Lucem demonstrat umbra - Ein Ende mit Schrecken

Beitragsseiten


am nächsten Morgen...

Mit dem Aufgang des Praiosmals am nächsten Tag verließen drei Reiter Burg Lichtwacht. Eine vierte Person war wenig standesgemäß auf ein Packtier gebunden geworden. Das schien die Frau jedoch nicht weiter zu interessieren. Wo sie am Vortag noch herumgeschrien, wild um sich geschlagen und allenthalben Beleidigungen ausgespuckt hatte, wirkte sie nun seltsam still, ja, geradezu abwesend. Als sei sie in Gedanken ganz woanders – oder schlichtweg ruhiggestellt worden.

Trautmann vermutete Zweiteres, als er den leicht schwankenden Leib Greifhilds mit sorgenvoll gerunzelter Stirn beobachtete. Sie würde sicher nicht stürzen, dafür war sie viel zu gut verschnürt. Einen besonders guten Eindruck machte sie dennoch nicht – aber das war ja auch nicht zu erwarten gewesen.

Der Gugelforster wandte sich schließlich von dem Schauspiel ab, seufzte leise und bedeutete seinen Begleiter mit einer stillen Geste, ihm durch das große Tor zu folgen. Nun galt es. Die Reise nach Anderath begann.


Stadt Anderath
sieben Tage später

Trautmann von Gugelforst blinzelte dem aufgehenden Praiosmal entgegen. Wie jeden Tag ihrer Reise von der rauen Wildnis des Finsterkamms hin zur Stadt Anderath, brachen sie schon mit dem ersten Licht des Tages auf. Schließlich gab es keine Zeit zu verlieren. Ihre „Fracht“ – der Ritter wandte sich zu der kleinen rumpelnden Einspänner-Kutsche um – ließ es nicht zu, unnötige Zeit verstreichen zu lassen.

Es war eine abenteuerliche Reise gewesen. Erst auf ein Packtier gebunden, dann in einer gemieteten Kutsche hatten sie die besessene Geweihte ... oder den Orkgeist im Körper der Geweihten – so genau wusste er das nicht – durch die wenig besiedeltes Gebiet und Umwege nach Anderath befördert. Es gelang der Reisegruppe um den Junker dabei eine kleine Kutsche anzumieten. Dies ermöglichte ihnen, in bewohnten Gebieten kein allzu großes Aufsehen zu erregen.

Greifhild selbst sollte das Gefährt über die gesamte Reise nicht verlassen. Trautmann und der Bannstrahler wechselten sich in der Bewachung der gefallenen Praiosdienerin ab. Essen und Trinken wurde ihr zunächst noch von ihrer Glaubensschwester eingeflößt, nach ein paar Tagen übernahm der Bannstrahler jedoch auch diese Aufgabe, denn Assunta war den diesseitigen Dingen zu weit entrückt, als dass sie sie noch sorgfältig genug hätte erfüllen können.

Die Erklärung dafür hatte Trautmann sich erst erschließen können, als sie bereits mit der Kutsche reisten. Da fiel ihm eines Abends der Bannkreis im Fußraum des Gefährts auf, in dem Greifhild den ganzen Tag lang gesessen hatte. Sie war also nicht etwa betäubt, wie er anfangs noch vermutet hatte. Vielmehr hielt die Kraft des himmlischen Richters daselbst den Orkgeist, der von ihrem Leib Besitz ergriffen hatte, in Schach. Und dafür sorgte Assunta, die die unsichtbare Barriere in regelmäßigen Abständen erneuerte. Offenbar um den Preis der Entrückung, was dazu führte, dass der Bannstrahler und er irgendwann nicht mehr nur auf die Trutzer, sondern auch auf die Sichler Geweihte gut achtgeben mussten.

Den Junker trieb während des gesamten Weges der Glaube an, dass die Sache am Ende halbwegs gut ausgehen würde. Dass man Greifhild helfen konnte und sie irgendwann wieder als Priesterin würde tätig sein können. Ein kleiner Teil in ihm fühlte sich für die Geweihte verantwortlich. Sie war gekommen, um ihm zu helfen, und er selbst hatte wohl erst zu spät gemerkt, dass sie sich über die Zeit in der Burg veränderte. Im Endeffekt war dem Gugelforster bewusst gewesen, dass er den Weg nach Anderath schon ganz am Anfang tätigen hätte sollen. Er selbst war es gewesen, der Greifhild dieser Gefahr aussetzte und dass er sich nun stets die halbe Nacht um die Ohren schlagen musste, um ihren besessenen Körper zu bewachen, war das Geringste, das er für sie tun konnte.

