Der Fall Burg Aarensteins - Leichtes Spiel

Beitragsseiten


Spätsommer auf Burg Ilkenstein

Rondradan von Streitzig ä.H. schritt energisch aus. Burg Ilkenstein – Burg! Er lachte innerlich – war zu klein, zu eng, zu unbedeutend. Seine Schwarzen Ritter hatten ihr Lager zu Füssen der Motte errichten müssen. Noch eine Treppe, dann hatte er den sogenannten ‘Rittersaal’ erreicht. Vom Fenster aus konnte er sich einen Überblick verschaffen. Der nagrachgeschickte Nebel hatte die Drosseltiefe inzwischen ganz ausgefüllt, war Sokramors Hetzern nach Süden gefolgt und brandete inzwischen sicher schon gegen den Aarenstein. Er erlaubte sich ein schmales Lächeln. Am Fenster angekommen stieß er den Laden mit der gepanzerten Hand auf. Kälte strömte herein und füllte den schäbigen kleinen Saal. Das Kaminfeuer flackerte im eindringenden Wind bedenklich.

Er blickte hinab auf Tannweiler. Lodernde Feuer spiegelten sich im alles einhüllenden Nebel, der viele Geräusche gnädig dämpfte, zuweilen jedoch unwirkliche Helligkeit schenkte, die der in ihrem Licht begangenen Gräuel eine besondere Tragik verlieh. Die Plünderung war noch in vollem Gang und erst, wenn eine Scheuer oder ein Wohnhaus all seiner ‘Schätze’ beraubt war, durfte es angezündet werden. Den Peraine-Tempel zu verbrennen hatte der Rittmeister den Rittern versagt. Es war ihm einerlei, was mit dem Geweihten oder den sakralen Gegenständen geschah. Aber er wollte nicht, dass man später nichts von der Schändung sah und darum vermutete er, dass es weder dem Priester noch den Tempelschätzen derzeit wohl erging. Die Stirnseite des Tempels zierte nun ein Abbild des Feurigen Vaters. Der Gobelin zeigte einen flammenden Baumriesen, in dessen Borke allerlei Pflanzen wurzelten und sich Tiere verbargen. Es hatte ihn amüsiert, dass seine Untergebenen an eine solche Kleinigkeit gedacht hatten.

Eine Weile erfreute sich der Markverweser noch am blutigen Schauspiel. Dann war es genug. Etwa die Hälfte der Häuser stand in Flammen und sie hatten ausreichend Angst und Schrecken verbreitet. Die Waffenknechte des Klöppelsteiners waren tot oder starben qualvoll, nachdem man ihre Leiber zur Mahnung auf Pfähle gesteckt hatte. Ihren Herrn wähnten die Dörfler sicher im Verlies … oder auf der Folterbank. Rondradan gab das verabredete Zeichen und der Hornstoß erklang. Widerstrebend, aber gehorsam zogen sich die Ritter in ihr Lager zurück. Zufrieden beobachtete er, wie Wachen postiert wurden. Die Löscharbeiten in Tannweiler waren in vollem Gang und soweit er es beurteilen konnte, trugen die Bauerntrampel an einigen Stellen gar den Sieg davon.

Im Morgengrauen endlich erkannte er, wonach er Ausschau gehalten hatte. Ein junges Weib, der Kleidung nach eine Art Waldläuferin, stahl sich durch die rauchenden Ruinen, nutzte den Nebel geschickt zu ihren Gunsten und hatte sich weit genug im Zaum, mit Ruhe und Bedacht vorzugehen. Wie befohlen ließen die Wachen große Lücken zwischen sich und eine solche nutzte das Weib nun aus. Rondradan erlaubte sich nun ein breites Lächeln. Sie war sicher sehr stolz auf sich, als sie geduckt und Haken schlagend aus dem Dorf rannte und bald vom Nebel verschluckt wurde. Der Bote für den Aarenstein war unterwegs. In zwei Stunden würde er selbst mit der Hälfte der Ritter und allen Hetzern aufbrechen.