich bisher noch nicht offen gegen uns positioniert hat.“ Bärfried runzelte seine Stirn. „Ich werde deine Nachricht überbringen, wenn es nur das ist.“

„Es ist nur das“, erwiderte Widderich, trank ebenfalls einen Schluck Bier und lächelte dann doch wieder. „Ich würde nicht wollen, dass sich Mirnhilde an meine Gefolgsleute ranwanzt und ebenso halte ich es bei ihren. Ihr habt in den vergangenen Wochen eure Eindrücke gesammelt, wir die unseren. Nun schauen wir, was daraus erwächst.“

Während er das sagte, ertönte aus dem Inneren des Gutshauses ein amüsiertes Lachen, das Bärfried sofort als das seiner Gemahlin erkannte. Offenbar befanden sie und Satijana sich auf dem Weg zurück zur Veranda. Damit war die Unterrredung vermutlich beendet.