Die drei Reisenden selbst wechselten untereinander schon zu Beginn nicht allzu viele Worte – und irgendwann sprachen nur noch Trautmann und der Geißler miteinander. Meist waren es gegenseitige Anweisungen, oder ein kurzes in Kenntnis setzen über die gegenwärtige Situation. Die Stimmung war angespannt, denn sie alle schliefen wenig und als die Kuppel des Tempels des Götterfürsten in ihr Blickfeld kam, fühlte Trautmann erstmals seit Langem wieder ein leichtes Gefühl der Zuversicht in sich aufsteigen. Den Göttern sei es gedankt: Sie waren endlich angekommen.

noch mal drei Tage später

Trautmann sah sich nachdenklich in dem kleinen Salon um, den er schon von seinem ersten Besuch in Anderath kannte. Er wartete auf die Tempelvorsteherin, wusste aber nicht genau, worüber sie mit ihm reden wollte. Nach allem, was man ihm gesagt hatte, war am Vortag zur Mittagsstunde ein Ritual durchgeführt worden, das Greifhild von ihrem feindlichen Besatzer befreien sollte. Wie das Ganze ausgegangen war, wusste er noch nicht. Vielleicht war das ja der Anlass dafür, dass er hierher bestellt worden war?

Ihm blieb nicht viel zeit, darüber nachzusinnen, denn mit einem Mal öffnete sich die Tür und Hochwürden Heliopais trat ein. Er sprang auf, um sie mit einer tiefen Verneigung und im Namen des Götterfürsten zu grüßen. Die Anderather Tempelvorsteherin quittierte das mit einer kurzen Erwiderung, musterte ihn dann aufmerksam, versicherte sich, dass er etwas zu trinken hatte und bedeutete ihm dann mit einer knappen Geste, wieder Platz zu nehmen.

Kaum dass sie saßen, ruhte der ungewöhnlich hellblaue Blick der Hochgeweihten auch schon wieder auf ihm. Diesmal sah sie ihm direkt in die Augen und brach – so fühlte es sich jedenfalls an – mühelos durch deren Oberfläche, um sich ein Bild von den Gedanken in Trautmanns Kopf zu machen.

„Also, mein Sohn“, hob sie schließlich ohne Umschweife an, „Mir wurde zugetragen, Du denkst, dass Du für das Schicksal meiner Schwester im Glauben verantwortlich bist. Vielleicht wärst Du so nett, mir einmal näher zu erläutern, wie du zu diesem Schluss gelangst?“

„Ich ... äh ...“, begann Trautmann zögerlich, traf ihn die Frage der Hochgeweihten doch völlig unvorbereitet. „Ich hatte schon sehr viel über Ihre Gnaden gehört, schon bevor ich sie darum gebeten habe, dass sie mir mit Burg Lichtwacht hilft. Meine Mutter hatte mir sogar davon abgeraten, gerade sie ...“, Trautmann seufzte, „... also, gerade Greifhild Fälklin hinzuziehen zu wollen. Ich ... ich hätte mich gleich an Trallop wenden sollen, wo man mich wohl schon am Anfang an Euch weiter verwiesen hätte.“

Der Junker blickte für einen Moment auf den Tisch zwischen sich und Heliopais. „Wir haben uns ja schon bei meinem letzten Besuch darüber unterhalten, wenn ich mich recht entsinne, und inzwischen verstehe ich auch WIE groß mein eigenes Verfehlen war. Greifhild war für die Aufgabe nicht geeignet. Ich habe, trotz Worten der Warnung daran geglaubt und es ist Ihre Gnaden, die nun den Preis für meine Fehleinschätzung zahlen muss. Ich hoffe ...“, er brach ab. „Wie geht es ihr?“

„Hum“, Heliopais räusperte sich und machte eine Geste, die unmissverständlich klarstellte, dass sie jetzt erst einmal diejenige war, die Fragen stellte. Die Augen der Praioranerin wurden ein bisschen schmaler, als sie den Gugelforster erneut genau musterte.

