Neues aus Weidenhag - Besorgniserregende Kunde

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Am Rande des Wargenforst, Baronie Weidenhag, Ingerimm 1039 BF

Im nahen Gebüsch zwitscherte ein Vogel. Der anwesende braunhaarige Waidmann nickte daraufhin und fuhr sich mit seiner Rechten durch den Schopf. Der Fink kündigt Regen an, dachte sich Yann während er instinktiv in den Himmel schaute. Nach einem kurzen prüfenden Blick legte sich der junge Jägersmann abermals auf die Lauer. Er liebte seinen jetzigen Standort, welcher stets gute Beute versprach – ein bisschen Regen würde da wohl nicht schaden.

Im mystischen Wargenforst gab es stets genug Jagdwild, doch trauten sich nur Toren tiefer in den Forst hinein als nötig. Zuviele Menschen sind schon spurlos im Wargenforst verschwunden und jene, die Tage oder Wochen später wieder gefunden wurden gingen meist ihres Verstandes verlustig und stammelten von einer goldhaarigen Elfenmaid. Unter den Jägern herrschte gar der Glaube, dass jene, die sich auf der Suche nach Jagdwild tief in den Forst wagen selbst zur Jagdbeute werden.

Yann schreckte auf als wenige Schritt vor ihm das Reisig auf dem Boden raschelte. Nur wenige Herzschläge darauf knackte ein Zweig, was nun auch seinen Freund den Finken in die Lüfte steigen ließ. Ein einzelner Rehbock war es, der sich an einem nahen Brombeerstrauch gütlich tat.

Der Jäger hob seinen Bogen, legte einen Pfeil ein und hielt den Atem an. Es war ein günstiger Schuss – direkt in die Keule. Yann lächelte. Allem Anschein nach war Firun ihm hold und er zerfetzte mit seinem Schuss eine Arterie seiner Beute, denn der Bock fiel nach kürzester Zeit. Dies war immer besser als ein Bauchschuss, der keine lebenswichtigen Organe verletzte und nur dazu führte, dass das Tier elendiglich verendete.

Yann betrat die Lichtung und legte seiner Jagdbeute eine Hand auf den Hals während er einige Worte des Dankes und auch der Entschuldigung murmelte. Erst jetzt bemerkte er ein seltsames Glimmen durch das Unterholz. Es scheint ganz aus der Richtung zu kommen in der sich der Weiler Gluckenhag am Rande des Wargenforsts befand.

„Bei den Göttern…“, murmelte der Waidmann und ließ dann sowohl seine Beute als auch seinen Bogen zurück als er, wie von einer Maraskantarantel gestochen aufsprang und davon lief…


Schenke Rosenhügel im Dorf Wargentrutz, eine Stunde später


>>Am Pfad meines Lebens ruht Deine Hand.
Dem Willen der Familien zuwider, in Ewigkeit verbunden.
Herrin Rahja öffne die Wunden, und heil' sie wieder.
Bis sich Unser beider Schicksale wirres Muster zeigt.

Jeden Morgen, fliehst Du aus meinen Träumen.
Mein lieblich´ Schatz, oh Du Menschenbegehr.
Im Traum, seh' ich rot-goldene Locken -
Deine Smaragdgrünen Augen von Tränen nass.


Dem Schrei meines Herzens nach folge ich in den dunkel´ Forst.
Um dein wunderbares Herz abermals aufzuspüren.
Durch Sehnsucht und Trauer, in Stein verwandelt.
Lass mich Deine Lippen küssend mit Leben erfüllen.

Jeden Morgen, fliehst du aus meinen Träumen.
Mein lieblich´ Schatz, oh Du Menschenbegehr.
Im Traum, seh' ich rot-goldene Locken -
Deine Smaragdgrünen Augen von Tränen nass.

Ich frage mich, ob du mein Schicksal bist.
Oder ob der Götter Launen uns zusammenführte.
Als wir uns trafen in der Dûren Schatten.
Wurdest du gezwungen, mich zu lieben?

Jeden Morgen, fliehst du aus meinen Träumen.
Mein lieblich´ Schatz, oh du Menschenbegehr.
Im Traum, seh' ich rot-goldene Locken -
Deine Smaragdgrünen Augen von Tränen nass.<<

(irdische Vorlage: Sharm, The Wolven Storm)


Der blonde Jüngling beendete sein Lied und legte seine Laute beiseite. Niemand sagte ein Wort, sodass nur das Knacken der Holzscheite im nahen Kamin zu hören war. Erst der Seufzer einer, den Barden anhimmelnden, jungen, rothaarigen Frau mit zahlreichen Feenküsschen im Gesicht, schien der sich bietenden Szenerie wieder etwas Leben einzuhauchen.

„Ach wie schön.“, wie auf ein Signal hin erhob sich nun Heidelinde, die alternde Frau des hiesigen Grobschmieds. „Ihr habt es wieder einmal geschafft uns alle aufs Tiefste zu bewegen, Herr, ich bin so frei Euch meinen Dank und meine…nein unser aller Hochachtung auszudrücken.“

Der Jüngling erhob sich und ließ nach einer tiefen Verbeugung seinen Blick über den Gastraum schweifen. Es kam nun Leben in die Versammelten. Wie beinahe jeden Tag war der Rosenhügel voller Menschen - Menschen aus dem Dorf, aber auch Auswärtige und Pilger. Wargentrutz hat in den vergangenen Götterläufen einen bescheidenen Aufschwung erlebt und dies war vor allem der nahen Rahja-Pilgerstätte zu verdanken.

Seine Baronin hatte sich sehr dafür eingesetzt diesen wieder mit neuem Leben zu erfüllen, womit sie die „Arbeit“ der Vorgänger ihres Hauses – einer der Traviakirche sehr nahe stehenden Familie – mehr oder weniger zunichte machte. Diese waren nach ihrer Belehnung ja weitestgehend darauf aus, diesen liberalen Ort in ihrer Baronie in der Bedeutungslosigkeit verschwinden zu lassen.

Nun war Wargentrutz wieder das, was es einst war. Ein Hain der Freundschaft, oder win´dir wie es die nahen Elfen des Dûrenwaldes nennen würden.

Der Blick des Jünglings blieb an einer dunkelhaarigen Schönheit mit leicht angespitzten Ohren haften, die frech mit einer Haarlocke spielte. Der Barde konnte sich freundliches Lächeln nicht verkneifen und neigte grüßend den Kopf. Die Schönheit war sichtlich erfreut über das Interesse und klimperte mit den Wimpern.

Nur wenige Herzschläge später öffnete sich die Tür in den Schankraum. Herein stürmte ein schmächtiger, braunhaariger Mann und die Anwesenden konnten Sorge in den eisblauen Augen des blonden Jünglings aufblitzen sehen.

„Euer Wohlgeboren…“, stammelte er nach Luft japsend an den Barden gerichtet. „Euer Wohlgeboren…Orks…Feuer in Gluckenhag.“

Der Angesprochene wirkte ruhig, spannte sich aber sichtlich und winkte mit einer einfachen Handbewegung eine blonde Frau im Kettenhemd heran. „Wigdins lass mir Pferd und Waffen vorbereiten. Schicke auch einen Boten zur Baronin…wir reiten nach Gluckenhag.“

Erst jetzt schienen viele der auswärtigen Anwesenden zu bemerken wer die Gesellschaft am heutigen Tage mit seinen Balladen und Geschichten unterhalten hatte. Es war Junker Feyenhold Welkenstein von Wargentrutz höchstselbst, der Herr dieser Lande und tragische Figur der eben gehörten Balladen…