Der Fall Burg Aarensteins - Grenzreiter

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Winter in der Stadt Baliho

Und da hieß es, schlechte Nachrichten flögen auf flinken Schwingen.

Die Hohe Halle Räuharsch war verstummt, als der Bote aus Auen seine Nachricht vorgebracht hatte und einem jeden bewusst wurde, dass er von Schrecken kündete, die sich bereits vor Wochen ereignet hatten. Der jähe und unerwartete Wintereinbruch in den Bergen hatte das Reisen erschwert. Zudem davon auszugehen war, dass nicht alle Boten ihr Ziel erreicht hatten. Die junge Burggräfin Ardariel Nordfalk von Moosgrund hatte es – nach einer kurzen Beratung – ihrer ebenso jungen Kanzlerin Greifgolda von Mersingen überlassen, dem Boten notwendige Fragen zu stellen.

Enttäuscht davon, dass der Weidener Adel nicht umgehend einen Schwertzug ausgerufen hatte, waren die Boten des Ordens der Schwerter gar nicht erst bis nach Baliho gereist. Es war Geweihten im Rock des Ordens zur Wahrung aus Auen überlassen worden, die Burggräfin zu unterrichten und das sorgte schließlich dafür, dass der Rittersaal sich wieder mit Geräuschen füllte. Unzufriedenen zumeist.

Wo sich die wenigen Überlebenden derzeit aufhielten war unbekannt und bot allerlei Raum für Spekulation. Bezugnehmend auf die einige Zeit zurückliegenden Ambitionen des Ordens, in der Wildermark eine Löwenmark zu errichten, nachdem die vereinten Bemühungen des Zornesordens und der Schwerter sie erst befriedet hatten – so der ehrgeizige Plan – wähnten einige sie eben dort. Anderen war es reichlich egal, wo die Ordensritter sich befanden, denn ob der Aarenstein nun eine Ordensburg war, oder nicht, er war ohne Zweifel eine Weidener Burg. Mit ihr war ein weiteres Bollwerk an den verhassten Feind gefallen und das war ganz und gar unerträglich.

Zufrieden nickend nahm Ardariel zur Kenntnis, dass die Wahrer bereits gehandelt und ein halbes Dutzend Recken in die Schwarze Sichel gesandt hatten. Dass die Barone sich indessen noch nicht entschlossen hatten, ernsthaft zu reagieren und dem Bruder in Böckelsdorf zu Hilfe zu kommen, weckte ihren Zorn. “Ai, das siehst du es, Greifgolda”, ereiferte sich die Nordfalkin, als einmal mehr Tumult im Saal ausbrach, “eifrig dabei, wenn es gilt, dir und mir ihre Weisheit anzutragen, aber zögerlich wie die Nordmärker, wenn es darum geht, die Klingen zu gürten und zu handeln.” Erbost schlug sie auf die Armlehne ihres Stuhles. “Denken sie, im Winter würde ich keinen Schwertzug ausloben? Ha! Morgen werden wir Kriegsrat halten, lade mir die üblichen Verdächtigen ein.” Ardariel winkte den Siegelmeister heran. “Schickt heute noch einen Boten an die Herzogin, Herr von Lahndroval, sie muss erfahren, dass der Feind erneut nach ihrem Land greift.” Sie wandte sich wieder an Greifgolda und bemerkte in ihrem Brass gar nicht, dass die Mersingerin merkwürdig blass geworden war. “Umgehend soll sich zudem eine Hand Grenzreiter aufmachen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Ritter Wilfing soll sich darum kümmern. Außerdem denke ich, dass wir alsbald einen Kriegsrat mit den Anrainerbaronen halten sollten, am Besten in Kornfelden ... und ja … ich weiß … vermutlich sollten wir das in Ruhe morgen besprechen.” Ardariel seufzte ungeduldig und erging sich dann in der Betrachtung disputierender Balihoer Adliger.

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Derweil beendete der zweite Bote aus Auen seinen Bericht im Balihoer Rondra-Tempel Lohenharsch. Die Schwertschwester der Halle überlegte nicht lange. “Derzeit tun außer mir 3 Schwerter der Herrin Dienst in diesen Hallen. Ich kann und werde den Tempel nicht unbotmäßig entblößen. Doch ich werde auch nicht tatenlos bleiben. Gilborn Severrox von Baliho”, wandte sie sich an einen tadellos gewandeten Geweihten mit strenger Miene. Er hatte die ganze Zeit abseits gestanden und aufmerksam zugehört. Nun trat er vor und führte die Faust zur Brust. “Ihr seid einer der erfahrendsten Geweihten in diesem Göttinnenhaus. Ich gehe davon aus, dass die Burggräfin nicht zögern wird, ein gräfliches Kontingent zu entsenden. Diesem schließt Euch an und steht den Männern und Frauen mit Rat und Tat zur Seite. Ich bin mir sicher, dass die Burggräfin es gerne sieht, wenn ein Diener der Donnernden an der Seite ihrer Leute reitet.”

Der Knappe der Göttin nickte knapp. Es war wohl bekannt, dass er kurz vor der Erzweihe stand. Diese Gelegenheit sich vor seiner Göttin zu beweisen war ihm also überaus willkommen. Dennoch versagte er sich ein Lächeln. Alinja Leuenklinge von Norburg erwiderte sein Nicken ebenso gefühlsarm. Dann wandte sie sich wieder dem Boten zu und ihre Miene wurde freundlicher. “Seid Gast in unseren Hallen, Schwester! Die Reise hierher war sicher anstrengend. Fürs erste soll ein Tee”, sie stand auf und steuerte auf ein messingglänzendes Ungetüm mit mehreren Kannen, Hebeln und Hähnen zu, “Eure Lebensgeister beleben. Bevorzugt Ihr ihn eher stark, oder mittelreichisch?”