„Ihre Gnaden Assunta hatte also recht mit der Einschätzung, dass es ihr nicht gelungen ist, dich zu erreichen“, stellte sie trocken fest, bevor sich ein fast tadelnder Ausdruck auf ihre Miene schlich. „Nun, sie neigt dazu, sehr vorsichtig zu kommunizieren. Vielleicht braucht es einfach ein paar klarere Worte, damit du begreifst.“

Nachdem das gesagt war, setzte sie sich auf, gönnte sich einen Schluck Tee und holte dann tief Luft: „Wie kommst du darauf, dass Frau Greifhild den Preis für eine Fehleinschätzung deinerseits zahlt, mein Sohn? Ist dir nicht ein einziges Mal der Gedanke gekommen, dass sie vielleicht dafür zahlen könnte, selbst fehlgegangen zu sein?“

„Ich denke nicht, dass es mir zusteht, das zu beurteilen, Hochwürden“, die Stimme des Junkers klang überzeugt. „Ich bin ein selbstkritischer Mensch. Ich kann nur auf mich selbst schauen und meine Fehler zum Anlass nehmen, um ein besserer, den Göttern frommerer Mensch zu werden. So wurde ich erzogen. Sowohl in meinem Elternhaus als auch während meiner Ausbildung. Über ihre Gnaden Greifhild müssen andere richten, zuvorderst der Herr Praios.“

„Es geht nicht darum, zu richten“, gab Heliopais prompt zurück. „Es geht darum, dass du eine überaus merkwürdige Wahrnehmung der Angelegenheit hast. Deine Wahl mag nicht sonderlich glücklich gewesen sein – für alle Beteiligten. Sie war dennoch legitim, denn als einzige dem Herrn Praios Geweihte in der Grafschaft Heldentrutz ist Greifhild die beste Ansprechpartnerin gewesen, die es für dich gab. Also sei gern selbstkritisch und schelte dich dafür, nicht auf deine hochwürdige Frau Mutter gehört zu haben. Aber dabei belasse es!“

Die Hochgeweihte hielt einen Moment inne, um den Junker mit ihrem stählernen Blick zu durchbohren: „Von dem Moment an, in dem Ihre Gnaden auf Lichtwacht erschienen ist, geht alle Verantwortung auf sie über. Als Dienerin des Herrn des Lichts hätte sie für die Herausforderungen gewappnet sein müssen, die in dem entweihten Tempel auf sie gewartet haben. Sie hätte wissen müssen, welche Maßnahmen es zu ergreifen gilt – und sei es auch nur, um die Unterstützung ihrer Geschwister im Glauben zu bitten. Das war nicht deine Aufgabe, sondern ihre. Dass du dir nun auch dafür die Verantwortung auf die Schultern laden willst, empfinde ich als respektlos.“

Als Trautmann im Angesicht dieses Vorwurfs zusammenzuckte und zu einer Antwort ansetzen wollte, bedeutete Heliopais ihm mit einer herrischen Geste, zu schweigen: „Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, dass Ritter sich für die einzig mündigen Menschen in der Mittnacht halten. Bis zu einem gewissen Grad empfinde ich dafür sogar Respekt, aber ihr müsst wissen, wo die Grenzen sind! Dass ein einfacher Adelsmann glaubt, für Fehltritte einer von Praios Erwählten geradestehen zu müssen – allzumal in einem Bereich, in dem er sich nicht auskennt, während sie darin sicher wie im Traume wandeln sollte – ist vermessen. Willst du einer erwachsenen Frau die Fähigkeit absprechen, die Konsequenzen ihres Handelns selbst abzuschätzen und zu tragen? Hast du Ihre Gnaden zu irgendetwas gezwungen? Oder hat sie frei entschieden, wie sie mit dem Tempel und der Giftkammer verfährt? Glaubst du etwa, du hättest die Situation besser einschätzen können müssen als jemand, dessen Lebensaufgabe es ist, dem Gott zu dienen, dem auf Lichtwacht gefrevelt wurde? Dass du Ihre Gnaden hättest warnen müssen, vor Gefahren, die du nicht kanntest, die sie kraft ihrer Ausbildung aber durchaus hätte erwarten können?“

Trautmann wagte es nicht, mehr darauf zu erwidern als ein leichtes Kopfschütteln. Es stimmte natürlich, was die Hochgeweihte ihm sagte, doch war es eben auch nicht ganz so einfach. Er wurde dazu ausgebildet und erzogen, jene zu schützen, die schwach waren. Der Grund für die Schwäche war dabei nur von sekundärer Bedeutung. Und Greifhild befand sich eben in einer Phase der Schwäche, das hätte er erkennen müssen.

