Variae sunt viae fortunae - Schlechte Nachrichten

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Ruine Welkensteyn, zur selben Zeit
 
Raugund Welkenstein war zufrieden mit sich selbst. Alles schien nach Plan zu verlaufen – vielleicht sogar besser. Nun war es ihr und ihren Leuten auch noch gelungen den „Edlen“ der Burg auszuschalten – IHRER Burg. Welkensteyn war über 500 Götterläufe lang der Besitz ihrer Familie und Sitz der Barone von Weidenhag. Erst die Gugelforster entschieden sich dazu ihren Sitz in das größte Dorf der Baronie zu verlegen. Raugund verzog ihr Gesicht zu einer hässlichen Grimasse und spuckte aus.
 
Schwere Schritte ließen sie jäh aus ihren Gedanken hochschrecken. Es waren die beiden Söldlinge, die sie ausschickte um Feyenhold seiner Mutter zu nehmen. „Herrin…“ Der ältere der Beiden hob unsicher an zu sprechen.
 
„Was soll das? Wo ist der Junge?“ Unterbrach ihn die Angesprochene sogleich.
 
„Es gab Kompl…“
 
„Komplikationen!?“ Raugund war außer sich. „Ihr Pünten habt versagt! Ich frage Euch jetzt noch einmal; wo ist der Junge?“
 
„Ich…ähm…wir wissen es nicht. Wir verloren ihre Spur im Dorf Südhag. Es kann also sein, dass er sich in der Baronie befindet.“
 
„Ihre...? Wer ist mir ihm? Was ist geschehen?“ Raugund versuchte ruhig zu bleiben und ihre Gedanken zu ordnen.
 
„Der Junge wird von einem Waffenknecht begleitet. Seine Mutter ist tot.“ Entgegnete ihr nun der jüngere der Söldner. Seine Stimme war ruhig und gefasst.
 
Die Welkensteinerin schritt nervös auf und ab. Nun galt es zu handeln. „Waindis!“ Einen Entschluss gefasst rief sie nach ihrer Tochter, die ihr sogleich Folge leistete.
 
„Mutter?“ Es war fast ein Flüstern. Die junge Frau wusste, dass ihre Mutter in diesem Gefühlsstadium gefährlich war. Die Leidenschaft im Blute der Welkensteins war sprichwörtlich und war ihr Blut einmal in Wallung kannte die rundliche Raugund keine Grenzen.
 
„Kümmere dich um unser Pärchen im Loch und schicke Alwine eine Nachricht. Sie soll ihren Hintern hochbekommen und sich der Baronin annehmen.“ Die aufkommende Blässe im Gesicht ihrer Tochter quittierte sie mit einem verächtlichen Schnauben. „Stell dich nicht so an, Kind. Es ist Zeit loszuschlagen. Mit der Hilfe von Markwins Söldnern können wir uns hier in der Burg verschanzen.“
 
Waindis wusste wen ihre Mutter mit „Markwins Söldnern“ meinte, waren diese Männer doch nichts weiter als Bande von Mordbuben aus der Wildermark. Der jungen Frau lief ein eiskalter Schauer über ihren Rücken, doch sie fasste einen Plan. So leicht werde ihre Mutter ihren Willen nicht bekommen – nein, dieses Mal nicht!