„Ihr habt Recht, Hochwürden.“, kam es dann doch zögerlich. „Es ist für mich nur schwer, das zu sehen. Wir alle haben Momente und Zeiten, in denen wir schwach sind. Ihre Gnaden durchlebte so eine Phase“, der Junker brach seine Ausführungen ab. „Darf ich sie sehen, wenn dieses Etwas aus ihr entfernt ist?“

„Das Etwas ist nicht für ihre Schwäche verantwortlich, Trautmann. Sie war schon ... schwach, bevor sie auf diesen Geist getroffen ist. Und zwar so lange, dass man wahrlich nicht mehr von einer ‚Phase‘ reden kann. Daher ist sie auch so anfällig für seine Einflüsterungen gewesen, sonst wären die Dinge ohne Zweifel anders gelaufen. Du irrst also, wenn du annimmst, für die Rettung Ihrer Ganden hätte es genügt, das Etwas zu entfernen“, gab Heliopais ruhig zurück.

Nachdem das gesagt war, hielt die Hochgeweihte inne – lange genug, dass der Gugelforster sich fragen konnte, warum sie das Wort ‚hätte‘ statt eines ‚hat‘ wählte. Aber nicht lang genug, dass er für sich eine Antwort auf diese Frage finden konnte. Und von ihren Zügen ließ sie sich leider auch nicht ablesen.

„Wir haben den Geist bereits ausgetrieben“, meinte die Praioranerin dann. „Wenn du Wert darauf legst, kannst du Ihre Gnaden also sehen. Sie befindet sich allerdings in einem Zustand, in dem dir ein solches Treffen kaum neuen Erkenntnisse bescheren wird.“

Der Ritter legte seinen Kopf schief. Was sollte denn das bedeuten? Ein leichter Anflug von Sorge stieg in ihm hoch. Trotz einer leisen Ahnung was nun folgen würde, fragte er: „Habt Ihr schon? Wie geht es ihr? Schläft sie?“

„Ja, wir haben schon. Aber es ist schwer zu sagen, wie es ihr geht, denn sie ist nicht bei Bewusstsein“, antwortete Heliopais schlicht. „Schwer zu sagen, wie lange dieser Zustand andauern wird, also kann ich dir nicht guten Gewissens empfehlen, hier zu warten, bis sie wieder zu sich kommt. Du hast schließlich ein Gut mit dir anvertrauten Menschen, zu denen du zurückkehren und auf die du achtgeben musst. Jetzt vermutlich mehr als je zuvor, denn ich gehe davon aus, dass die Geschehnisse der letzten Tage und Wochen die Leute verunsichert haben.“

Trautmann nickte. „Habt Dank, Hochwürden. Ich werde noch bis morgen früh in der Stadt bleiben und dann aufbrechen.“ Kurz blickte der Ritter daraufhin ins Leere und es schien als würde er nach den richtigen Worten suchen. „Ich hätte auch noch eine Bitte an Euch. Die Kapelle in Lichtwacht ... und natürlich auch der Inhalt des Giftschranks ... es ist meine Pflicht und auch mein Wunsch, beides wieder der Kirche des Götterfürsten anzuvertrauen.“

„Ich habe darüber bereits mit Ihrer Gnaden Assunta gesprochen“, Heliopais nickte. „Warte bitte noch einen Tag länger, dann kannst du sie wieder mir nach Lichtwacht nehmen. Ich möchte, dass sie weiter Bestand aufnimmt und mir umfassend Bericht erstattet, sobald ein vollständiger Katalog erstellt ist. Dann wissen wir, womit wir es zu tun haben, und können uns überlegen, wie künftig damit zu verfahren ist.“

Sie blickte den Gugelforster schweigend an, bis dieser ihr signalisierte, dass er einverstanden war. Dann sah sie einen Moment nachdenklich ins Leere und hob schließlich noch einmal an: „Was nun die Kapelle betrifft: Sie ist sehr entlegen, wenn ich das so sagen darf. Für eine Burg des Bannstrahls mag das ein geeigneter Platz sein. Für geweihte Vertreter der Kirche des Lichts, die das Wort des Himmlischen Richters verkünden und seine Lehren in einer Gegend verbreiten möchten, in der sie bisher sträflich unterrepräsentiert sind, ist das eine schwierige Ausgangslage. Wir haben deinen Wunsch vernommen und sind natürlich mehr als gewillt, ihn zu erfüllen – so es auch der Baronin recht ist. Allein, wir müssen uns darüber klar werden, wie wir es am besten angehen. Da ist es gut, dass uns noch etwas Zeit bleibt, in der Ihre Gnaden Assunta die Stellung halten wird.“

Der Junker nickte verständnisvoll. „Ich danke Euch, Hochwürden. Es wäre jedoch schade, wenn die Kapelle wieder verwaisen müsste, nachdem wir sie nun renoviert haben und sie in altem Glanz erstrahlt“, meinte er nicht ganz ohne Stolz. Nicht einmal die Burg war annähernd fertig – die Mauern hatten mit Holzpalisaden gefüllte Löcher und ein Turm war immer noch eine Ruine. „Ich freue mich sehr, dass Ihre Gnaden mich weiterhin verstärken wird, auch wenn es nur temporärer Natur ist.“ Trautmann nickte Heliopais zu und wartete darauf, dass sie ihn entließ.

„Ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden“, meinte Heliopais und schenkte Trautmann – zum ersten Mal in diesem Gespräch – ein freundliches Lächeln. „Wenn damit fürs Erste alles geklärt ist, würde ich Euch nun in den Feierabend entlassen“, schob sie hinterher und erhob sich, nachdem Trautmann ihr mit einem Nicken bedeutet hatte, dass dem so war. Kurz darauf fand er sich auf den Straßen von Anderath wieder – allerdings nicht, ohne zuvor noch einen Segen erhalten zu haben.

Trautmann zog sich gleich in jenen Gasthof zurück, in welchem er schon bei seinem letzten Besuch in Anderath abgestiegen war. Wirklich zur Ruhe kam er dabei nicht. Zu viele Gedanken kreisten in seinem Kopf herum. War er nicht doch mit schuld am Zustand der Geweihten? Hätte er sich nicht gleich an den Inquisitor oder die Geweihten in Trallop wenden sollen? Der Junker saß an diesem Abend noch länger im Gastraum des Hauses, stocherte in seinem Eintopf herum und nippte gelegentlich an seinem Bier. Würde alles gut werden? Langsam zweifelte er daran.

zwei Tage später...

Wie vereinbart fand sich der Gugelforster am übernächsten Tag wieder beim Arbeitszimmer der Hochgeweihten ein. Eine eifrige Novizin führte ihn vor die Tür, doch ließ Hochwürden Heliopais auf sich warten.  Er stand sich auf dem Flur eine ganze Weile die Beine in den Bauch und überlegte gerade, ob er vielleicht klopfen sollte, um auf sich aufmerksam zu machen. Doch just in dem Moment öffnete sich die Tür. Er erblickte Assunta und nicht Heliopais und die schien überrascht, ihn zu sehen.

Sie hob fragend die Brauen und räusperte sich leise: „Praios zum Gruße, Trautmann. Wir sind spät. Verzeih. Es gab noch das eine oder andere zu besprechen.“

Nachdem das gesagt war, warf sie einen Blick zurück in den Raum und schien von dort aus bedeutet zu bekommen, dass sie nach draußen gehen, statt Trautmann herein zu bitten. Das tat sie dann auch und Heliopais folgte ihr auf dem Fuß.  Sie warf Trautmann einen prüfenden Blick zu, lächelte dann freundlich und nickte knapp:

„Dem Gleißenden zum Gruße, Trautmann. Bist du bereit zur Abreise?“

„Praios zum Gruße, Euer Gnaden. Ich bin bereit.“ Der Angesprochene nickte eifrig, doch setzte er sich noch nicht in Bewegung. Einen Moment lang war es offensichtlich, dass er einen inneren Kampf über die kommenden Worte ausfocht. „Bevor wir aufbrechen ... gibt es etwas Neues?“, fragte Trautmann dann. Er nahm an, dass sie verstand.

„Leider nein, Trautmann. Ihr Zustand ist unverändert“, gab Heliopais zurück. „Ich habe gestern einen Boten nach Trallop geschickt, um Unterstützung bei unseren Geschwistern in Boron zu ersuchen – sei es nun bei der Heilung ihrer Seele oder dabei, sie auf dem Weg ins Jenseits zu begleiten.“

Trautmann nickte auf diese Worte hin lediglich gefasst. Es half ja alles nichts. Nun galt es, darauf zu vertrauen, dass Greifhild jene Hilfe bekam, die sie benötigte, und den Blick wieder auf die eigenen Aufgaben zu richten: die Burg weiter instandsetzen, den Tempel in altem Glanz erstrahlen lassen und seinen Schutzbefohlenen eine sichere Heimat bieten.

„Lasst uns aufbrechen.“

-Fin-